Von Sandro Ceroni
Um halb zehn steht bei Prodan schon ein Glas Malvazija auf dem Tisch. Und die Trüffeleierspeise ist erst der Anfang. Drei Tage führt unsere Route von Novigrad über Buzet und Momjan bis Rovinj und Vodnjan. Wir besuchen Trüffelsucher, Winzer, Ölmüller und Wirtsfamilien. Eines haben sie gemeinsam: Beim Essen wird nicht gespart. Am Ende der Reise ist auch der Kofferraum gut gefüllt.
Die Stationen
- Novigrad
- Prodan Tartufi
- Durch das Mirnatal
- Blu Mare
- Konoba Čok
- Kozlović
- Stari Podrum
- Hotel Lone
- Tekka
- Rovinj
- Chiavalon
- Ranch Fortuna
- Alle Adressen
Die Route in Google Maps öffnen: Novigrad – Buzet – Momjan – Rovinj – Vodnjan
STATION 1 · NOVIGRAD – DIE STADT
Novigrad am Hafendamm und in den Altstadtgassen

Novigrad ist eine Stadt, die man nicht erobern muss. Man umrundet die Altstadt auf der Halbinsel in einem gemütlichen Spaziergang, und spätestens beim zweiten Mal kennt man den Weg, ohne aufs Telefon zu schauen. Der Glockenturm zeigt die Richtung, das Wasser ist nie weiter als ein paar Gassen entfernt.
Klein, überschaubar und angenehm unaufgeregt: Hier fühlt man sich nach einer Stunde zu Hause. In einer Gasse hängen bunte Schirme über dem Pflaster, vor den Läden stehen Tafeln, die in sieben Begriffen das ganze Hinterland zusammenfassen: Olivenöl, Schnaps, Wein, Honig, Trüffel, Gin Tonic, Naturkosmetik. Man sitzt am Hafen, schaut den Booten zu und stellt fest, dass man eigentlich nichts vorhat. Genau das ist der Plan.
Der Abend in Novigrad beginnt am Hafendamm. Der Himmel spielt alle Pastelltöne durch, und die Lichter der Stadt spiegeln sich im Wasser. Wer früh aufsteht, erlebt das Gegenstück: Bei Sonnenaufgang wird der kleine Leuchtturm angestrahlt, und dann erwacht das Meer.
Tipp: Für den Sonnenuntergang rechtzeitig am Hafendamm sein. Die Vorstellung beginnt pünktlich.




STATION 2 · PRODAN TARTUFI, BUZET
Prodan Tartufi: Ein Hund, ein Wald und ein Frühstück für sechs

Um Viertel vor neun bin ich in einem Wald bei Buzet und laufe einem Hund hinterher. Der Hund hat dabei eindeutig mehr Spaß als ich, und das will etwas heißen, denn ich habe sehr viel Spaß. Igor Prodan, ein ausgesprochen kluger und freundlicher Mann, führt die Suche, sein Hund Sky gibt das Tempo vor. Es ist eine Freude zuzusehen, mit wie viel Begeisterung Sky bei der Sache ist. Und wir waren erfolgreich. Wer das einmal miterlebt hat, sieht den Trüffel auf dem Teller anders.
Prodan Tartufi ist ein Familienbetrieb in dritter Generation, der seit den 1960er-Jahren im Trüffelgeschäft ist. Die Familie sucht selbst, bildet ihre Hunde selbst aus und verarbeitet die Funde zu Aufstrichen, Ölen, Salz und Käse.
Zurück im Haus hat Igors Frau Višnja, äußerst liebenswürdig und charmant, bereits eine kleine Kostplatte angerichtet: Salami, Käse, Crostini mit Trüffel, alles so präzise gesetzt, als würde gleich ein Inspektor mit rotem Führer kommen. Dazu ein Glas Malvazija. Um 9.30 Uhr ist das eine Herausforderung, aber da muss man durch.
Dann folgt das Gericht, für das man eigentlich gekommen ist: die Trüffeleierspeise, im Istrischen Fritaja s tartufima. Gordon Ramsay war schon hier auf Trüffelsuche, und durch Zufall sitze ich genau auf seinem Platz am Tisch. Das Urteil fällt schnell und einstimmig. Die Portion ist wohl für sechs Personen gedacht; ich habe sie nahezu allein geschafft. Abgeschmeckt wird nicht nur mit frisch gehobeltem Trüffel, sondern auch mit dem hauseigenen Trüffelpulver, schwarz und weiß.
Freundlicherweise darf ich danach einen starken Espresso bestellen. Er kommt nicht allein, sondern mit Vanilleeis mit Trüffelhonig. Eigentlich nicht mehr zu schaffen, aber Eis geht immer.
Die Produkte sind tadellos. Was aber bleibt, ist etwas anderes: die Fröhlichkeit einer Familie, die ihren Betrieb gemeinsam führt und dabei so wirkt, als hätte sie Gäste wirklich gern. Das schmeckt man bei jedem Gang mit.
Auf einen Blick
- Prodan Tartufi, Praščari 43, 52420 Buzet
- Trüffelsuche mit Hund und Verkostung nur nach Voranmeldung, Start meist um 9 Uhr
- Tel. +385 91 551 2796 · info@prodantartufi.hr · prodantartufi.hr
- Tipp: mit leerem Magen kommen. Wirklich leer.






STATION 3 · UNTERWEGS · DURCH DAS MIRNATAL
Von den Trüffeln ans Meer: eine Fahrt durchs Auenland

Von Buzet zurück nach Novigrad lohnt sich die Strecke durch das Mirnatal. Die Straße folgt der Mirna, dem längsten Fluss Istriens. Sie entspringt nahe Buzet, fließt an Motovun vorbei und mündet bei Novigrad in die Adria. Man fährt also buchstäblich mit dem Fluss vom Trüffelwald ans Meer.
Das Tal ist breit und grün, an den Rändern stehen Felswände, dazwischen Wiesen, Wald und der Fluss, der sich Zeit lässt. Es sieht aus wie eine Fahrt durchs Auenland, nur auf Asphaltstraße. Gott sei Dank. Wer kann, hält an, steigt aus und schaut einfach eine Weile. Nach einem Vormittag bei Prodan ist das ohnehin eine gute Idee.
Gut zu wissen
In den feuchten Böden des Motovuner Waldes im Mirnatal wachsen die weißen und schwarzen Trüffel, für die die Region bekannt ist. Die Mündung bei Novigrad ist ein geschütztes Rückzugsgebiet für Wasservögel.


STATION 4 · BLU MARE, NOVIGRAD
Blu Mare: Wohnen in der ersten Reihe der Altstadt

Das Blu Mare liegt so nah am Wasser, wie es in der Altstadt von Novigrad nur geht, und von meinem Zimmer ging der Blick direkt aufs Meer. 27 Zimmer und Suiten, jedes mit Meerblick. Man kommt an und ist sofort da.
Tereza und ihr Team empfangen höflich, freundlich und herzlich. Eine schöne Idee des Hauses: „Share a Sunset“. Die Rezeption erstellt persönliche Postkarten des eigenen Sonnenuntergangsfoto der Gäste, ergänzt um ein paar Zeilen, und verschickt die Grüße mit der Post. Eine kleine Geste, die in Zeiten von Sprachnachrichten fast altmodisch wirkt – um den Empfänger so sicher doppelt beglückt.
Mein Zimmer: sehr geschmackvoll eingerichtet, in angenehmen, ruhigen Farben. Ein Raum, in dem man nach einem Tag mit Trüffeln am Vormittag und Fisch am Abend gern ankommt.
Am Morgen: sehr guter Kaffee und ein großes Frühstücksangebot. Nach dem Abend bei Čok eigentlich schon zu viel. Aber das weiß man um sieben Uhr noch nicht.
Auf einen Blick
- Blu Mare Boutique Hotel, Ulica Zidine / Via delle Mura 14, 52466 Novigrad
- 27 Zimmer und Suiten, alle mit Meerblick
- Tel. +385 52 356 700 · blumarehotel.com
- Tipp: Parkplatz und Gepäcktransport vorab abstimmen, etwa zehn Minuten vor Ankunft anrufen


STATION 5 · KONOBA ČOK, NOVIGRAD
Konoba Čok: Ein Padrone mit Schmäh und ein Branzino, über den man nicht reden soll

Manche Lokale verlässt man zufrieden. Aus anderen wird man hinausgerollt.
Čok ist ein Wirtshaus, das ganz von der Familie getragen wird. Sergio Jugovac ist der Padrone, ein humorvoller Senior mit Schmäh und Augenzwinkern. Seine Frau Vilma ist so herzlich, wie man es sich von einer Gastgeberin nur wünschen kann. Und in der Küche zaubert Sohn Viljan.
Los geht es mit einer Auswahl Olivenöle, fünf Tage nach der Pressung. Dazu einfach Brot, sonst nichts. Ich hätte am liebsten das ganze Brotkörberl gegessen. Memo an mich: Das mit dem Brot sollte ich lassen. Dazu eine Weinempfehlung des Hauses, die wieder einmal positiv überrascht. Sie machen das gut in Istrien.
Als Gruß aus der Küche kommt Thunfischtatar, zart und cremig. Der erste Gang: Branzino-Carpaccio, rohe Scampi aus der Kvarner Bucht und ein großartiges Tatar von der Goldbrasse. Alles mit Olivenöl und Salz abgeschmeckt. Die Frische des Meeres braucht keine weitere Würze.
Dann der gedämpfte Branzino. Sergio meint, den solle ich gar nicht erwähnen, den bestellten ohnehin alle, und er habe schon Tausende filetiert. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Es ist das Signature-Gericht des Hauses. Zart, leicht, zerfließend am Gaumen, wieder nur ein Hauch Olivenöl und ein paar Salzflocken. Dazu Gemüse, Karotte, Kartoffel, Fenchel, denen man ihre eigenen Aromen lässt.
Zum Schluss zwei Desserts, anscheinend war geplant, mich aus der Konoba zu rollen. Eine Panna cotta mit Beeren, in perfekter Konsistenz und nicht wie Pudding. Und ein Cheesecake. Warum eine Konoba Cheesecake macht, weiß ich nicht, aber leider war auch der hervorragend: leicht und angenehm, keine komprimierte Bombe.
Trotz allem musste ich mich über die Überversorgung beschweren. Sergio reagierte mit zwei Grappa. Ich war versöhnt.
Auf einen Blick
- Konoba Čok, Sv. Antona 2, 52466 Novigrad · Tel. +385 52 757 643 · Mittwoch Ruhetag
- Familienbetrieb: Sergio Jugovac (Padrone), Vilma (Gastgeberin), Viljan (Küche)
- Unbedingt probieren: gedämpfter Branzino, rohe Kvarner-Scampi, Tatar von der Goldbrasse
- Tipp: Tisch reservieren. Und beim Brot Zurückhaltung üben.




STATION 6 · WEINGUT KOZLOVIĆ, MOMJAN
Kozlović: Warum Malvazija mehr Zeit verdient, als man ihr lässt

Gianfranco Kozlović steckt an diesem Vormittag mitten in den Assemblagen. Er verkostet, vergleicht und ist konzentriert bei der Sache. Er nimmt sich trotzdem Zeit für meinen Besuch.
Wir sitzen auf der Terrasse über dem Tal Vale, gegenüber thront der mittelalterliche Turm von Momjan, und beginnen mit einem einfachen Malvazija. Wir plaudern. Zuerst über seine Ideen, wie alles entstanden ist, über seine Philosophie. Dann über die Region, den Boden, das Klima, all das, was einen Wein am Ende ausmacht. Mit jedem Satz wird er offener, und irgendwann sind wir bei der großen Frage: Wo soll der istrische Wein eigentlich stehen?
Dann holt er einen gereiften Malvazija, Jahrgang 2021. Meine Begeisterung ist offensichtlich, und Gianfranco lächelt. Feuerstein, leichte Zitrusnoten, etwas Salz. Genau so, wie ich die Weine aus dem Burgund liebe. Eine weitere gereifte Flasche folgt, sehr burgundisch ausgebaut.
Für mich war Malvazija bis dahin ein netter Begleiter zu Fisch und Co., easy am Pier. Weit gefehlt. Mit der Reife entfaltet die Rebsorte ihren Charakter, und Kozlović gehört zu den Pionieren, die mit diesem Potenzial hervorragend umgehen. Das sieht nicht nur der Gast aus Graz so: Das britische Weinmagazin Decanter schrieb, Gianfranco Kozlović habe die istrische Malvazija beinahe im Alleingang als Qualitätsrebsorte zurück auf die Landkarte gebracht, die Weine seien komplex, elegant und sehr lagerfähig.
Ausgerechnet die Reife ist aber das Problem. Kozlović füllt zwischen 200.000 und 250.000 Flaschen im Jahr und würde seine Weine am liebsten erst mit einem gewissen Reifegrad verkaufen. Nur ist er meistens ausverkauft, bevor er Vorrat für die Reife anlegen kann. Es gibt schlimmere Sorgen für einen Winzer, aber nur wenige, die mehr über die Qualität seiner Weine verraten.
Spannend ist auch sein Blick auf die Region. Istrischer Wein, sagt er sinngemäß, kann seinen Stellenwert nur beweisen, wenn sich die Winzer gemeinsam für die beste Qualität entscheiden und miteinander statt nebeneinander arbeiten. Ich kenne viele Winzer. Die spannendsten sind irgendwie Philosophen, mit einem klaren Bekenntnis zum Handwerk. Gianfranco Kozlović ist einer von ihnen. Mit der Zeit wird aus der Verkostung ein ausführliches Gespräch über Wein und Istrien.
Gut zu wissen
- Seit 1904: Antonio Kozlović kaufte im Tal Vale unter Momjan ein Häuschen und einen Hektar Weingarten. Anfang der 1990er-Jahre übernahm Gianfranco von seinem Vater Armando, heute ist Tochter Gianna, Önologin, mit im Betrieb.
- Lagen: über 30 Hektar eigene Weingärten in Vale und in Santa Lucia bei Buje, der bekanntesten Grand-Cru-Lage Istriens.
- Weine: vier Linien, Malvazija und Teran von frisch bis gereift, dazu die Bordeaux-Cuvée Santa Lucia Noir. Der Santa Lucia Malvazija reift zwölf Monate im großen Eichenfass.
- Architektur: Das neue Kellergebäude von 2012 schmiegt sich an das alte Haus und den Hang. Der Sommelier-Weltmeister 2013 Paolo Basso nahm Kozlović als einziges Weingut Kroatiens in seinen Bildband über die 66 schönsten Weinkeller der Welt auf.
- Rarität: Der erste Santa Lucia Teran, Jahrgang 2017, kam erst im Dezember 2025 auf den Markt, nach acht Jahren Reife, in rund 1.000 Flaschen.
Auf einen Blick
- Weingut Kozlović, Vale 78, 52460 Momjan
- Tel. +385 52 779 177 · kozlovic.hr
- Verkostungen in mehreren Formaten, vorab reservieren. Bei Schönwetter auf der Terrasse mit Blick auf den Turm von Momjan und die Weingärten im Tal.
- Tipp: Nach dem gereiften Malvazija fragen. Und einen Fahrer organisieren.






STATION 7 · KONOBA STARI PODRUM, MOMJAN
Stari Podrum: Wo die Nona kocht und man besser aufisst

Vom Weingut Kozlović sind es nur ein paar Minuten bergab, und doch ist es eine andere Welt. Der Stari Podrum, der „alte Keller“, liegt unterhalb der Burg von Momjan in einem Gebäude, in dem früher Likör gebrannt wurde. Heute kocht hier die ganze Familie. Ein heller Wintergarten mit hohen Fenstern lehnt sich an das alte Haus, drinnen fühlt man sich sofort wohl.
Die Rollen sind klar verteilt. In der Küche steht Nona Mira, im Service führt ihre Tochter Ingrid Regie. Herzlich, lustig, amikal. Die Gastgeberinnen nehmen sich Zeit für ihre Gäste.
Natürlich beginnt alles wieder mit Olivenöl. Ich hatte mir bei Čok vorgenommen, mich beim Brot zurückzuhalten. Die Selbstwarnung hat nicht funktioniert. Frisches Öl ist einfach unglaublich gut, und Istrien macht es einem in diesen Wochen nach der Ernte wirklich schwer.
Was dann folgt, ist eine kulinarische Reise durch Istrien, Gang für Gang, und jeder davon hervorragend. Toast mit Trüffelcreme zum Ankommen. Eine Brokkolisuppe, die deutlich besser schmeckt als man Brokkoli jemals zutrauen würde. Carpacci vom Rind und von Zucchini und dazu sensationell gute Pilze. Teigtascherl, gefüllt mit Käse und Speck, darüber Granatapfel. Fuži mit Trüffeln, von denen ein großer Löffel ungefähr so viel Trüffel trägt wie anderswo ein ganzer Teller. Dann Tagliata mit Parmesan, Rucola und einem knusprigen Erdäpfelfladen. Und zum Schluss Tiramisu mit Quitte, das man so schnell nicht vergisst. Die Küche ist ehrlich, regional und so, wie man sich istrische Hausmannskost wünscht, wenn sie jemand mit sehr viel Können macht. Gekocht wird nach Tageskarte, je nachdem, was gerade frisch ist.
Eine Regel sollte man kennen: Gewisse Dinge isst man auf. Sonst gibt es Stress mit Nona Mira. Sie gibt sich in der Küche viel Mühe und steckt viel Liebe in jeden Teller, und das gehört gewürdigt. Ich habe mich daran gehalten. Es war nicht schwer, nur viel.
Gut zu wissen
- Mira Zrnić gilt als eine der Pionierinnen der gepflegten Konoba-Küche in Istrien und führt den Stari Podrum gemeinsam mit ihren Töchtern.
- Das Haus war früher die erste Likörfabrik Istriens, daher der Name „alter Keller“.
- Tageskarte je nach Saison
Auf einen Blick
- Konoba Stari Podrum, Most 52, 52462 Momjan
- Tel. +385 52 779 152
- Reservierung unbedingt nötig · 12–22 Uhr, Mittwoch Ruhetag
- Wenige Minuten vom Weingut Kozlović, die beiden ergeben zusammen einen perfekten Tag
- Tipp: Hunger mitbringen. Und aufessen.









STATION 8 · HOTEL LONE, ROVINJ
Hotel Lone: Geschwungene Terrassen zwischen Pinien und Meer

Nach den Konobas und Familienbetrieben der ersten Tage wechselt im Lone der Maßstab. Das Hotel liegt im Waldpark Zlatni Rt, dem Goldenen Kap, zwischen alten Pinien und dem Meer. Und es ist ein Haus, bei dem man zuerst stehen bleibt und schaut.
Als das Lone 2011 eröffnete, war es das erste Designhotel Kroatiens und das erste kroatische Mitglied der Design Hotels. Entworfen hat es das Zagreber Architekturbüro 3LHD: ein weißer, geschwungener Baukörper, dessen Flügel sich zur Bucht hin auffächern, mit Terrassen wie die Decks eines Schiffes. Innen öffnet sich ein großes ovales Atrium mit Oberlicht, die Möbel stammen von kroatischen Designern, Kunst und Licht sind Teil der Architektur. Es lohnt sich, beim Gang durchs Haus genauer hinzusehen.
Vom Balkon geht der Blick über die Baumkronen des Parks, am Abend zieht sich der Himmel in Pastell über die Pinien. Morgens geht es direkt vom Hotel zum Spaziergang in den Park. Und die Altstadt von Rovinj liegt nur eine Viertelstunde zu Fuß entfernt, immer am Wasser entlang.
Gut zu wissen
- Eröffnet 2011, Architektur: 3LHD, Zagreb; Möbel und Interieur von kroatischen Designern
- Erstes kroatisches Mitglied der Design Hotels
- Lage im Waldpark Zlatni Rt, rund 15 Gehminuten von der Altstadt
Auf einen Blick
- Hotel Lone, Luje Adamovića 31, 52210 Rovinj
- maistra.com · Tel. +385 52 632 000
- Tipp: Ein Zimmer mit Blick auf den Park buchen und den Morgen im Zlatni Rt beginnen.


STATION 9 · TEKKA BY LONE, ROVINJ
Tekka: Wenn japanisches Handwerk auf istrische Zutaten trifft

Nach zwei Tagen Konoba, Trüffel und Nona-Küche ist das Tekka, das japanische Restaurant des Lone, der bewusste Gegenpol: Es treffen japanisches Handwerk und regionale Qualität aufeinander, und das Ergebnis ist eine Fusion im besten Sinn: Die Techniken und Rezepte sind japanisch, die Zutaten und ihre Interpretation kommen aus der Region: Fisch aus der Adria, Gemüse aus dem Hinterland.
Der Abend beginnt mit einem Aperitif, der gleich klarstellt, wohin die Reise geht: japanischer Whisky mit Pilz. Umami trifft Whisky, das ist lustig und gut zugleich. Dann ein Gruß aus der Küche. Dann Nigiri und Maki, frisch und klar. Die Sensation des Abends ist aber ausgerechnet ein Karfiol. Ein vegetarischer Gang, und großartig: So einen wunderbaren Karfiol hatte ich noch nie. Danach Entenbrust mit Pflaume, auf den Punkt, süß und herzhaft im perfekten Gleichgewicht. Zum Schluss ein Dessert und die Erkenntnis, dass Istrien auch auf Japanisch hervorragend schmeckt.
Der Guide Michelin empfiehlt das Tekka und lobt genau diese Verbindung aus japanischer Technik und überwiegend istrischen Zutaten. Wir können das bestätigen. Und der Küchenchef Saša Pribičević hat sichtlich Freude an seinem Handwerk.
Auf einen Blick
- Tekka by Lone, im Hotel Lone, Luje Adamovića 31, 52210 Rovinj
- Japanisch-istrische Küche, empfohlen im Guide Michelin
- Abends geöffnet, Reservierung empfohlen; im Sommer mit Garten
- Tipp: die Karfiol-Kreation bestellen. Unbedingt.






STATION 10 · ROVINJ – DIE STADT
Rovinj: Ein Stück Venedig, das an der istrischen Küste geblieben ist

Rovinj sieht aus, als hätte Venedig hier ein Stück von sich vergessen. Das ist kein Zufall: Rund fünf Jahrhunderte lang, vom 13. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, gehörte die Stadt zur Republik Venedig, und man sieht es an jeder Ecke. Bunte Fassaden drängen sich am Hafen, die Gassen sind von Generationen glatt gelaufen, die Ortsschilder sind bis heute zweisprachig, Kroatisch und Italienisch, Rovinj und Rovigno.
Über allem steht der Glockenturm der Kirche der heiligen Euphemia, mit rund 60 Metern der höchste Istriens, nach dem Vorbild des Campanile von San Marco gebaut. Ganz oben dreht sich eine Statue der Stadtheiligen mit dem Wind. Die Altstadt war übrigens bis 1763 eine Insel, erst dann wurde der Kanal zum Festland zugeschüttet. Wer durch den Balbi-Bogen hinaufsteigt, merkt es noch heute: Hier ist alles ein bisschen enger, steiler und schöner als nötig.
Am besten lässt man sich treiben. Am Hafen schaukeln die Fischerboote, in der steilen Grisia hinauf zur Kirche reihen sich Ateliers und Galerien. Und irgendwann sitzt man mit einem Kaffee am Wasser und stellt fest, dass man in Rovinj gern länger bleiben würde als nur einen Nachmittag.
Gut zu wissen
- Vom Hotel Lone sind es rund 15 Minuten zu Fuß entlang der Küste in die Altstadt.
- Der Glockenturm von St. Euphemia kann über eine schmale Holztreppe bestiegen werden, oben wartet der Blick über Dächer, Hafen und Inseln.

STATION 11 · CHIAVALON, VODNJAN
Chiavalon: Wie aus 150 Olivenbäumen eine Idee wurde, bei der nichts verloren geht

Auch diese Geschichte beginnt mit einer Familie, und mit einem Verlust. Innerhalb von nur zwei Monaten starben der Vater und der Großvater von Tedi und Sandi Chiavalon. Zu den 50 alten Olivenbäumen der Familie pflanzte der damals 13-jährige Sandi zu Ehren der beiden je 50 neue. Das war der Anfang: 150 Bäume und ein Dreizehnjähriger, der sich um sie kümmerte.
Von Anfang an haben sich die Brüder der Qualität verschrieben. Sie ernteten die Oliven schon im Oktober statt im November, weniger Menge, dafür eine großartige Qualität. Man habe sie deshalb für verrückt erklärt, erzählt Tedi. Heute ernten viele in Istrien im Oktober. Aus den 150 Bäumen sind 15.000 eigene geworden, ebenso viele sind gepachtet. Dazu kam eine eigene Landwirtschaft, und mit den Bauern der Umgebung eine Zusammenarbeit nach dem Prinzip Futter gegen Produkt. So gibt es bei Chiavalon heute auch Fleisch, Käse und Mehl.
Besonders spannend ist aber, wie die beiden ihr Hauptgeschäft verstehen: Öl in bester Qualität herzustellen, und es so zu zeigen, wie es das verdient. Dafür suchten sie früh eine Designagentur. Das Angebot: 30.000 Euro. Damals eine unfassbare Summe, und weil sie nicht liquide waren, wollten sie dafür einen Kredit aufnehmen. Daran sieht man, wie ernst sie Design und Qualität nahmen. Die Agentur war von diesem Willen so beeindruckt, dass sie einen anderen Weg der Zusammenarbeit fand. Daraus wurde eine Freundschaft, die der Agentur zahlreiche Preise einbrachte und dem Öl ein Design, das seiner Qualität und seiner Idee entspricht. Die Agentur: Bruketa&Žinić aus Zagreb.
Angesteckt von dieser Kreativität haben die Chiavalons ihre ganze Wertschöpfungskette neu gedacht. Die Blätter der Olivenbäume werden zu Tee. Olivenkerne füllen Wärme- und Kältekissen, so wie wir sie von Kirschkernen kennen. Vermahlene Kerne werden zum Peeling. Und, genial: Die Ölfilter werden zu Anzündern für den Kamin zugeschnitten. Der neueste Cue von Tedis Frau Emanuela: Aus dem Presskuchen, der viele wertvolle Inhaltstoffe enthält, entstand gemeinsam mit einem Kosmetiklabor in Mailand in mehrjähriger Entwicklung die eigene, exklusive Kosmetiklinie Olive Theory. Was übrig bleibt, wird kompostiert und kehrt als Dünger in den Olivenhain zurück. Und die Chiavalons haben immer neue Ideen.
Ich bin mitten in der Erntezeit gekommen, wenn hier der größte Stress herrscht. Trotzdem haben sich die Chiavalons richtig Zeit genommen, waren dermaßen herzlich und freundlich, dass ich ganz hin und weg war. Das frisch gepresste Öl war natürlich großartig: grün, frisch, mit diesem leichten Kratzen im Hals, an dem man gutes Öl erkennt. Und auch hier durfte ich ein Flascherl mitnehmen – und eine kleine Kosmetikauswahl. Vermutlich damit man mir die Strapazen der Reise nicht ansieht.
Gut zu wissen
- Sorten: Chiavalon setzt auf die sieben autochthonen Sorten der Region Vodnjan, darunter Buža, Bjelica und Rosulja/Rožinjola.
- Auszeichnungen: Das Öl Ex Albis zählt laut Flos Olei zu den besten Olivenölen der Welt (Top 15), bei der New York International Olive Oil Competition gab es Gold in Serie (seit 2019), dazu „Hall of Fame Istria“.
- Design: Die Verpackungen von Bruketa&Žinić wurden unter anderem mit Pentawards-Bronze und Graphis-Gold ausgezeichnet. Tedi Chiavalon nannte den Cropak-Preis ausdrücklich auch die Feier einer langjährigen Freundschaft mit der Agentur.
- Kreislauf: Blätter → Tee · Presskuchen → Kosmetik (Olive Theory) · Reste → Kompost und Dünger · Kerne → Wärmesackerl und Peeling · Ölfilter → Kaminanzünder
Auf einen Blick
- Chiavalon, Ölmühle und Verkostung: Salvela 50, 52215 Vodnjan
- chiavalon.hr · visit@chiavalon.hr
- Verkostungen in mehreren Formaten, vorab buchen.
- Tipp: im Oktober kommen, wenn das frische Öl aus der Mühle läuft. Und Platz im Kofferraum lassen.






STATION 12 · STEAK HOUSE RANCH FORTUNA, ROVINJ
Ranch Fortuna: Istrisches Rind, sieben Stunden Geduld und eine Schatzinsel

Der letzte Abend gehört der Ranch Fortuna, kurz vor der Einfahrt nach Rovinj, hinter Glaswänden mit Blick auf Olivenbäume, die Altstadt und den Glockenturm der heiligen Euphemia. Der Name erzählt die Familiengeschichte: Stanislav Briškoskis Vater Ljupče kaufte das Grundstück Anfang der 1980er-Jahre und baute hier einen Pferdehof auf. Die Pferde sind längst weg, die Ranch ist geblieben, und mit ihr ein Sohn, der heute eine sehr klare Vorstellung von gutem Essen hat.
Stanislav Briškoski hat ein Ziel: gute Küche mit Produkten aus der Region. In der Ranch Fortuna wird ausschließlich istrisches Rind verarbeitet: Boškarin, das graue Rind mit den großen Hörnern. Im eigenen Dry Ager reift es so lange, wie er es für richtig hält.
Ungewöhnlich ist schon das Carpaccio. Es wird nicht gegen die Faser geschnitten, sondern mit ihr. Damit ist es nicht so extrem zart, wie man es kennt, dafür hat es eine Konsistenz, in der man die Aromen anders wahrnimmt. Es ist mehr Fleisch, und zwar gutes Fleisch. Zeit nimmt man sich auch bei der Zubereitung: Geschmort wird über sieben Stunden, und bei den Zutaten wird nicht gespart. Wie auch, alles gehört zusammen. Das Steak auf meinem Foto sei übrigens „für eine Person“. Es reicht für zwei.
Am meisten bleibt aber, wie Stanislav über seine Region spricht. Für ihn ist Istrien eine Schatzinsel. Überall sind Familien, die ihr Bestes geben, um Produkte von hervorragender Qualität herzustellen. Natürlich Olivenöl, jede Familie macht hier ihr eigenes. Aber auch Wein wie Malvazija und Teran, Gemüse, Schafkäse, den luftgetrockneten istrischen Pršut, wilden Spargel im Frühjahr. Und dazu das Glück, dass der istrische Trüffel zu den besten der Welt gehört. Darum verdient jedes Produkt die entsprechende Wertschätzung. Und genau diese Wertschätzung bringt Stanislav seinen Lieferanten und Partnern entgegen, dafür setzt er sich ein.
Nach drei Tagen mit Igor und Višnja, Sergio, Gianfranco, Nona Mira, Tedi und Sandi kann man ihm nur recht geben. Istrien ist tatsächlich eine Schatzinsel. Man muss nur wissen, an welche Türen man klopft.
Gut zu wissen
- Stanislav Briškoski kam als Baby aus Makedonien nach Rovinj, sein Vater gründete hier in den 1980er-Jahren einen Pferdehof. Heute verbindet die Küche istrische Tradition mit makedonischen Spezialitäten.
- Sein Satz dazu, sinngemäß aus einem Interview: Luxus müsse nicht immer irgendwo draußen sein, er könne auch hier in Rovinj sein, in kleinen, warmen Familienbetrieben.
- Der Boškarin, das graue istrische Rind mit den großen Hörnern, war fast ausgestorben und gilt heute als Delikatesse.
Auf einen Blick
- Steak House Ranch Fortuna, Rato di Ren 3, 52210 Rovinj
- Tel. +385 52 208 644 · Instagram @ranch_fortuna
- Täglich ab Mittag geöffnet, Ruhetag Montag
- Tipp: das Carpaccio probieren, das gegen alle Regeln geschnitten wird. Und das Steak „für eine Person“ zu zweit bestellen.






Alle Adressen auf einen Blick
Route: Novigrad – Buzet – Momjan – Rovinj – Vodnjan. Drei volle Tage plus An- und Abreise. Auto fürs Hinterland; zu Weinverkostungen Fahrer oder Transfer einplanen. Restaurants und Verkostungen vorab reservieren.
Übernachten
- Blu Mare Boutique Hotel · Ulica Zidine / Via delle Mura 14, 52466 Novigrad · +385 52 356 700 · blumarehotel.com
- Hotel Lone · Luje Adamovića 31, 52210 Rovinj · maistra.com
Essen
- Konoba Čok · Sv. Antona 2, 52466 Novigrad · Tel. +385 52 757 643 · 12–15 und 18–23 Uhr, Mittwoch Ruhetag
- Konoba Stari Podrum · Most 52, 52462 Momjan · Tel. +385 52 779 152 · 12–22 Uhr, Mittwoch Ruhetag · Tisch reservieren
- Tekka by Lone · im Hotel Lone, Rovinj
- Steak House Ranch Fortuna · Rato di Ren 3, 52210 Rovinj (an der Straße Rovinj–Bale) · Tel. +385 52 208 644 · 12–23 Uhr, Montag Ruhetag
Verkosten & mitnehmen
- Prodan Tartufi · Praščari 43, 52420 Buzet · +385 91 551 2796 · nur nach Vereinbarung
- Weingut Kozlović · Vale 78, Momjan · +385 52 779 177 · kozlovic.hr · Verkostung reservieren
- Chiavalon · Besuch: Salvela 50, 52215 Vodnjan · Tel. +385 52 655 050 · chiavalon.hr · Verkostung vereinbaren
Text: Sandro Ceroni · Fotos: JUST





