Claudia Piller-Korn­herr|

Figu­ra­ti­on mit Tie­fen­schär­fe

Wer Mike Büchels Atelier in einem ruhigen Innenhof in der Wiener Innenstadt betritt, lässt den Lärm der Gegenwart hinter sich.
Credit: Mike Büchel
Credit: Mike Büchel
Credit: Mike Büchel

Ter­pen­tin, Leinöl, Pig­men­te – ein Raum, der nach Kon­zen­tra­ti­on und hand­werk­li­cher Tiefe riecht. Nach zwei Jahr­zehn­ten des Reisens ist der öster­rei­chi­sche Maler nach Wien zurück­ge­kehrt, mit einer Bild­spra­che, die sich bewusst der Hektik des Kunst­be­triebs ent­zieht. Büchel sucht nicht das Spek­ta­kel, sondern das genaue Hin­se­hen.

Seine Malerei ver­langt Geduld – und belohnt sie. Obwohl Büchel in Europa als New­co­mer gilt, ist sein Werk das Ergeb­nis eines langen Rei­fe­pro­zes­ses. Seine Aus­bil­dung führte ihn dorthin, wo tra­di­tio­nel­le Malerei noch leben­dig ver­mit­telt wird: an die Aca­de­mia de Bellas Artes im mexi­ka­ni­schen Xalapa, an die Flo­rence Academy of Art und nach Taiwan zu Yim Maukun, einem Meister der Ölma­le­rei. Jahre in Por­tu­gal und Paläs­ti­na prägten zusätz­lich seinen Blick.

Büchel inter­es­siert der Moment zwi­schen Stille und Bewe­gung. „Ein Luft­hauch hebt die Stoffe, eine Kerze fla­ckert, Schmet­ter­lin­ge gleiten durch das Bild“, sagt er. Diese feinen Dyna­mi­ken ver­lei­hen seinen Szenen eine stille Leben­dig­keit, die an barocke Licht­füh­rung erin­nert, ohne his­to­ri­sie­rend zu wirken. Seine Figuren – oft allein, ver­sun­ken, in redu­zier­ten Räumen – wirken nicht iso­liert, sondern in sich gekehrt, als befän­den sie sich in einem Zustand innerer Reso­nanz. Viele seiner Werke sind subtile Hom­ma­gen an Lite­ra­tur, Film und Musik.

Sie dienen ihm als Struk­tur, um psy­cho­lo­gi­sche Tie­fen­schich­ten sicht­bar zu machen. „Meine Bilder ent­ste­hen weniger aus der Betrach­tung des Sicht­ba­ren als aus der Mate­ria­li­sie­rung von Gefühl­tem“, sagt der Künst­ler. Seine Malerei beginnt dort, wo Sprache endet. Mit wach­sen­der Reso­nanz in Europa und Asien zeigt Büchel, dass klas­si­sche Ölma­le­rei im zeit­ge­nös­si­schen Diskurs ihren Platz behaup­tet.

Arbei­ten des Künst­lers sind in der Galerie Bad­stra­ße 9
in Bad Schal­ler­bach zu sehen.
www.mike-buechel.at

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