Claudia Piller-Korn­herr|

Der Mensch als Maßstab

Mario Dalpra gehört zu jenen Künstlern, deren Werk sich nicht linear entfaltet, sondern in beständigem Wandel begriffen ist. Seit den frühen 1980er-Jahren, geprägt von seinem Studium bei Arnulf Rainer, entwickelt er eine künstlerische Haltung, die sich zwischen Malerei, Skulptur und konzeptuellen Ansätzen bewegt.
Credit: Mario Dalpra
Iris, Aluminium lackiert, 75x45x40cm, Unikat, 2026 Credit: Mario Dalpra

Dalpras Bio­gra­fie bildet den Reso­nanz­raum für sein künst­le­ri­sches Schaf­fen. Auf­ent­hal­te in Aus­tra­li­en, Indo­ne­si­en und Indien erwei­ter­ten sein Voka­bu­lar um Maori-Sym­bo­lik, fern­öst­li­che Farb­in­ten­si­tät und eine orga­ni­sche For­men­spra­che.

In der Skulp­tur wird dieses tas­ten­de Vor­ge­hen kör­per­lich. Mit den 1990er-Jahren, beson­ders seit seiner Zeit auf Bali, ent­ste­hen plas­ti­sche Formen, die aus Skizzen her­aus­wach­sen und zu hoch­po­lier­ten Bronzen und Alu­mi­ni­um­kör­pern werden. Ihre makel­lo­sen Ober­flä­chen tragen eine stille Sehn­sucht in sich – eine Spur, die auf eine schwere Ver­bren­nung in seiner Kind­heit ver­weist. Die Erfah­rung, mit ver­letz­ter Haut auf­zu­wach­sen, hat sein Ver­hält­nis zu Mate­ri­al geprägt: Jede Form ist ein Versuch, Glätte zu schaf­fen, sich Per­fek­ti­on anzu­nä­hern und Nähe zuzu­las­sen.

Zwi­schen Kon­trol­le und Frei­heit

Mario Dalpra ist ein Kos­mo­po­lit, der kul­tu­rel­le Ein­flüs­se trans­for­miert. Seine „Bag Sculp­tures“ kom­men­tier­ten mit iro­ni­scher Leich­tig­keit die Mecha­nis­men des Kunst­mark­tes, jüngere Arbei­ten öffnen sich stärker in Rich­tung Zukunft. Die Skulp­tu­ren anti­zi­pie­ren eine Welt, in der Mensch und Tech­no­lo­gie neu auf­ein­an­der reagie­ren. Dalpra ver­steht Kunst als System, das sich immer weiter jus­tiert – ein Prozess, der nie abge­schlos­sen ist. Seine Skulp­tu­ren erin­nern daran, dass Fort­schritt nicht nur an seiner Effi­zi­enz, sondern auch an seiner Mensch­lich­keit gemes­sen werden muss. Zwi­schen Kon­trol­le und Frei­heit behal­ten die Figuren etwas Unbe­re­chen­ba­res – sie spie­geln Dalpras Idee eines digi­ta­len Huma­nis­mus wider, der stets den Men­schen als Maßstab ver­steht.

Wer Dalpras Werk begeg­net, trifft auf eine künst­le­ri­sche Sprache, die sich jeder Ein­deu­tig­keit ent­zieht und gerade dadurch gegen­wär­tig bleibt. Seine Arbei­ten sind in bedeu­ten­den Samm­lun­gen ver­tre­ten, dar­un­ter Museum Liaunig und Museum Anger­leh­ner, und werden inter­na­tio­nal gezeigt. Noch bis 3. Sep­tem­ber gibt es im „Skulp­tu­ren- und Kunst­gar­ten FREI­LUFT“ im Wiener Palais Auer­sperg die seltene Gele­gen­heit, Dalpras orga­ni­sche Form­wel­ten im Dialog mit einem his­to­ri­schen Gar­ten­raum zu erleben.

www.dalpra.at

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