Dalpras Biografie bildet den Resonanzraum für sein künstlerisches Schaffen. Aufenthalte in Australien, Indonesien und Indien erweiterten sein Vokabular um Maori-Symbolik, fernöstliche Farbintensität und eine organische Formensprache.
In der Skulptur wird dieses tastende Vorgehen körperlich. Mit den 1990er-Jahren, besonders seit seiner Zeit auf Bali, entstehen plastische Formen, die aus Skizzen herauswachsen und zu hochpolierten Bronzen und Aluminiumkörpern werden. Ihre makellosen Oberflächen tragen eine stille Sehnsucht in sich – eine Spur, die auf eine schwere Verbrennung in seiner Kindheit verweist. Die Erfahrung, mit verletzter Haut aufzuwachsen, hat sein Verhältnis zu Material geprägt: Jede Form ist ein Versuch, Glätte zu schaffen, sich Perfektion anzunähern und Nähe zuzulassen.
Zwischen Kontrolle und Freiheit
Mario Dalpra ist ein Kosmopolit, der kulturelle Einflüsse transformiert. Seine „Bag Sculptures“ kommentierten mit ironischer Leichtigkeit die Mechanismen des Kunstmarktes, jüngere Arbeiten öffnen sich stärker in Richtung Zukunft. Die Skulpturen antizipieren eine Welt, in der Mensch und Technologie neu aufeinander reagieren. Dalpra versteht Kunst als System, das sich immer weiter justiert – ein Prozess, der nie abgeschlossen ist. Seine Skulpturen erinnern daran, dass Fortschritt nicht nur an seiner Effizienz, sondern auch an seiner Menschlichkeit gemessen werden muss. Zwischen Kontrolle und Freiheit behalten die Figuren etwas Unberechenbares – sie spiegeln Dalpras Idee eines digitalen Humanismus wider, der stets den Menschen als Maßstab versteht.
Wer Dalpras Werk begegnet, trifft auf eine künstlerische Sprache, die sich jeder Eindeutigkeit entzieht und gerade dadurch gegenwärtig bleibt. Seine Arbeiten sind in bedeutenden Sammlungen vertreten, darunter Museum Liaunig und Museum Angerlehner, und werden international gezeigt. Noch bis 3. September gibt es im „Skulpturen- und Kunstgarten FREILUFT“ im Wiener Palais Auersperg die seltene Gelegenheit, Dalpras organische Formwelten im Dialog mit einem historischen Gartenraum zu erleben.





