Der Titel wirkt wie eine beiläufige Geste – ein Moment des Öffnens, der zugleich eine Einladung ist: ins Licht, in den Raum und in eine erweiterte Wahrnehmung.
Im Zentrum der Ausstellung stehen zwei Werkgruppen, die auf unterschiedliche Weise das Verhältnis von Realität, Bild und Erfahrung ausloten.
In der Weiterentwicklung der Serie Augmented Nature verbindet Levente Szücs fotografische Motive mit malerischen Prozessen zu vielschichtigen Bildräumen. Ausgangspunkt sind Landschafts- und insbesondere Waldaufnahmen, die der Künstler selbst anfertigt und mittels eines transparenten Pigmentübertrags auf die Leinwand überträgt. Das fotografische Bild erscheint dabei wie eine fragile Spur, die sich in der Tiefe des Bildträgers verankert.
Durch lasierende Farbschichten, die unterhalb des Motivs wirken, sowie durch eine darüberliegende pastose und expressive Malerei mit ausgreifenden Pinselbewegungen wird das Sichtbare nicht überdeckt, sondern durchdrungen. Realität und Abstraktion treten in ein dynamisches Wechselspiel: Das Motiv bleibt erkennbar und öffnet sich zugleich in einen erweiterten Bildraum. Ohne den Einsatz digitaler Technologien entstehen so analoge „Dimensionstore“, die Einblicke in eine subjektive, vielschichtige Wirklichkeit ermöglichen.
Ergänzt werden diese Arbeiten durch eine eigens für die Ausstellung entwickelte Werkgruppe, die sich auf historische Xylotheken des 18. Jahrhunderts bezieht. In Form von Buchobjekten entstehen dabei intime Baumporträts, die über eine rein wissenschaftliche oder dokumentarische Erfassung hinausgehen. Auf bemalten Aluminiumblättern entfaltet sich ein feines Zusammenspiel von Materialität und Bildlichkeit, in dem die Grenze zwischen Darstellung und malerischer Geste erneut ins Fließen gerät.
Diese Objekte fordern eine andere Form der Betrachtung: ein Innehalten, ein Blättern, ein schrittweises Erschließen. Sie stehen bewusst im Gegensatz zur schnellen, flüchtigen Bilderproduktion der Gegenwart und laden zu einem konzentrierten, bewussten Kunstkonsum ein. In ihrer haptischen und zugleich poetischen Präsenz eröffnen sie einen persönlichen Zugang zur „Natur“ des Künstlers – nicht als äußere Landschaft allein, sondern als innerer Erfahrungsraum.
So entfaltet sich die Ausstellung als ein Gefüge von Übergängen: zwischen innen und außen, zwischen Abbild und Imagination, zwischen Objekt und Wahrnehmung. „Sonne da – Fenster auf“, so der Titel der Ausstellung, wird damit zu einer Haltung – einer Einladung, sich Zeit zu nehmen, den Blick zu öffnen und sich auf die Vielschichtigkeit der Bilder einzulassen.
Levente Szücs wurde 1989 in Miskolc, Ungarn, geboren. Bis 2019 studierte er Freie Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf und war Meisterschüler von Herbert Brandl und Tutor in dessen Klasse. Levente Szücs lebt und
arbeitet in Düsseldorf.
Sonne da – Fenster auf
Neue Arbeiten von Levente Szücs
Eröffnung am 10. April, 19.00 Uhr
Ausstellung bis 16. Mai 2026
Galerie Reinisch Contemporary,
Hauptplatz 6, 8010 Graz




