Manuela Schlos­sin­ger|

Sonne da – Fenster auf

Die Galerie Reinisch präsentiert die dritte Einzelausstellung des Düsseldorfer Künstlers Levente Szücs in Graz.

Der Titel wirkt wie eine bei­läu­fi­ge Geste – ein Moment des Öffnens, der zugleich eine Ein­la­dung ist: ins Licht, in den Raum und in eine erwei­ter­te Wahr­neh­mung.

Im Zentrum der Aus­stel­lung stehen zwei Werk­grup­pen, die auf unter­schied­li­che Weise das Ver­hält­nis von Rea­li­tät, Bild und Erfah­rung aus­lo­ten.

In der Wei­ter­ent­wick­lung der Serie Aug­men­ted Nature ver­bin­det Levente Szücs foto­gra­fi­sche Motive mit male­ri­schen Pro­zes­sen zu viel­schich­ti­gen Bild­räu­men. Aus­gangs­punkt sind Land­schafts- und ins­be­son­de­re Wald­auf­nah­men, die der Künst­ler selbst anfer­tigt und mittels eines trans­pa­ren­ten Pig­men­tüber­trags auf die Lein­wand über­trägt. Das foto­gra­fi­sche Bild erscheint dabei wie eine fragile Spur, die sich in der Tiefe des Bild­trä­gers ver­an­kert.

Durch lasie­ren­de Farb­schich­ten, die unter­halb des Motivs wirken, sowie durch eine dar­über­lie­gen­de pastose und expres­si­ve Malerei mit aus­grei­fen­den Pin­sel­be­we­gun­gen wird das Sicht­ba­re nicht über­deckt, sondern durch­drun­gen. Rea­li­tät und Abs­trak­ti­on treten in ein dyna­mi­sches Wech­sel­spiel: Das Motiv bleibt erkenn­bar und öffnet sich zugleich in einen erwei­ter­ten Bild­raum. Ohne den Einsatz digi­ta­ler Tech­no­lo­gien ent­ste­hen so analoge „Dimen­si­ons­to­re“, die Ein­bli­cke in eine sub­jek­ti­ve, viel­schich­ti­ge Wirk­lich­keit ermög­li­chen.

Ergänzt werden diese Arbei­ten durch eine eigens für die Aus­stel­lung ent­wi­ckel­te Werk­grup­pe, die sich auf his­to­ri­sche Xylo­the­ken des 18. Jahr­hun­derts bezieht. In Form von Buch­ob­jek­ten ent­ste­hen dabei intime Baum­por­träts, die über eine rein wis­sen­schaft­li­che oder doku­men­ta­ri­sche Erfas­sung hin­aus­ge­hen. Auf bemal­ten Alu­mi­ni­um­blät­tern ent­fal­tet sich ein feines Zusam­men­spiel von Mate­ria­li­tät und Bild­lich­keit, in dem die Grenze zwi­schen Dar­stel­lung und male­ri­scher Geste erneut ins Fließen gerät.

Diese Objekte fordern eine andere Form der Betrach­tung: ein Inne­hal­ten, ein Blät­tern, ein schritt­wei­ses Erschlie­ßen. Sie stehen bewusst im Gegen­satz zur schnel­len, flüch­ti­gen Bil­derpro­duk­ti­on der Gegen­wart und laden zu einem kon­zen­trier­ten, bewuss­ten Kunst­kon­sum ein. In ihrer hap­ti­schen und zugleich poe­ti­schen Präsenz eröff­nen sie einen per­sön­li­chen Zugang zur „Natur“ des Künst­lers – nicht als äußere Land­schaft allein, sondern als innerer Erfah­rungs­raum.

So ent­fal­tet sich die Aus­stel­lung als ein Gefüge von Über­gän­gen: zwi­schen innen und außen, zwi­schen Abbild und Ima­gi­na­ti­on, zwi­schen Objekt und Wahr­neh­mung. „Sonne da – Fenster auf“, so der Titel der Aus­stel­lung, wird damit zu einer Haltung – einer Ein­la­dung, sich Zeit zu nehmen, den Blick zu öffnen und sich auf die Viel­schich­tig­keit der Bilder ein­zu­las­sen.

Levente Szücs wurde 1989 in Miskolc, Ungarn, geboren. Bis 2019 stu­dier­te er Freie Malerei an der Kunst­aka­de­mie Düs­sel­dorf und war Meis­ter­schü­ler von Herbert Brandl und Tutor in dessen Klasse. Levente Szücs lebt und
arbei­tet in Düs­sel­dorf.

Sonne da – Fenster auf
Neue Arbei­ten von Levente Szücs
Eröff­nung am 10. April, 19.00 Uhr
Aus­stel­lung bis 16. Mai 2026
Galerie Rei­nisch Con­tem­po­ra­ry,
Haupt­platz 6, 8010 Graz

www.reinisch-graz.com

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