Für die Ausstellung entstanden zahlreiche neue Skulpturen aus Aluminium und Bronze, deren Größen von kleinen, beinahe intimen Formaten bis hin zu raumgreifenden Arbeiten von zwei Metern Höhe reichen.
Der Titel der Ausstellung wirkt wie eine beiläufige Beobachtung und eröffnet gerade dadurch einen poetischen Raum. Die Wiese erscheint darin nicht als idyllisches Bild, sondern als Gegenüber, als etwas Lebendiges, Beharrliches, das sich jeder vollständigen Kontrolle entzieht. Zwischen Gräsern, Löwenzähnen und vegetativen Formen entfaltet sich eine stille, eindringliche Auseinandersetzung mit Wachstum, Widerstandskraft und der eigentümlichen Schönheit des vermeintlich Nebensächlichen.
Seit den 1980-er Jahren entwickelt Stimm eine eigenständige Position zwischen den Impulsen der sogenannten „Jungen Wilden“ und einer spezifisch österreichischen Ausprägung der Pop Art. Neben Kiki Kogelnik zählt er zu jenen Künstler:innen, die internationale Bildsprachen mit einer unverwechselbaren persönlichen Formensprache verbunden haben.
Bereits früh war er in bedeutenden amerikanischen Museen präsent. Seine großformatigen keramischen Arbeiten sprengten damals die Möglichkeiten des Materials, bevor er sich in den 1990-er Jahren zunehmend der Metallplastik zuwandte – auch im Zusammenhang mit zahlreichen Arbeiten im öffentlichen Raum und in internationalen Skulpturenparks.
„Die Natur ist die beste Künstlerin“, sagt Stimm. Dieser Gedanke durchzieht sein Werk seit Jahrzehnten. Doch seine Arbeiten verstehen Natur nie als bloßes Abbild. Vielmehr verschiebt er die Wahrnehmung auf das, was gewöhnlich unbeachtet bleibt. Gerade Pflanzen wie Löwenzahn oder Gras, die im gepflegten Garten als unerwünscht gelten, erfahren in seinen Skulpturen eine neue Präsenz und Würde.
Entscheidend ist dabei die Veränderung des Maßstabs. Vor den überdimensionierten Pflanzen verschiebt sich die eigene Wahrnehmung. Die vertraute Ordnung kippt; für einen Moment scheint man selbst kleiner zu werden, als würde man sich in einer vergrößerten Landschaft bewegen. Das Alltägliche erscheint fremd und zugleich überraschend nah.
Im Zusammenhang mit der spartenübergreifenden Ausstellung Bloom des Universalmuseums Joanneum wurde ein drei Meter hoher Löwenzahn von Stimm am Grazer Hauptbahnhof installiert. Während diese Arbeit weit in den Stadtraum hineinwirkt, konzentriert sich die Ausstellung in der Galerie auf die stilleren, präziseren Bewegungen seines Werkes – auf Wiederholung, Verdichtung und das beharrliche Weiterwachsen der Form.
So erzählt Nur die Wiese vor meinem Fenster, die hält mich am Leben nicht nur von Pflanzen. Die Ausstellung handelt von Aufmerksamkeit. Von der Fähigkeit, im Übersehenen etwas Wesentliches zu erkennen. Und von einer Natur, die sich nicht ordnen lässt – und gerade darin ihre Kraft entfaltet.
Galerie Reinisch Contemporary
www.reinisch-graz.com




