JUST / Die Steiermark gilt als Forschungsland Nummer eins. Ist das ein Vorsprung – oder nur ein gutes Narrativ?
Willibald Ehrenhöfer / Wir haben früh begonnen, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung zusammenzudenken. Das Ergebnis sind internationale Investitionen wie jene von Siemens Energy und ein Standort, dem Unternehmen vertrauen. Dieser Vertrauensvorsprung ist heute einer unserer größten Standortvorteile.
Christoph Ludwig / Unser Innovationsökosystem ist kein Zufallsprodukt, sondern über Jahrzehnte gewachsen. Mit Silicon Austria Labs und den COMET-Zentren sind wir technologisch auf Augenhöhe mit den führenden Regionen Europas. Entscheidend ist aber etwas anderes: Wir bringen Forschung in die Anwendung – und ermöglichen damit zusätzliche Wertschöpfung und Arbeitsplätze.
JUST / Viele Unternehmen sagen: zu viel Bürokratie, zu wenig Geschwindigkeit. Wo stehen wir da wirklich?
WE / Der Anspruch ist klar: Wir müssen schneller werden in Verfahren, Genehmigungen und Investitionszyklen. Denn Zukunft entsteht nicht auf dem Papier, sondern in Unternehmen, Laboren und durch die klügsten Köpfe. Deshalb investieren wir gleichermaßen in Technologie und Talente.
JUST / Batterie, Green Tech, Advanced Materials – Zukunftsversprechen oder industrieller Alltag?
CL / Industrieller Alltag. Die Steiermark verfügt über die Kompetenzen, um in zentralen Zukunftstechnologien international mitzuspielen – von Batterietechnologie über Mikroelektronik bis zu nachhaltigen Werkstoffen. Mit dem Wood Vision Lab zeigen wir, wie aus Tradition Hightech wird. Gerade die Transformation der Mobilität bedeutet große Herausforderungen für die Steiermark. Wichtig ist es, mit aktiver Standortenwicklung Chancen zu nutzen und international als Top-Standort aufzuzeigen.
JUST / Die Koralmbahn gilt als Gamechanger. Was verändert sich konkret?
WE / Sie hebt den Standort auf eine neue Ebene. Aus geografischer Nähe wird wirtschaftliche Vernetzung, aus einzelnen Regionen ein gemeinsamer Wirtschaftsraum. Wer heute erfolgreich sein will, muss größer denken als in Verwaltungsgrenzen. Genau das ermöglicht die Koralmbahn.
CL / Wir sprechen von einem der dynamischsten Entwicklungsräume Europas. Mit der Anbindung an die Häfen Koper, Triest und Rijeka entstehen neue Wertschöpfungsketten, neue Märkte und neue Chancen für unsere Unternehmen. Diese Kombination aus Innovationskraft, Industrie und Lage ist ein echter Wettbewerbsvorteil.
JUST / Wo liegt die größte Chance der nächsten zehn Jahre?
CL / In der Verbindung von industrieller Stärke mit Digitalisierung, Mikroelektronik, künstlicher Intelligenz und nachhaltigen Technologien. Wenn uns das gelingt, spielen wir nicht nur mit – wir gestalten die Entwicklung aktiv mit.
JUST / Woran erkennen Sie in zehn Jahren, dass die Strategie aufgegangen ist?
WE / Wenn junge Menschen nicht mehr das Gefühl haben, weggehen zu müssen, um Karriere zu machen, sondern bewusst hierbleiben oder zurückkommen. Dann haben wir vieles richtig gemacht.
CL / Wenn Europa bei Energie, Mobilität, Gesundheit oder neuen Materialien automatisch auf die Steiermark blickt. Wir müssen nicht Silicon Valley werden. Es reicht, wenn die Welt bei den großen Fragen der Zukunft automatisch an die Steiermark denkt.
Willibald Ehrenhöfer ist Landesrat und verantwortet das Zukunftsressort des Landes Steiermark mit den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und Finanzen.
Christoph Ludwig ist Geschäftsführer der Steirischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft SFG und begleitet die Entwicklung des Wirtschafts- und Innovationsstandortes Steiermark.






