Eine rasche wirtschaftliche Erholung ist nicht in Sicht. Hohe Arbeits- und Energiekosten, geopolitische Unsicherheiten sowie eine steigende Bürokratie belasten die Unternehmen und bremsen Investitionen sowie Beschäftigung.
Laut Wirtschaftsbarometer bewerten 56,5 Prozent der befragten Unternehmen das aktuelle Wirtschaftsklima schlechter als vor einem Jahr. Lediglich 6,6 Prozent sehen eine Verbesserung. Der Saldenwert liegt damit bei -49,9 Prozentpunkten und bleibt deutlich im negativen Bereich.
Wirtschaftsklima in der Steiermark: Kaum Wachstumsimpulse erkennbar
Die Ergebnisse der Befragung unter 724 steirischen Unternehmen zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation gegenüber der letzten Erhebung nur geringfügig verbessert hat. Ein nachhaltiger Aufwärtstrend lässt sich jedoch weiterhin nicht erkennen.
Wirtschaftsklima weiterhin negativ
Auch die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate bleiben verhalten. Der Erwartungssaldo verbessert sich zwar leicht von ‑43,2 auf -40,5 Prozentpunkte, bleibt aber ebenfalls deutlich negativ.
Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick:
- Wirtschaftsklima aktuell: -49,9 Punkte
- Erwartungen: -40,5 Punkte
- Gesamtumsatz: -2,5 Punkte
- Auftragslage: -8,6 Punkte
- Investitionen: -19,8 Punkte
- Beschäftigung: -16,6 Punkte
- Preisniveau: +37,0 Punkte
Vor allem die sinkende Investitionsbereitschaft und der rückläufige Beschäftigungsausblick zeigen, dass viele Unternehmen derzeit äußerst vorsichtig agieren.
Arbeitskosten bleiben größtes Wettbewerbshemmnis
Die Umfrage zeigt deutlich, welche Herausforderungen die steirischen Betriebe derzeit besonders beschäftigen.
Die größten Belastungen für Unternehmen
Als wichtigste Wettbewerbsnachteile nennen die Unternehmen:
- 77,2 %: hohe Arbeitskosten
- 60,8 %: steigende Energiekosten
- 55,4 %: Bürokratie und regulatorische Vorgaben
- 50,2 %: allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit
- 47,0 %: hohe Steuer- und Abgabenbelastung
- 39,9 %: Arbeits- und Fachkräftemangel
Aus Sicht der Wirtschaft sind insbesondere Entlastungen bei Lohnnebenkosten, Energiepreisen sowie ein konsequenter Bürokratieabbau notwendig, um den Standort Steiermark langfristig wettbewerbsfähig zu halten.
Internationale Krisen wirken sich auf die steirische Wirtschaft aus
Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben auch in der Steiermark spürbare Auswirkungen.
Unternehmen kämpfen mit steigenden Kosten
58 Prozent der befragten Unternehmen berichten bereits von negativen Folgen des Iran-Krieges. Weitere 17 Prozent können die Auswirkungen derzeit noch nicht abschätzen.
Besonders häufig genannt werden:
- höhere Transport- und Treibstoffkosten (82 %)
- steigende Energiekosten (74,5 %)
- höhere Rohstoff- und Materialpreise (71,2 %)
- sinkende Nachfrage (58,8 %)
- erschwerte Kalkulationen und Planungsunsicherheit (47,2 %)
- Lieferverzögerungen (39,8 %)
Die internationalen Konflikte erhöhen damit den wirtschaftlichen Druck zusätzlich.
Umsatz zeigt erste leichte Stabilisierung
Beim Gesamtumsatz zeichnet sich erstmals eine leichte Verbesserung ab. Während 33,5 Prozent der Unternehmen Umsatzsteigerungen melden, berichten 36 Prozent von Rückgängen. Für die kommenden zwölf Monate erwarten mehr Unternehmen steigende als sinkende Umsätze.
Auftragslage bleibt angespannt
Die Auftragssituation entwickelt sich weiterhin schwach. Sowohl die aktuelle als auch die erwartete Auftragslage liegen mit -8,6 Prozentpunkten im negativen Bereich. Viele Unternehmen rechnen auch künftig nicht mit einer deutlichen Belebung der Nachfrage.
Investitionsbereitschaft auf niedrigem Niveau
Besonders kritisch bleibt die Entwicklung bei den Investitionen. Seit rund drei Jahren investieren viele Betriebe nur noch in notwendige Ersatzanschaffungen. Rund 20 Prozent planen sogar überhaupt keine Investitionen mehr.
Als wichtigste Investitionsmotive gelten:
- Ersatzinvestitionen
- Modernisierung bestehender Anlagen
- notwendige Betriebserhaltung
Wachstumsinvestitionen spielen derzeit nur eine untergeordnete Rolle.
Personalabbau setzt sich fort
Die schwache Wirtschaftslage wirkt sich zunehmend auf den Arbeitsmarkt aus.
Nur 15,6 Prozent der Unternehmen haben in den vergangenen zwölf Monaten neue Mitarbeiter eingestellt. Dagegen mussten 32,3 Prozent Personal abbauen.
Auch der Ausblick bleibt negativ:
- 11,9 Prozent planen Neueinstellungen.
- 30,1 Prozent rechnen mit weiterem Personalabbau.
Eine rasche Verbesserung am Arbeitsmarkt ist derzeit nicht zu erwarten.
Auslandsnachfrage könnte sich langsam erholen
Während die Exportentwicklung in den vergangenen zwölf Monaten noch rückläufig war, zeigen die Erwartungen erstmals seit Sommer 2024 wieder nach oben.
Der Erwartungssaldo steigt auf +9,7 Prozentpunkte. Viele exportorientierte Unternehmen hoffen auf eine leichte Erholung der internationalen Nachfrage im weiteren Jahresverlauf.
Regionale Unterschiede beim Wirtschaftsklima
Zwischen den steirischen Regionen bestehen deutliche Unterschiede.
Vergleichsweise weniger pessimistisch zeigen sich:
- Liezen
- Murau-Murtal
Besonders angespannt bleibt die Stimmung dagegen:
- Großraum Graz
- Oststeiermark
Trotz regionaler Unterschiede liegen sämtliche Wirtschaftsklima-Indikatoren weiterhin im negativen Bereich.
Mittelunternehmen entwickeln sich am stabilsten
Während Ein-Personen-Unternehmen und Kleinbetriebe weiterhin unter der schwachen Nachfrage leiden, zeigen sich bei den Mittelunternehmen erste positive Entwicklungen.
Diese verzeichnen sowohl beim bisherigen Umsatz als auch bei den Erwartungen positive Salden.
Großunternehmen mussten zuletzt deutliche Umsatzrückgänge hinnehmen. Dennoch blicken viele größere Betriebe wieder etwas optimistischer auf die kommenden Monate und erwarten eine Verbesserung ihrer Geschäftsentwicklung.
Reformen sollen Wettbewerbsfähigkeit stärken
Die aktuelle Konjunkturumfrage macht deutlich, dass die steirische Wirtschaft weiterhin mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert ist. Hohe Arbeits- und Energiekosten, internationale Krisen sowie eine zunehmende Bürokratie verhindern derzeit eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung.
Zwar zeigen einzelne Bereiche – insbesondere beim Export und den Umsatzerwartungen – erste positive Signale, insgesamt bleibt die Konjunktur jedoch nahe der Stagnation. Aus Sicht der Wirtschaft sind rasche Reformen notwendig. Dazu zählen niedrigere Lohnnebenkosten, günstigere Energiepreise, schnellere Genehmigungsverfahren sowie ein konsequenter Abbau bürokratischer Hürden. Nur so können Investitionen gefördert, Arbeitsplätze gesichert und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Steiermark nachhaltig gestärkt werden.





