JUST-Redaktion|

Stei­ri­sches Wirt­schafts­kli­ma 2026: Unter­neh­men zwi­schen Sta­gna­ti­on und Reform­be­darf

Die aktuelle Konjunkturumfrage der Wirtschaftskammer Steiermark (WKO) zeigt, dass sich die steirische Wirtschaft weiterhin in einer Phase der Stagnation befindet.

Eine rasche wirt­schaft­li­che Erho­lung ist nicht in Sicht. Hohe Arbeits- und Ener­gie­kos­ten, geo­po­li­ti­sche Unsi­cher­hei­ten sowie eine stei­gen­de Büro­kra­tie belas­ten die Unter­neh­men und bremsen Inves­ti­tio­nen sowie Beschäf­ti­gung.

Laut Wirt­schafts­ba­ro­me­ter bewer­ten 56,5 Prozent der befrag­ten Unter­neh­men das aktu­el­le Wirt­schafts­kli­ma schlech­ter als vor einem Jahr. Ledig­lich 6,6 Prozent sehen eine Ver­bes­se­rung. Der Sal­den­wert liegt damit bei -49,9 Pro­zent­punk­ten und bleibt deut­lich im nega­ti­ven Bereich.

Wirt­schafts­kli­ma in der Stei­er­mark: Kaum Wachs­tums­im­pul­se erkenn­bar

Die Ergeb­nis­se der Befra­gung unter 724 stei­ri­schen Unter­neh­men zeigen, dass sich die wirt­schaft­li­che Situa­ti­on gegen­über der letzten Erhe­bung nur gering­fü­gig ver­bes­sert hat. Ein nach­hal­ti­ger Auf­wärts­trend lässt sich jedoch wei­ter­hin nicht erken­nen.

Wirt­schafts­kli­ma wei­ter­hin negativ

Auch die Erwar­tun­gen für die kom­men­den zwölf Monate bleiben ver­hal­ten. Der Erwar­tungs­sal­do ver­bes­sert sich zwar leicht von ‑43,2 auf -40,5 Pro­zent­punk­te, bleibt aber eben­falls deut­lich negativ.

Die wich­tigs­ten Kenn­zah­len im Über­blick:

  • Wirt­schafts­kli­ma aktuell: -49,9 Punkte
  • Erwar­tun­gen: -40,5 Punkte
  • Gesamt­um­satz: -2,5 Punkte
  • Auf­trags­la­ge: -8,6 Punkte
  • Inves­ti­tio­nen: -19,8 Punkte
  • Beschäf­ti­gung: -16,6 Punkte
  • Preis­ni­veau: +37,0 Punkte

Vor allem die sin­ken­de Inves­ti­ti­ons­be­reit­schaft und der rück­läu­fi­ge Beschäf­ti­gungs­aus­blick zeigen, dass viele Unter­neh­men derzeit äußerst vor­sich­tig agieren.

Arbeits­kos­ten bleiben größtes Wett­be­werbs­hemm­nis

Die Umfrage zeigt deut­lich, welche Her­aus­for­de­run­gen die stei­ri­schen Betrie­be derzeit beson­ders beschäf­ti­gen.

Die größten Belas­tun­gen für Unter­neh­men

Als wich­tigs­te Wett­be­werbs­nach­tei­le nennen die Unter­neh­men:

  • 77,2 %: hohe Arbeits­kos­ten
  • 60,8 %: stei­gen­de Ener­gie­kos­ten
  • 55,4 %: Büro­kra­tie und regu­la­to­ri­sche Vor­ga­ben
  • 50,2 %: all­ge­mei­ne wirt­schaft­li­che Unsi­cher­heit
  • 47,0 %: hohe Steuer- und Abga­ben­be­las­tung
  • 39,9 %: Arbeits- und Fach­kräf­te­man­gel

Aus Sicht der Wirt­schaft sind ins­be­son­de­re Ent­las­tun­gen bei Lohn­ne­ben­kos­ten, Ener­gie­prei­sen sowie ein kon­se­quen­ter Büro­kra­tie­ab­bau not­wen­dig, um den Stand­ort Stei­er­mark lang­fris­tig wett­be­werbs­fä­hig zu halten.

Inter­na­tio­na­le Krisen wirken sich auf die stei­ri­sche Wirt­schaft aus

Die geo­po­li­ti­schen Span­nun­gen im Nahen Osten haben auch in der Stei­er­mark spür­ba­re Aus­wir­kun­gen.

Unter­neh­men kämpfen mit stei­gen­den Kosten

58 Prozent der befrag­ten Unter­neh­men berich­ten bereits von nega­ti­ven Folgen des Iran-Krieges. Weitere 17 Prozent können die Aus­wir­kun­gen derzeit noch nicht abschät­zen.

Beson­ders häufig genannt werden:

  • höhere Trans­port- und Treib­stoff­kos­ten (82 %)
  • stei­gen­de Ener­gie­kos­ten (74,5 %)
  • höhere Roh­stoff- und Mate­ri­al­prei­se (71,2 %)
  • sin­ken­de Nach­fra­ge (58,8 %)
  • erschwer­te Kal­ku­la­tio­nen und Pla­nungs­un­si­cher­heit (47,2 %)
  • Lie­fer­ver­zö­ge­run­gen (39,8 %)

Die inter­na­tio­na­len Kon­flik­te erhöhen damit den wirt­schaft­li­chen Druck zusätz­lich.

Umsatz zeigt erste leichte Sta­bi­li­sie­rung

Beim Gesamt­um­satz zeich­net sich erst­mals eine leichte Ver­bes­se­rung ab. Während 33,5 Prozent der Unter­neh­men Umsatz­stei­ge­run­gen melden, berich­ten 36 Prozent von Rück­gän­gen. Für die kom­men­den zwölf Monate erwar­ten mehr Unter­neh­men stei­gen­de als sin­ken­de Umsätze.

Auf­trags­la­ge bleibt ange­spannt

Die Auf­trags­si­tua­ti­on ent­wi­ckelt sich wei­ter­hin schwach. Sowohl die aktu­el­le als auch die erwar­te­te Auf­trags­la­ge liegen mit -8,6 Pro­zent­punk­ten im nega­ti­ven Bereich. Viele Unter­neh­men rechnen auch künftig nicht mit einer deut­li­chen Bele­bung der Nach­fra­ge.

Inves­ti­ti­ons­be­reit­schaft auf nied­ri­gem Niveau

Beson­ders kri­tisch bleibt die Ent­wick­lung bei den Inves­ti­tio­nen. Seit rund drei Jahren inves­tie­ren viele Betrie­be nur noch in not­wen­di­ge Ersatz­an­schaf­fun­gen. Rund 20 Prozent planen sogar über­haupt keine Inves­ti­tio­nen mehr.

Als wich­tigs­te Inves­ti­ti­ons­mo­ti­ve gelten:

  • Ersatz­in­ves­ti­tio­nen
  • Moder­ni­sie­rung bestehen­der Anlagen
  • not­wen­di­ge Betriebser­hal­tung

Wachs­tums­in­ves­ti­tio­nen spielen derzeit nur eine unter­ge­ord­ne­te Rolle.

Per­so­nal­ab­bau setzt sich fort

Die schwa­che Wirt­schafts­la­ge wirkt sich zuneh­mend auf den Arbeits­markt aus.

Nur 15,6 Prozent der Unter­neh­men haben in den ver­gan­ge­nen zwölf Monaten neue Mit­ar­bei­ter ein­ge­stellt. Dagegen mussten 32,3 Prozent Per­so­nal abbauen.

Auch der Aus­blick bleibt negativ:

  • 11,9 Prozent planen Neu­ein­stel­lun­gen.
  • 30,1 Prozent rechnen mit wei­te­rem Per­so­nal­ab­bau.

Eine rasche Ver­bes­se­rung am Arbeits­markt ist derzeit nicht zu erwar­ten.

Aus­lands­nach­fra­ge könnte sich langsam erholen

Während die Export­ent­wick­lung in den ver­gan­ge­nen zwölf Monaten noch rück­läu­fig war, zeigen die Erwar­tun­gen erst­mals seit Sommer 2024 wieder nach oben.

Der Erwar­tungs­sal­do steigt auf +9,7 Pro­zent­punk­te. Viele export­ori­en­tier­te Unter­neh­men hoffen auf eine leichte Erho­lung der inter­na­tio­na­len Nach­fra­ge im wei­te­ren Jah­res­ver­lauf.

Regio­na­le Unter­schie­de beim Wirt­schafts­kli­ma

Zwi­schen den stei­ri­schen Regio­nen bestehen deut­li­che Unter­schie­de.

Ver­gleichs­wei­se weniger pes­si­mis­tisch zeigen sich:

  • Liezen
  • Murau-Murtal

Beson­ders ange­spannt bleibt die Stim­mung dagegen:

  • Groß­raum Graz
  • Ost­stei­er­mark

Trotz regio­na­ler Unter­schie­de liegen sämt­li­che Wirt­schafts­kli­ma-Indi­ka­to­ren wei­ter­hin im nega­ti­ven Bereich.

Mit­tel­un­ter­neh­men ent­wi­ckeln sich am sta­bils­ten

Während Ein-Per­so­nen-Unter­neh­men und Klein­be­trie­be wei­ter­hin unter der schwa­chen Nach­fra­ge leiden, zeigen sich bei den Mit­tel­un­ter­neh­men erste posi­ti­ve Ent­wick­lun­gen.

Diese ver­zeich­nen sowohl beim bis­he­ri­gen Umsatz als auch bei den Erwar­tun­gen posi­ti­ve Salden.

Groß­un­ter­neh­men mussten zuletzt deut­li­che Umsatz­rück­gän­ge hin­neh­men. Dennoch blicken viele größere Betrie­be wieder etwas opti­mis­ti­scher auf die kom­men­den Monate und erwar­ten eine Ver­bes­se­rung ihrer Geschäfts­ent­wick­lung.

Refor­men sollen Wett­be­werbs­fä­hig­keit stärken

Die aktu­el­le Kon­junk­tur­um­fra­ge macht deut­lich, dass die stei­ri­sche Wirt­schaft wei­ter­hin mit erheb­li­chen Her­aus­for­de­run­gen kon­fron­tiert ist. Hohe Arbeits- und Ener­gie­kos­ten, inter­na­tio­na­le Krisen sowie eine zuneh­men­de Büro­kra­tie ver­hin­dern derzeit eine nach­hal­ti­ge wirt­schaft­li­che Erho­lung.

Zwar zeigen ein­zel­ne Berei­che – ins­be­son­de­re beim Export und den Umsatz­er­war­tun­gen – erste posi­ti­ve Signale, ins­ge­samt bleibt die Kon­junk­tur jedoch nahe der Sta­gna­ti­on. Aus Sicht der Wirt­schaft sind rasche Refor­men not­wen­dig. Dazu zählen nied­ri­ge­re Lohn­ne­ben­kos­ten, güns­ti­ge­re Ener­gie­prei­se, schnel­le­re Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren sowie ein kon­se­quen­ter Abbau büro­kra­ti­scher Hürden. Nur so können Inves­ti­tio­nen geför­dert, Arbeits­plät­ze gesi­chert und die Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Wirt­schafts­stand­orts Stei­er­mark nach­hal­tig gestärkt werden.

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