Sein Gegenstück, der Porsche 911 Reimagined by Singer – Classic Turbo, wurde von Nicolas Ghesquière, Artistic Director der Women’s Collections bei Louis Vuitton, konzipiert: ein Cabriolet in Calcaire-Lutétien-Weiß, veredelt mit edlem Holz. Beide Wagen sind mit maßgefertigten Louis-Vuitton-Kreationen ausgestattet, die jede Fahrt zu einer Feier der Reisekunst machen.
Am Anfang stand ein Gespräch – und die Bitte um eine Armaturenbrettuhr für einen von Singer neu interpretierten Wagen. Aus dieser Idee wuchs eine weitreichende Zusammenarbeit. Die Uhr, entworfen und gefertigt in den Schweizer Werkstätten von La Fabrique du Temps Louis Vuitton, ist ein abnehmbares mechanisches Objekt, das sich in eine Tischuhr verwandeln lässt. Ihr Design zitiert die ikonische Tambour-Uhr mit ihrer charakteristischen Form und den zwölf polierten, gravierten Buchstaben des Hausnamens auf der Lünette.
Die daraus entwickelte Designsprache – die sich später auf alle Instrumente überträgt – setzt auf ein kräftiges Kobaltblau, akzentuiert durch leuchtendes Orange für die Beschriftung. Jean Arnault, Watch Director bei Louis Vuitton, beschreibt das Projekt als Ausgangspunkt einer Personalisierung, die sich schließlich auf jedes funktionale Element des Fahrzeugs erstreckte. Was zunächst wie eine Nebensache wirken mochte, bedeutete am Ende ein ganzes Jahr Arbeit – bis hin zur vollständigen Neugestaltung der Instrumente, deren Zeiger, Skalen und Indizes die grafische Sprache der Tambour-Linie übernehmen.
Der Classic: Safran, Kobaltblau und kompromissloses Handwerk
Das Coupé auf Basis des Chassis vom Typ 964 trägt eine Livree in Safran und Kobaltblau und einen eigens entworfenen Dachträger, der einen Koffer, ein Surfbrett oder ein Paar Ski aufnehmen kann – eine unmissverständliche Ansage: Dieser Wagen ist für große Reisen gedacht. Unter der leichten Karbon-Karosserie arbeitet ein saugmotorisierter, luftgekühlter 4,0‑Liter-Sechszylinder-Boxer, gekoppelt an ein Sechsgang-Schaltgetriebe mit Heckantrieb und eine Karbon-Keramik-Bremsanlage.
Der Safran-Ton begleitet das Haus seit über anderthalb Jahrhunderten und prägt seit mehr als zwei Jahrzehnten seine Verpackungen; über die eng verwandte Hausfarbe Bahama-Gelb verweist er zudem auf die für Citroën 1924 gefertigten Reisekoffer, die bereits kobaltblaue Innenverstärkungen trugen. Gelber Sattelstich zieht sich über Sitze, Türen, Lederwaren und Kofferelemente. Selbst die kobaltblauen Reifen und das Lüftungsgitter am Heck – in das dezent ein geometrisches Motiv aus den Initialen L und V eingearbeitet ist – tragen zur visuellen Signatur bei.
Das Interieur ist vollständig in Leder gehalten, dessen natürlicher Ton vom VVT-Leder (Vache Végétale Tannée) inspiriert ist. An den Türgriffen findet sich die von Louis-Vuitton-Taschen bekannte Kantenfärbung, auf Sitzen, vorderem Kofferraum und im Heck das rautenförmige „Malletage“-Muster aus dem Inneren der Vuitton-Koffer. Die Sitze tragen das Monogram-Flower-Motiv, das auch auf Sonnenblenden und Kopfstützen wiederkehrt. Kunststoffteile wurden durchgängig durch handgefertigte Komponenten aus hochwertigen, natürlichen Materialien ersetzt; Bedienelemente, Schalter, Schlösser und Lüftungsdüsen bestehen aus Metall, überwiegend rhodiniert und mit Techniken aus der Uhrmacherei veredelt. Selbst die Tank- und Öldeckel – mit den Aufschriften „Carburant“ und „Huile“ – greifen die Typografie von Louis-Vuitton-Uhrenkomponenten auf.
Der Classic Turbo: Ghesquières nautische Vision
Der aufgeladene Cabriolet-Ableger – ebenfalls auf Typ-964-Basis – trägt die Handschrift von Nicolas Ghesquière. Seine Karosserie in Elfenbeinweiß mit dezenten Brauntönen und ein Interieur, in dem Leder und Holz zusammenspielen, huldigen der Eleganz klassischer Motorboote. Angetrieben wird der Wagen von einem biturbogeladenen 3,8‑Liter-Sechszylinder-Boxer mit Sechsgang-Schaltung und wählbaren Fahrmodi. Das Farbschema greift den Calcaire Lutétien auf – jenen Kalkstein, der das Pariser Stadtbild und den historischen Hauptsitz des Hauses am Pont Neuf geprägt hat – ergänzt um goldene Akzente und die natürlichen Töne von Leder und Holz.
Die Armaturenbrettuhr ist hier nicht in die Instrumente integriert, sondern sitzt in der Mitte der Mittelkonsole – mit warm-goldenen Anzeigen, einem Zifferblatt im exakten Ton der Karosserie und einem dazu passenden goldenen Zündschlüssel. Eine markante Lederapplikation am Lenkrad zählt zu Ghesquières Signaturdetails; der Schaltsack zitiert über seinen Lederzug die Silhouette der Noé-Tasche. Hinter den Sitzen liegt ein in Leder über einer Holzschale gearbeitetes Gepäckabteil, gefertigt wie die lackierten Decks klassischer Runabout-Boote. Auch die Stoßfänger integrieren Holzelemente – eine zusätzliche Herausforderung für Designer und Ingenieure.
Maßgeschneiderte Capsule-Kollektionen
Zu beiden Fahrzeugen gehören eigene Capsule-Kollektionen, die den Wagen gleichsam verlängern statt bloß zu begleiten. Für den Classic reicht das Spektrum vom Rennfahrer-Blouson aus genarbtem Leder über Fahrhandschuhe und den Jethelm aus Karbon und Glasfaser bis zum maßgefertigten Reisegepäck – etwa dem Bisten, einem Nachfahren der 1892 erstmals katalogisierten Koffer, oder dem Keepall, seit 1930 eine Ikone des Hauses. Die Stücke sind aus Millésime-Leder gefertigt, das dem Interieur-Leder des Wagens nahekommt.
Zur Turbo-Kollektion gehört unter anderem die Tambour Automatic (40 mm, Keramik und Gelbgold), die als Paar mit der Armaturenuhr im Coffret Tresor ruht – jenem Etui, das Georges Vuitton 1896 erstmals fertigte. Dazu kommen ein maßgeschneiderter Anzug aus Fallschirmseide, die Petite Malle aus einem Holz, das die feinen Details des Wagens spiegelt, sowie weitere Taschen wie Alma, Express und Noé.
Eine lange Geschichte mit dem Automobil
Seit seiner Gründung 1854 ist Louis Vuitton mit dem Reisen verbunden. Schon 1897 bot Georges Vuitton eigens für Automobile konzipierte Koffer mit patentierten Schlössern an. 1909 entwarfen die Zwillinge Pierre und Jean Vuitton, Enkel des Hausgründers, ein eigenes Automobil auf einem Sportchassis des Herstellers Stabilia, um die Produkte des damals von ihrem Bruder Gaston-Louis Vuitton geführten Hauses zu präsentieren. Später stattete das Haus Teams der Rennen Paris–Peking und New York–Paris aus und lieferte im Ersten Weltkrieg Krankenwagen. In den 1980er- und 1990er-Jahren folgten Sonderanfertigungen für Concept Cars, der Louis Vuitton Design Award und der Louis Vuitton Classic Run.
Singer, 2009 in Kalifornien gegründet, verfolgt die Philosophie „A Relentless Pursuit of Excellence“. Das Unternehmen unterhält zwei Standorte – der Classic entstand in Kalifornien, das Turbo-Cabriolet in England – und wurde in diesem Jahr beim Goodwood Festival of Speed als Central Feature Marque ausgezeichnet.









