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Bat­te­rien: Wie Fehler im Kris­tall­git­ter die Leis­tung ver­bes­sern

Experimente der TU Graz zeigen einen Weg auf, wie sich die Ionenleitfähigkeit von Lithium-Titanat in Batterien erhöhen lässt. Dabei werden gezielt "Löcher" im Kristallgitter erzeugt, was bisher blockierte Pfade öffnet. Dies könnte neue Anwendung bei Batterien und in der Elektronik ermöglichen.
Mehrere aufeinandergestapelte Batterien
An der TU Graz wird die Leitfähgikeit von Batteriematerial erforscht. Credit Pexels, hilaryh
Illustration eines Kristallgitters
Sauerstoff (rot), Lithium (blau) und Titan (grau) bilden die Kristallstruktur des Batteriematerials Lithium-Titanat. Credit: ICTM - TU Graz

Bat­te­rien auf Basis von Lithium-Titanat (LTO, Li₄­Ti₅O₁₂) sind seit Langem gängige Ener­gie­spei­cher. Im unbe­han­del­ten Zustand leitet das Mate­ri­al Lithium-Ionen jedoch ver­gleichs­wei­se schlecht. Eine hohe Leit­fä­hig­keit ent­wi­ckelt es nor­ma­ler­wei­se erst während des Lade­vor­gangs. Bern­hard Gader­mai­er und Martin Wil­ke­ning vom Insti­tut für Che­mi­sche Tech­no­lo­gie von Mate­ria­li­en der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Graz (TU Graz) haben einen Weg gefun­den, wie sich der Trans­port von Lithium-Ionen in Lithium-Titanat ver­bes­sern lässt.

Sie erzeug­ten gezielt Sau­er­stoff-Fehl­stel­len – ver­ein­facht gesagt kleine „Löcher“ im Kris­tall­git­ter. Dadurch wurde ein bereits in der Struk­tur vor­han­de­ner, bislang aber blo­ckier­ter Wan­de­rungs­weg für Lithium-Ionen frei­ge­schal­tet. „Dieser Dif­fu­si­ons­pfad ist im Mate­ri­al bereits durch die Lithium-Titanat-Struk­tur vor­ge­prägt, wird aber durch die Defekt­struk­tur erst akti­viert“, erläu­tert Wil­ke­ning.

SO AKTI­VIE­REN DEFEKTE DEN SCHNEL­LEN IONEN­TRANS­PORT IM BAT­TE­RIE­MA­TE­RI­AL

Um die Sau­er­stoff-Fehl­stel­len zu erzeu­gen, erhitz­ten Gader­mai­er und Wil­ke­ning Lithium-Titanat bei 300 Grad Celsius in einer sau­er­stoff­ar­men Atmo­sphä­re. Dabei werden ein­zel­ne Sau­er­stoff­ato­me aus dem Kris­tall­git­ter ent­fernt. Die dadurch ent­ste­hen­den Leer­stel­len ver­än­dern die lokalen Bewe­gungs­mög­lich­kei­ten der Lithium-Ionen.

Die schnel­le­re Ionen­lei­tung wiesen die For­schen­den mit Leit­fä­hig­keits­spek­tro­sko­pie und Kern­spin­re­so­nanz­spek­tro­sko­pie (NMR) nach. Die NMR-Mes­sun­gen lie­fer­ten dabei den direk­ten Hinweis auf den neu akti­vier­ten Dif­fu­si­ons­weg.

In der Praxis zeigt die Studie vor allem ein wich­ti­ges Prinzip der Mate­ri­al­for­schung: Nicht nur die che­mi­sche Zusam­men­set­zung ent­schei­det über die Eigen­schaf­ten eines Bat­te­rie­ma­te­ri­als. Auch gezielt erzeug­te Defekte können seine Funk­ti­on erheb­lich ver­än­dern. Lang­fris­tig könnte dieses Wissen helfen, Mate­ria­li­en für schnel­le­re Ionen­trans­por­te gezielt zu ent­wi­ckeln und damit neue Anwen­dun­gen in Bat­te­rien und der Elek­tro­nik zu ermög­li­chen.

GRUND­LA­GEN­FOR­SCHUNG ERÖFF­NET NEUE PER­SPEK­TI­VEN

„Die Arbeit ist zugleich ein Para­de­bei­spiel dafür, wie zweck­freie Grund­la­gen­for­schung neue Mate­ri­al­funk­tio­nen her­vor­bringt“, sagt Wil­ke­ning. „Die geziel­te Steue­rung der Ionen­leit­fä­hig­keit durch Defekt­che­mie eröff­net lang­fris­tig Per­spek­ti­ven für iono­tro­ni­sche, mem­ris­ti­ve und neu­ro­mor­phe Bau­ele­men­te in der Mikro- und Nano­elek­tro­nik.“

IN KÜRZE

  • Lithium-Titanat besitzt im Kris­tall­git­ter poten­zi­el­le Wan­de­rungs­we­ge für Lithium-Ionen.
  • Im ursprüng­li­chen Mate­ri­al ist einer dieser Wege jedoch kaum nutzbar.
  • Durch das geziel­te Ent­fer­nen ein­zel­ner Sau­er­stoff­ato­me ent­ste­hen Sau­er­stoff­fehl­stel­len.
  • Diese Defekte ver­än­dern die Struk­tur so, dass der bisher blo­ckier­te Dif­fu­si­ons­pfad akti­viert wird.
  • Die Lithium-Ionen können sich dadurch schnel­ler durch das Mate­ri­al bewegen.

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