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Manuela Schlos­sin­ger|

Bei Son­nen­auf­gang. End­geg­ner

Am 26. September 2025 eröffnet die Galerie Reinisch Contemporary eine Ausstellung mit Werken des österreichischen Künstlers Julian Khol.
Foto: Niki Pommer
Foto: Niki Pommer

Der Titel „Bei Son­nen­auf­gang. End­geg­ner“ beschwört die Bedeu­tungs­kraft von Schwel­len­über­tre­tun­gen herauf: das Auf­schei­nen eines neuen Tages, das Auf­stei­gen in eine höhere Ebene oder auch den Beginn eines Zyklus, der zugleich Prüfung und Ver­hei­ßung ist. „End­geg­ner“ ist hier als geflü­gel­ter Begriff einer ganzen Gene­ra­ti­on zu ver­ste­hen. Für Khol beschreibt er die psy­cho­lo­gi­sche Kon­fron­ta­ti­on mit einem Wider­stand, der sich erst im Moment seiner Über­win­dung als Weg­wei­ser ent­puppt, ein Span­nungs­feld zwi­schen Ver­ant­wor­tung und Komfort, Indus­tria­li­sie­rung und Umwelt, in dem der Künst­ler sich selber sieht und vor dem er End­geg­ner wahr­nimmt.“

Khols Arbei­ten ver­wei­gern sich der schnel­len Les­bar­keit und fordern Betrachter:innen dazu auf, ein neues Nar­ra­tiv zu denken: eines, das die innere Arbeit mit der äußeren Wirk­lich­keit ver­bin­det und die Schön­heit dieser Erde – und uns Men­schen darin – nicht nur als Erschei­nung, sondern als Ver­ant­wor­tung erkennt. Mit dem Dop­pel­bild des Son­nen­auf­gangs und des End­geg­ners ent­fal­tet Khol ein Werk, das zwi­schen Wider­stand und Reso­nanz oszil­liert. Der End­geg­ner erweist sich hier nicht als Feind, sondern als Schwel­len­fi­gur – als Ein­la­dung, uns auf Reso­nan­zen ein­zu­las­sen, uns der eigenen Ver­ant­wor­tung zu stellen und das nächste Level unseres Bewusst­seins zu betre­ten.

Die titel­ge­ben­de Skulp­tur „Bei Son­nen­auf­gang. End­geg­ner“ greift das Motiv der letzten Prüfung auf. Aus­ge­hend von zeit­ge­nös­si­schen Mate­ria­li­en und Metho­den formt Khol ein Berg­mas­siv, das auf drei Beine gestellt ist und sich gleich­sam um eine unsicht­ba­re Achse dreht. Inspi­riert von der Land­schaft um den Ossia­cher See, ent­wi­ckel­te dieses Gebilde bereits im Arbeits­pro­zess ein Eigen­le­ben: Was als kon­trol­lier­ba­rer Plan begann, ver­selbst­stän­dig­te sich, wuchs in unbe­re­chen­ba­re Formen hinein und stellte sich dem Künst­ler als Prüf­stein ent­ge­gen – nicht nur hand­werk­lich, sondern auch exis­ten­zi­ell.

In seinen Gemäl­den macht Khol das Licht zum eigent­li­chen Akteur. Palmen, Papa­gei­en und tro­pi­sche Motive erschei­nen in schwe­ben­den, oft blauen Räumen, die unbe­stimmt bleiben: Befin­den wir uns unter Wasser, unter Eis, in einem ver­reg­ne­ten Son­nen­un­ter­gang? Farbe ent­steht hier nicht als Eigen­schaft des Objekts, sondern als Resul­tat des Lichts selbst – absor­biert, reflek­tiert, schwin­gend. So macht die Malerei ein unsicht­ba­res Geflecht sicht­bar: ein Spiel zwi­schen Verlust und Erschei­nung; zwi­schen dem, was vergeht, und dem, was auf­scheint.

Diese Bild­räu­me sind keine exo­ti­schen Kulis­sen. Sie for­mu­lie­ren viel­mehr eine Gegen­fra­ge: Was ver­mö­gen wir ange­sichts einer Welt, die von Kriegen, Zer­stö­rung und media­ler Mani­pu­la­ti­on geprägt ist, über­haupt noch wahr­zu­neh­men? Khols Bilder glei­chen einem Schutz­raum, der zugleich die Natur erfahr­bar macht und eine Distanz zu den täg­li­chen Über­wäl­ti­gun­gen des Nach­rich­ten­stroms ermög­licht.

Julian Khol wurde 1979 in Wien geboren. Er stu­dier­te Malerei an der Uni­ver­si­tät für ange­wand­te Kunst Wien bei Chris­ti­an Ludwig Atter­see und an der Kunst­aka­de­mie Düs­sel­dorf bei Herbert Brandl, wo er 2011 sein Meis­ter­schü­ler-Diplom abschloss. Seit 2018 stellt er auch Skulp­tu­ren aus.

Galerie Rei­nisch Con­tem­po­ra­ry
www.reinisch-graz.com

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