Annette Zierer|

2. Tegern­see Art Masters See­mei­le Nr. 1- Ele­men­te

Tony Cragg, einem der bedeutendsten Bildhauer der Gegenwart, sind die 2. Tegernsee Art Masters am Tegernsee vom 3. Juli bis 5. Oktober 2026 gewidmet.

Mit der Aus­stel­lung „See­mei­le Nr. 1 – Ele­men­te“ setzt der Künst­ler am Tegern­see Zeichen für einen Per­spek­ti­ven­wech­sel.

Die Wahl des Tegern­sees ist eng mit den inhalt­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen von Tony Craggs Werk ver­bun­den. Seine Skulp­tu­ren ent­ste­hen aus der Beob­ach­tung natür­li­cher Pro­zes­se und orga­ni­scher Struk­tu­ren. In der offenen Land­schaft des Tegern­sees treten die Arbei­ten in einen leben­di­gen Dialog mit ihrer Umge­bung und eröff­nen neue Per­spek­ti­ven auf Form, Bewe­gung und Mate­ria­li­tät.

Die Aus­stel­lung zeigt fünf groß­for­ma­ti­ge Skulp­tu­ren aus wich­ti­gen Werk­grup­pen von Tony Cragg am Seeufer des Tegern­sees. Die Arbei­ten ent­stam­men Serien der letzten Jahre, in denen sich der Künst­ler inten­siv mit Fragen von Evo­lu­ti­on, Trans­for­ma­ti­on und Wachs­tum aus­ein­an­der­setzt sowie die Mög­lich­kei­ten von Ver­än­de­rung künst­le­risch erforscht. Craggs Inspi­ra­ti­on reicht von Grund­for­men der Natur und bio­lo­gi­schen Struk­tu­ren bis zu gegen­wär­ti­gen Form­fin­dun­gen in den zuneh­mend digi­ta­len Welten der Tech­no­lo­gie. Diese the­ma­ti­sche und formale Viel­falt macht Tony Cragg zu einem der bedeu­tends­ten Bild­hau­er unserer Zeit.

In unmit­tel­ba­rer Nähe des Tegern­sees am Seeweg in Rottach-Egern steht Tony Craggs monu­men­ta­le Skulp­tur „Senders”. In der 6,5 Meter hohen Arbeit aus weißem Fiber­glas erschei­nen orga­ni­sche Formen in einer anthro­po­mor­phen Anmu­tung. Senders oszil­liert zwi­schen bio­mor­pher Wuche­rung und prä­zi­ser, kon­stru­ier­ter Form. Diese Span­nung macht die unver­kenn­ba­re For­men­spra­che von Tony Cragg aus.

Die monu­men­ta­le Bron­ze­skulp­tur „Stacks“ in Bad Wiessee evo­ziert ver­wit­ter­te Felsen, ver­schlif­fe­nes Holz oder auf­stei­gen­de vul­ka­ni­sche For­ma­tio­nen. Die überein-ander­ge­schich­te­ten, gefal­te­ten und gedreh­ten Flächen lassen auch an geo­lo­gi­sche Modelle oder Auf­nah­men aus dem Ras­ter­elek­tro­nen­mi­kro­skop denken. Die iko­ni­schen „Stacks”, die Cragg seit den 1970er Jahren bestän­dig wei­ter­ent­wi­ckelt, gehen auf seine Aus­ein­an­der­set­zung mit geo­me­trisch gesta­pel­ten Mate­ria­li­en der Indus­trie­ge­sell­schaft zurück. Tony Cragg ver­steht sie als „Schlüs­sel zu einer ver­gan­ge­nen Zeit, die unsere Gegen­wart ist”.

Die Skulp­tur „Tommy“ am Stand­ort Gut Kal­ten­brunn nutzt ähn­li­che Form­prin­zi­pi­en wie die Skulp­tur Senders in Rottach-Egern, setzt sie jedoch expres­si­ver und asso­zia­ti­ver ein. Auch hier sind Wachs­tum und bio­mor­phe Struk­tu­ren the­ma­tisch präsent. Die Arbeit ist aus glas­fa­ser­ver­stärk­tem Kunst­stoff (GFK) gefer­tigt, den der Künst­ler grün ein­ge­färbt hat. Es ist ein Mate­ri­al, das u. a. im Boots­bau Ver­wen­dung findet und das Inter­es­se von Tony Cragg auch an neu­es­ten Mate­ria­li­en zeigt.

Ebenso in Gut Kal­ten­brunn zu sehen ist die frü­hes­te Arbeit in der Aus­stel­lung: die grosse Bron­ze­skulp­tur „Early Forms St. Gallen“ aus 1997. Die Werk­grup­pe Early Forms, begon­nen Mitte der 1980er Jahre, nimmt ein­fa­che Gebrauchs­ge­gen­stän­de wie Schalen und Gefäße zum for­ma­len Aus­gangs­punkt der Kom­po­si­ti­on. Tony Cragg unter­zieht sie einem skulp­tu­ra­len Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess durch Dehnung in den Raum, Ver­dre­hung und Frag­men­tie­rung und schafft dadurch eine völlig neue Form. Die uns ver­trau­ten All­tags­ob­jek­te erschei­nen als neu­ar­ti­ge orga­nisch-bio­mor­phe Körper. Sie lassen an Wachs­tums­pro­zes­se der Evo­lu­ti­on denken, wo in Mil­lio­nen von Jahren aus einer Früh­form, Early Forms, eine uns heute bekann­te Form ent­stan­den ist.

Die prä­gnan­te Skulp­tur „Points of View” aus polier­tem Edel­stahl steht direkt am Ufer des Tegern­sees beim Schloss Tegern­see. Die zwei auf­ra­gen­den Säulen schei­nen direkt aus dem Boden zu wachsen. Die spie­geln­de Ober­flä­che des Edel­stahls fängt Himmel, Wasser und Vege­ta­ti­on ein und ver­än­dert das Erschei­nungs­bild je nach Licht und Stand­ort, ein visu­el­ler Dialog mit der Umge­bung, der die Wahr­neh­mung des Betrach­ters fort­lau­fend neu jus­tiert. Die Form der Skulp­tur ist aus Zeich­nun­gen von Pro­fi­len mensch­li­cher Gesich­ter abge­lei­tet, worauf sich auch der Titel der Serie „Points of View” (deutsch: „Stand­punkt”) bezieht. Das Figür­li­che bleibt als subtile Spur erhal­ten, geht aber in bio­mor­phe und geo­lo­gi­sche Formen über.

Die flie­ßen­den Formen sind zugleich Por­trait­frag­men­te und Unter­su­chun­gen von Per­spek­ti­ve, Form und Wahr­neh­mung. Somit ist die Skulp­tur auch ein Spiel mit diver­sen Per­spek­ti­ven: Je nach Blick­win­kel ver­än­dern sich Pro­por­tio­nen, Kon­tu­ren und Zwi­schen­räu­me, sodass das Umgehen der Skulp­tur immer wieder neue Sicht­wei­sen, neue „Points of Views” eröff­net.

Zum Abschluss der Tegern­see Art Masters zeigt das Gul­brans­son Museum ab dem 18. Sep­tem­ber Zeich­nun­gen auf Papier und weitere Skulp­tu­ren des Künst­lers. Des Wei­te­ren finden im Rahmen der 2. Tegern­see Art Masters Events, Talks und Kunst­ak­tio­nen statt. Infor­ma­tio­nen unter: www.tegernsee-art-masters.com


Tony Cragg Zeich­nun­gen & Skulp­tu­ren
Ab 18. Sep­tem­ber bis Ende Februar 2027
Olaf Gul­brans­son Museum
Diens­tag bis Sonntag: 10:00–17:00 Uhr
Olaf-Gul­brans­son-Straße 2–6
83684 Tegern­see

www.tegernsee-art-masters.com


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