Das Grazer COMET-Zentrum LEC hat einen Wasserstoff-Großmotor im Megawattbereich in Betrieb genommen. Er zeigt, wie sich klimaneutrale Energie, Versorgungssicherheit und industrielle Leistungsfähigkeit verbinden lassen – besonders dann, wenn Wind und Sonne eine Pause einlegen.
Ein grüner Motorblock, tonnenschwer, von Rohren und Leitungen umgeben: groß, robust und klimaneutral. Der LEC Zero-Impact-Demonstrator (LEC ZID) befindet sich am Large Engines Competence Center (LEC) im Innovation District Inffeld der TU Graz und gibt einen Ausblick auf die Zukunft der Großmotorentechnologie.

Im Zentrum der Forschungsanlage steht ein Großmotor, der mit 100 Prozent Wasserstoff betrieben wird. Er erzeugt Strom und Wärme, ist vollständig in das Energiesystem der Universität eingebunden und beantwortet eine Frage, die weit über den Grazer Maschinenraum hinausreicht: Wie lässt sich klimafreundliche Energie in großer Menge, verlässlich und so rasch bereitstellen, dass sie dann zur Verfügung steht, wenn sie gebraucht wird – unabhängig davon, ob gerade die Sonne scheint oder der Wind weht?
„Uns beschäftigt die Frage, wie sich Netzresilienz und klimaneutraler Betrieb in der Praxis kombinieren lassen“, so Thomas Jauk, CEO des LEC. Der Demonstrator sei ein konkreter Beitrag, wasserstoffbasierte Großmotoren als resiliente Backup-Lösung in die praktische Verwertung zu bringen. Technologisch bewegt sich der Wasserstoff-Großmotor in einer Leistungsklasse von bis zu drei Megawatt.
„Wir sehen den Zero-Impact-Demonstrator als konkreten Beitrag, wasserstoffbasierte Großmotoren als resiliente Backup-Lösung näher an die praktische Anwendung zu bringen.“
Thomas Jauk, CEO des LEC
Nachhaltige Integration ins Energiesystem der TU Graz
Die Anlage ist vollständig in das Energiesystem der TU Graz integriert. Während des Versuchsbetriebs wird Strom in das lokale Netz eingespeist. Zusätzlich stehen durch Wärmerückgewinnung bis zu 1,5 MW thermische Leistung zur Verfügung.
Ein konkreter Schritt zur klimaneutralen Universität für TU-Graz-Rektor Horst Bischof: „Mit dem Demonstrator zeigt das LEC, wie innovative Energieerzeugung den ökologischen Fußabdruck effektiv verringert und unser Klimaziel 2030 aktiv unterstützt.“

Was bedeutet „Zero Impact“?
„Zero Impact“ ist als wissenschaftlich definiertes Zielniveau zu sehen: Die Umweltwirkungen einer Technologie – etwa Treibhausgas- und Schadstoffemissionen – müssen weniger als fünf Prozent jener einer vergleichbaren Referenztechnologie betragen. Entscheidend ist die Betrachtung des Gesamtsystems – von den Emissionen am Motor bis zur Herstellung und zum Transport des Energieträgers.
Beim LEC ZID sinken die Treibhausgasemissionen gegenüber einem vergleichbaren Erdgasmotor um 97 Prozent. Die verbleibenden Emissionen entstehen vor allem bei der Wasserstoffbereitstellung und durch geringe Mengen Schmieröl im Motor. Wie klimafreundlich der Betrieb tatsächlich ist, hängt daher wesentlich von der Herkunft des Wasserstoffs ab. Wird er aus erneuerbaren Quellen gewonnen, kommt das Gesamtsystem dem „Zero Impact“-Ansatz sehr nahe.
Nicole Wermuth, wissenschaftliche Leiterin am LEC und Professorin für Großmotorentechnologie an der TU Graz, betont den Realitätsbezug des Projekts: „Wir zeigen, was wasserstoffbetriebene Großmotoren heute schon leisten können. Wir wollen Zuverlässigkeit und emissionsarmen Betrieb nicht nur im Labor, sondern unter realen Bedingungen nachzuweisen.“
Energie genau dann, wenn sie gebraucht wird
Wasserstoff-Großmotoren ergänzen Windkraft und Photovoltaik dort, wo schwankende Erzeugung auf einen nicht beliebig verschiebbaren Verbrauch trifft. Sie können sehr kurzfristig Leistung bereitstellen und mit grünem Wasserstoff oder anderen klimaneutralen Kraftstoffen künftig Aufgaben zur resilienten Energiebereitstellung übernehmen: Lastspitzen ausgleichen, Reserven bereitstellen und bei Störungen einspringen.
Wasserstoff ist speicherbar
… und lässt sich bei Bedarf wieder in Strom und Wärme umwandeln, allerdings mit Umwandlungsverlusten. Durch die Elektrifizierung vieler Bereiche wie in der Mobilität und Wärmeversorgung sowie den wachsenden Energiebedarf von KI-Anwendungen steigt der Bedarf an elektrischer Leistung.
„Die größte Herausforderung der KI-Revolution ist nicht die Rechenleistung. Es ist die Energieversorgung. Innovation endet nicht dort, wo etwas im Labor funktioniert. Innovation beginnt dort, wo sie im Megawatt-Maßstab funktioniert“, betont Andreas Kunz, Chief Technology Officer bei INNIO.
„Innovation beginnt dort, wo sie im Megawatt-Maßstab funktioniert.“
Andreas Kunz, Chief Technology Officer bei INNIO
Entstanden ist der Demonstrator im Rahmen des COMET-Forschungsprogramms LEC GETS – Green Energy and Transportation Systems. Fördergeber sind das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur und Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus sowie die Bundesländer Steiermark, Tirol und Salzburg, das Programmmanagement liegt bei der FFG.
„Das LEC COMET-Zentrum macht genau das, worauf die österreichische Industriestrategie abzielt. Industrie und Forschung erproben gemeinsam neue Technologien unter realitätsnahen Bedingungen und machen sich bereit für den nächsten Schritt: die Skalierung“, so Karin Tausz, Geschäftsführerin der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG.
„Am LEC COMET-Zentrum erproben Industrie und Forschung gemeinsam neue Technologien unter realitätsnahen Bedingungen und machen sich bereit für die Skalierung.“
Karin Tausz, Geschäftsführerin der FFG
Startschuss für den LEC Zero-Impact-Demonstrator
Bei der Inbetriebnahme des LEC Zero-Impact Demonstrators im August 2026 brachte das 2. LEC Future Forum Forschung, Industrie, Politik und Forschungsförderung zusammen. Im Fokus standen Resilienz, Skalierung und Wettbewerbsfähigkeit: Emissionsarme Technologien müssen verlässlich, wirtschaftlich und industriell produzierbar sein, ohne dass energieintensive Wertschöpfung und Know-how aus Europa abwandern.
Für den steirischen Wirtschafts- und Wissenschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer ist die Energiewende nicht nur eine ökologische, sondern auch eine wirtschafts- und technologiepolitische Aufgabe: „Diese Forschungsinfrastruktur zeigt, dass Schlüsseltechnologien für klimaneutrale und resiliente Energiesysteme hier in der Steiermark entwickelt, erprobt und gemeinsam mit der Industrie in die Anwendung gebracht werden“, so Ehrenhöfer. Dies sorge für Wirtschaftswachstum und sichere hochwertige Arbeitsplätze am Standort.
„In der Steiermark werden Schlüsseltechnologien für klimaneutrale und resiliente Energiesysteme entwickelt, erprobt und mit der Industrie in Anwendung gebracht.“
Willibald Ehrenhöfer, Wirtschafts- und Wissenschaftslandesrat der Steiermark
Wo große Energiemengen rasch und zuverlässig verfügbar sein müssen – etwa in Industrie, Rechenzentren, kritischer Infrastruktur, Schifffahrt oder schweren Offroad-Anwendungen –, braucht es auch künftig robuste und skalierbare Leistung. Entscheidend sind dabei Energieträger, Effizienz und Emissionen über die gesamte Energiekette. Genau hier setzt der LEC ZID an: Er soll zeigen, wie Energiesicherheit und Klimaneutralität mit wasserstoffbasierten Großmotoren zusammengeführt werden können.
Short & sweet
Die neue Forschungs- und Validierungsplattform LEC ZID vereint einen wasserstoffbetriebenen Großmotor im Megawattbereich mit moderner Abgasnachbehandlung zu einem hocheffizienten Gesamtsystem und erlaubt die effiziente Weiterentwicklung von Energiesystemen – sowohl für industrielle Standorte als auch für Rechenzentren, kritische Infrastrukturen und dezentrale, netzunabhängige Anlagen zur Energiebereitstellung. Mit einer elektrischen Leistung im Bereich von bis zu 3 MW erreicht er das Leistungsniveau heutiger Erdgasmotoren und das klimaneutral. Die minimalen Rest-Emissionen entstehen durch vorgelagerte Effekte bei der Herstellung und dem Transport des Wasserstoffs sowie im Motor durch den technisch unvermeidbaren Schmieröleintrag.
Facts & Figures
Die LEC GmbH zählt zu den weltweit führenden Forschungseinrichtungen für Großmotorentechnologien. Seit 2002 entwickelt sie Lösungen für nachhaltige Energie- und Transportsysteme und leistet damit einen Beitrag zur Dekarbonisierung. Im Fokus stehen erneuerbare Energieträger wie Wasserstoff, Ammoniak und Methanol, digitale Technologien und die Optimierung von Gesamtsystemen. Das COMET K1-Zentrum verbindet Spitzenforschung mit industrieller Anwendung, stärkt Österreichs Innovationsstandort und bildet GreenTech-Ingenieure aus. Es wird vom Bund (BMIMI, BMWET) sowie den Ländern Steiermark, Tirol und Salzburg gefördert, wobei das Programmmanagement bei der FFG liegt.
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Fotos: LEC GmbH, Konstantinov. Dieser Beitrag erschien in JUST Nº 46, Oktober 2026.





