JUST-Redaktion|

Der Süden ist kein Rand mehr

Josef Herk und Jürgen Mandl – Präsidenten der Wirtschaftskammern Steiermark und Kärnten – im Gespräch über die Chancen der polyzentrischen Metropolregion Area Süd.
Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark. Foto: tinksi
Jürgen Mandl, Präsident Wirtschaftskammer Kärnten. Foto: WKK/Zagorz

Die Metro­pol­re­gi­on „Area Süd“ ist längst keine Vision mehr. Zwi­schen Stei­er­mark, Kärnten, Slo­we­ni­en und Friaul-Julisch Vene­ti­en ver­dich­tet sich ein ver­netz­ter Wirt­schafts­raum mit indus­tri­el­ler Stärke, hoher Export­kraft und euro­päi­scher Anschluss­fä­hig­keit. Kein Rand Europas, sondern eine Achse mit Gewicht.

JUST / Warum ist der Süden mehr als Peri­phe­rie?

Josef Herk / Wir reden hier nicht über einen Rand, sondern über einen Raum mit Sub­stanz. Rund fünf Mil­lio­nen Men­schen erwirt­schaf­ten 200 Mil­li­ar­den Euro BIP und 110 Mil­li­ar­den Euro Exporte jähr­lich. Das sind Kenn­zah­len eines euro­päi­schen Pro­duk­ti­ons- und Inno­va­ti­ons­raums. Wer heute noch von Peri­phe­rie spricht, hat die Rea­li­tät über­se­hen.

Jürgen Mandl / Und diese Rea­li­tät ver­än­dert unser Selbst­ver­ständ­nis. Mit Infra­struk­tur­pro­jek­ten wie Kor­alm­bahn und Alpen­süd­ver­bin­dung ist Kärnten kein End­punkt mehr, sondern Dreh­schei­be zwi­schen Alpen und Adria. Was lange Rand­la­ge war, wird stra­te­gi­sche Mitte Europas.

JH / Genau darin liegt der Wandel: Wir sind kein poli­ti­sches Kon­strukt, sondern ein funk­tio­na­ler Wirt­schafts­raum, der längst über Grenzen hinweg arbei­tet. Unter­neh­men ver­bin­den diese Achse schon heute über Wert­schöp­fung, Mobi­li­tät und Fach­kräf­te. Die Wirt­schaft lebt diese Inte­gra­ti­on bereits – die Politik muss ihr erst noch folgen.

JUST / Der poly­zen­tri­sche Vorteil?

JM / Unsere Stärke liegt in der Viel­falt. Die Stei­er­mark steht für indus­tri­el­le Kom­pe­tenz und For­schung, Kärnten für Mikro­elek­tro­nik und High­tech, Slo­we­ni­en und Friaul für Logis­tik und Häfen. Gemein­sam ent­steht ein robus­tes Netz­werk statt eines emp­find­li­chen Zen­trums.

JH / Diese Poly­zen­tra­li­tät ist ein echter Wett­be­werbs­vor­teil. Sie macht uns robus­ter, fle­xi­bler – und oft inno­va­ti­ons­freu­di­ger als mono­zen­tri­sche Metro­po­len. Der Süden ist nicht trotz, sondern wegen seiner Viel­falt stark.

JUST / Warum wird das noch unter­schätzt?

JH / Weil wir wirt­schaft­lich stärker ver­floch­ten sind, als es poli­tisch sicht­bar ist. Viele denken noch in Zustän­dig­kei­ten und Grenzen, obwohl Unter­neh­men längst funk­tio­nal agieren.
JM / Wirt­schaft­li­che Rea­li­tät und öffent­li­che Wahr­neh­mung laufen zeit­ver­setzt. Unter­neh­men handeln längst grenz­über­schrei­tend, doch admi­nis­tra­tiv domi­nie­ren die alten Denk­mus­ter.

JUST / Was bremst uns?

JH / Vor allem Unter­schie­de in Sys­te­men und Ver­fah­ren. Steuer‑, Arbeits- und Geneh­mi­gungs­re­gime vari­ie­ren, poli­ti­sche Kul­tu­ren ebenso. Syn­er­gie ist kein Natur­ge­setz – sie ent­steht erst, wenn gemein­sa­me Inter­es­sen wich­ti­ger werden als Zustän­dig­kei­ten. Nähe allein genügt nicht.

JM / Richtig. Infra­struk­tur schafft Poten­zia­le, doch wenn Ver­fah­ren zu lange dauern oder Fach­kräf­testra­te­gien neben­ein­an­der laufen, ver­lie­ren wir Dynamik. Geschwin­dig­keit ist der neue Stand­ort­fak­tor.

JUST / Was braucht es jetzt?

JM / Jetzt zählt Umset­zung. Wir brau­chen abge­stimm­te Stand­ort­po­li­tik, gemein­sa­me Flä­chen­pla­nung und Koor­di­na­ti­on bei Ansied­lun­gen. Kärnten kann dabei Brücke und Beschleu­ni­ger Rich­tung Süden sein – öko­no­misch und kul­tu­rell. Ent­schei­dend ist, dass wir über Ver­wal­tungs­ein­hei­ten hin­aus­den­ken.

JH / Und wir müssen das Thema Fach­kräf­te ins Zentrum rücken. Wett­be­werbs­fä­hig­keit ent­schei­det sich an Talen­ten, nicht an Grenzen. Wir brau­chen gemein­sa­me Aus­bil­dungs­stra­te­gien, offene Mobi­li­tät und echte Part­ner­schaf­ten zwi­schen Wirt­schaft, Hoch­schu­len und For­schung. Wenn Inves­ti­tio­nen, Fach­kräf­te und Ideen selbst­ver­ständ­lich entlang dieser Achse zir­ku­lie­ren, wird die Metro­pol­re­gi­on Area Süd mehr als ein Konzept – sie wird gelebte euro­päi­sche Rea­li­tät.

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