Area Süd – Die Koralmbahn hat die Landkarte des Südens neu gezeichnet. Doch Schienen allein schaffen noch keinen Wirtschaftsraum. Mit der gemeinsamen Länderkonferenz bekannten sich die Regierungen der Steiermark und Kärntens zur engeren Zusammenarbeit. JUST spricht mit den Wirtschaftskammerpräsidenten Josef Herk (Steiermark) und Jürgen Mandl (Kärnten) darüber, welche konkreten Schritte folgen müssen und warum Nähe allein noch keine Region macht.
Ein guter Name mit Bahnanschluss?
JUST: Ist die Area Süd Realität – oder vorerst ein guter Name mit Bahnanschluss?
Herk: Die Koralmbahn hat die Landkarte verändert. Aber eine Region entsteht nicht mit dem ersten Zug. Jetzt müssen Arbeitsmarkt, Standortpolitik und Infrastruktur nachziehen.
Mandl: Unternehmen nutzen die neue Nähe. Die Institutionen sollten ihnen nicht hinterherfahren. Aus zwei starken Standorten muss ein international sichtbarer Wirtschaftsraum werden.
Landeshauptmann Mario Kunasek gibt Namen und Dimension: „Mit der ‚Area Süd‘ entsteht ein gemeinsamer Wirtschafts- und Lebensraum mit 1,8 Millionen Menschen und mehr als 50.000 Arbeitgebern. Wir sehen die Landesgrenzen dabei nicht als Trennlinie, sondern als Auftrag, noch enger zusammenzuarbeiten. Die Chancen sind riesengroß – und die Herausforderungen können wir nur gemeinsam bewältigen.“
24 Beschlüsse und ein Entwicklungsforum

JUST: 24 gemeinsame Beschlüsse liegen auf dem Tisch. Reicht das?
Herk: Beschlüsse sind ein Anfang, aber noch kein Geschäftsmodell für eine Region. Entscheidend ist, wer konkret was bis wann umsetzt. Deshalb brauchen wir jährlich ein Area Süd Entwicklungsforum zur Entwicklung gemeinsamer Projekte – unter breiter Einbindung aller Stakeholder.
Mandl: Das Potenzial ist jedenfalls enorm – die Koralmbahn ist für den Süden Österreichs eine Jahrhundertchance. Jetzt gilt es, eine gemeinsame regionalpolitische Agenda zu definieren und auch umzusetzen.
JUST: Wer gehört bei diesem Entwicklungsforum an den Tisch?
Herk: Die Landesregierungen, Wirtschaftskammern, Arbeiterkammern und Industriellenvereinigungen beider Länder, und die wesentlichen Stakeholder – von den Städten über zentrale Organisationen bis hin zu unseren Leitbetrieben.
Mandl: Kein Festakt mit Gruppenfoto, sondern ein Arbeitstermin mit Prioritäten und Verantwortlichkeiten, einer paritätischen Trägerschaft und einem begleitenden jährlichen Area-Süd-Monitor.
Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner spricht von einer „Zukunftsregion“ und fordert „kein Nebeneinander, sondern ein strategisches Miteinander“.
Wo das Miteinander beginnt
JUST: Wo beginnt dieses Miteinander praktisch?
Mandl: Bei einem Arbeitsmarkt, der nicht an der Landesgrenze endet. Bei Mobilität, die zum Leben der Menschen passt. Und bei einer Standortpolitik, die Investoren eine starke Region zeigt – nicht zwei kleine Punkte auf der Landkarte.
Herk: Dazu kommt die hervorragende wissenschaftliche und industrielle Forschungskompetenz beider Länder. Daraus müssen schneller Produkte, Unternehmen und Wertschöpfung entstehen – und das verstärkt im eigenen Land, denn bei der ökonomischen Verwertung besteht laut aktuellen Studien noch Luft nach oben.
„EU-Mittel müssen dort ankommen, wo sie Wertschöpfung schaffen und unsere Regionen stärken.“
Manuela Khom, Landeshauptmann-Stellvertreterin der Steiermark
Mehr als Graz–Klagenfurt
JUST: Also mehr als ein Projekt zwischen Graz und Klagenfurt?
Herk: Der natürliche Horizont der Area Süd ist der Alpen-Adria-Raum. Größe ist dabei kein Selbstzweck. Sie hilft aber erstaunlich zuverlässig dabei, nicht übersehen zu werden.

Mandl: Es geht darum, nicht gegeneinander um Chancen zu kämpfen, sondern gemeinsam neue Chancen zu schaffen. Vom Ausbau der Infrastruktur über den gemeinsamen Arbeits- und Bildungsraum bis hin zur Harmonisierung von Landesgesetzen.
„Wir müssen uns mehr Gehör verschaffen und in Wien stärker gemeinsam für unsere Interessen auftreten.“
Martin Gruber, Landeshauptmann-Stellvertreter von Kärnten
Woran man den Erfolg erkennt
JUST: Woran erkennen wir in einem Jahr, dass es nicht beim Erzählen geblieben ist?
Mandl: An vereinbarten Projekten, Verantwortlichkeiten und verbindlichen Terminen.
Herk: Und daran, dass wir nicht wieder über die Chancen der Area Süd sprechen – sondern über ihre Ergebnisse.
Die Schienen sind fertig. Die Area Süd ist es noch lange nicht. Genau darin liegt ihre Chance.
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Fotos: Wolf, WKK/Zagorz; Illustration: JUST / KI-generiert. Dieser Beitrag erschien in JUST Nº 46, Oktober 2026.





