Sirius Alexander Pansi|

Die Schie­nen liegen. Jetzt braucht der Süden einen Fahr­plan.

Die Koralmbahn verbindet Steiermark und Kärnten. Was es jetzt für einen gemeinsamen Wirtschaftsraum braucht, sagen die Wirtschaftskammerpräsidenten Josef Herk und Jürgen Mandl im JUST-Interview.

Area Süd – Die Kor­alm­bahn hat die Land­kar­te des Südens neu gezeich­net. Doch Schie­nen allein schaf­fen noch keinen Wirt­schafts­raum. Mit der gemein­sa­men Län­der­kon­fe­renz bekann­ten sich die Regie­run­gen der Stei­er­mark und Kärn­tens zur engeren Zusam­men­ar­beit. JUST spricht mit den Wirt­schafts­kam­mer­prä­si­den­ten Josef Herk (Stei­er­mark) und Jürgen Mandl (Kärnten) darüber, welche kon­kre­ten Schrit­te folgen müssen und warum Nähe allein noch keine Region macht.

Ein guter Name mit Bahn­an­schluss?

JUST: Ist die Area Süd Rea­li­tät – oder vorerst ein guter Name mit Bahn­an­schluss?

Herk: Die Kor­alm­bahn hat die Land­kar­te ver­än­dert. Aber eine Region ent­steht nicht mit dem ersten Zug. Jetzt müssen Arbeits­markt, Stand­ort­po­li­tik und Infra­struk­tur nach­zie­hen.

Mandl: Unter­neh­men nutzen die neue Nähe. Die Insti­tu­tio­nen sollten ihnen nicht hin­ter­her­fah­ren. Aus zwei starken Stand­or­ten muss ein inter­na­tio­nal sicht­ba­rer Wirt­schafts­raum werden.

Lan­des­haupt­mann Mario Kunasek gibt Namen und Dimen­si­on: „Mit der ‚Area Süd‘ ent­steht ein gemein­sa­mer Wirt­schafts- und Lebens­raum mit 1,8 Mil­lio­nen Men­schen und mehr als 50.000 Arbeit­ge­bern. Wir sehen die Lan­des­gren­zen dabei nicht als Trenn­li­nie, sondern als Auftrag, noch enger zusam­men­zu­ar­bei­ten. Die Chancen sind rie­sen­groß – und die Her­aus­for­de­run­gen können wir nur gemein­sam bewäl­ti­gen.“

24 Beschlüs­se und ein Ent­wick­lungs­fo­rum

Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark
Josef Herk, Prä­si­dent der Wirt­schafts­kam­mer Stei­er­mark. Foto: Wolf

JUST: 24 gemein­sa­me Beschlüs­se liegen auf dem Tisch. Reicht das?

Herk: Beschlüs­se sind ein Anfang, aber noch kein Geschäfts­mo­dell für eine Region. Ent­schei­dend ist, wer konkret was bis wann umsetzt. Deshalb brau­chen wir jähr­lich ein Area Süd Ent­wick­lungs­fo­rum zur Ent­wick­lung gemein­sa­mer Pro­jek­te – unter breiter Ein­bin­dung aller Stake­hol­der.

Mandl: Das Poten­zi­al ist jeden­falls enorm – die Kor­alm­bahn ist für den Süden Öster­reichs eine Jahr­hun­dert­chan­ce. Jetzt gilt es, eine gemein­sa­me regio­nal­po­li­ti­sche Agenda zu defi­nie­ren und auch umzu­set­zen.

JUST: Wer gehört bei diesem Ent­wick­lungs­fo­rum an den Tisch?

Herk: Die Lan­des­re­gie­run­gen, Wirt­schafts­kam­mern, Arbei­ter­kam­mern und Indus­tri­el­len­ver­ei­ni­gun­gen beider Länder, und die wesent­li­chen Stake­hol­der – von den Städten über zen­tra­le Orga­ni­sa­tio­nen bis hin zu unseren Leit­be­trie­ben.

Mandl: Kein Festakt mit Grup­pen­fo­to, sondern ein Arbeits­ter­min mit Prio­ri­tä­ten und Ver­ant­wort­lich­kei­ten, einer pari­tä­ti­schen Trä­ger­schaft und einem beglei­ten­den jähr­li­chen Area-Süd-Monitor.

Kärn­tens Lan­des­haupt­mann Daniel Fellner spricht von einer „Zukunfts­re­gi­on“ und fordert „kein Neben­ein­an­der, sondern ein stra­te­gi­sches Mit­ein­an­der“.

Wo das Mit­ein­an­der beginnt

JUST: Wo beginnt dieses Mit­ein­an­der prak­tisch?

Mandl: Bei einem Arbeits­markt, der nicht an der Lan­des­gren­ze endet. Bei Mobi­li­tät, die zum Leben der Men­schen passt. Und bei einer Stand­ort­po­li­tik, die Inves­to­ren eine starke Region zeigt – nicht zwei kleine Punkte auf der Land­kar­te.

Herk: Dazu kommt die her­vor­ra­gen­de wis­sen­schaft­li­che und indus­tri­el­le For­schungs­kom­pe­tenz beider Länder. Daraus müssen schnel­ler Pro­duk­te, Unter­neh­men und Wert­schöp­fung ent­ste­hen – und das ver­stärkt im eigenen Land, denn bei der öko­no­mi­schen Ver­wer­tung besteht laut aktu­el­len Studien noch Luft nach oben.

„EU-Mittel müssen dort ankom­men, wo sie Wert­schöp­fung schaf­fen und unsere Regio­nen stärken.“

Manuela Khom, Lan­des­haupt­mann-Stell­ver­tre­te­rin der Stei­er­mark

Mehr als Graz–Klagenfurt

JUST: Also mehr als ein Projekt zwi­schen Graz und Kla­gen­furt?

Herk: Der natür­li­che Hori­zont der Area Süd ist der Alpen-Adria-Raum. Größe ist dabei kein Selbst­zweck. Sie hilft aber erstaun­lich zuver­läs­sig dabei, nicht über­se­hen zu werden.

Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten
Jürgen Mandl, Prä­si­dent der Wirt­schafts­kam­mer Kärnten. Foto: WKK/Zagorz

Mandl: Es geht darum, nicht gegen­ein­an­der um Chancen zu kämpfen, sondern gemein­sam neue Chancen zu schaf­fen. Vom Ausbau der Infra­struk­tur über den gemein­sa­men Arbeits- und Bil­dungs­raum bis hin zur Har­mo­ni­sie­rung von Lan­des­ge­set­zen.

„Wir müssen uns mehr Gehör ver­schaf­fen und in Wien stärker gemein­sam für unsere Inter­es­sen auf­tre­ten.“

Martin Gruber, Lan­des­haupt­mann-Stell­ver­tre­ter von Kärnten

Woran man den Erfolg erkennt

JUST: Woran erken­nen wir in einem Jahr, dass es nicht beim Erzäh­len geblie­ben ist?

Mandl: An ver­ein­bar­ten Pro­jek­ten, Ver­ant­wort­lich­kei­ten und ver­bind­li­chen Ter­mi­nen.

Herk: Und daran, dass wir nicht wieder über die Chancen der Area Süd spre­chen – sondern über ihre Ergeb­nis­se.

Die Schie­nen sind fertig. Die Area Süd ist es noch lange nicht. Genau darin liegt ihre Chance.

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Fotos: Wolf, WKK/Zagorz; Illus­tra­ti­on: JUST / KI-gene­riert. Dieser Beitrag erschien in JUST Nº 46, Oktober 2026.

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