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„Wir müssen die Kräfte bündeln“ - Rezepte gegen die Krise

In krisenhaften Zeiten ist ein klares Stärkeprofil eines Standorts besonders entscheidend. Schwächen wird man im internationalen Wettbewerb hochverzinst bezahlen. Experten schlagen aufgrund rechtlicher Schikanen für Unternehmen aber Alarm.

Wie geht es dem Standort in den aktuell turbulenten Zeiten? Kann die Steiermark Krise?

HERBERT RITTER: Es ist eine neue Zeit mit neuen Herausforderungen, an die wir uns anpassen werden. Schwierige Zeiten haben immer Neues bewegt und einen Schritt nach vorne ermöglicht. Es geht immer darum, Technologie und Innovationen voranzutreiben. Wir haben eine starke Autoindustrie, Weltmarktführer in Teilsegmenten der Chipindustrie, haben hochtechnologische Unternehmen im Bereich der Logistik, die an der globalen Spitze sind. Da haben wir in den letzten 30 Jahren schon einiges bewegt und sind auch in der aktuellen Situation gut aufgestellt.

Aber man hört branchenübergreifend Stöhnen und Klagen ob der Dramatik am Energiemarkt.

RITTER: Tatsächlich ist das Energiethema das massivste, das wir derzeit haben – auch, weil wir es nicht beeinflussen können. Für energieintensive Produktionen ist die Situation sehr kritisch. Da werden sich sehr viele einen Plan B überlegen müssen, weil es sonst existenzgefährdend sein kann.

MICHAEL KROPIUNIG: Gerade bei mittelständischen Unternehmen wird das Energiethema ein gewaltiges Problem werden. Die meisten Unternehmen haben zwar bis Ende des Jahres gebundene Energiepreise, aber im nächsten Jahr werden die Kosten um das Drei- bis Vierfache steigen. Die Frage ist, wie viel man davon an den Kunden weitergeben kann und inwieweit Großunternehmen bereit sind, ihre Zulieferer zu stärken.

Was braucht ein Wirtschaftsstandort generell, damit er prosperieren kann, und bietet die Steiermark dieses Umfeld?

RITTER: Vor allem braucht es ein unternehmerisches Umfeld und Menschen, die bereit sind unternehmerisch zu handeln. Das ist die Grundingredienz. Zusätzlich müssen aber auch andere harte und weiche Standortfaktoren erfüllt sein. Dazu gehören topqualifizierte und motivierte Mitarbeiter, eine moderne und wirtschaftsaffine Verwaltung ebenso wie eine multimodale Verkehrsinfrastruktur, die sowohl den Individual- und öffentlichen Verkehr als auch den Informations- und Kommunikationstechnologiebereich beinhaltet.

HANNES SCHREINER: Die große Gefahr für den Standort Steiermark ist, dass wir technologisch nicht up to date bleiben. Es braucht eine Stärkung der Ausbildung. Der Fokus muss auf Forschung und Entwicklung liegen. Und es braucht zügige Behördenwege.

KROPIUNIG: Lange Bewilligungsverfahren sind ein bundesweites Thema. Parallel wird propagiert, man müsse in Umwelttechnologien investieren. Da muss man sich aber UVP-Verfahren anschauen – und wie lange sie dauern. Ein Unternehmen, das Hunderttausende Euro in ein UVP-Verfahren investiert, um nach acht Jahren zu erfahren, dass es nicht geht, wird es sich nicht noch einmal antun.

Wo gibt es den Flaschenhals? Was müsste sich ändern?

KROPIUNIG: Wenn man Unternehmer und Private dazu bringen möchte, auf Alternativenergien umzustellen, dann muss man es ihnen auch ermöglichen. Das heißt, man müsste die Gesetze einmal durchforsten und schauen, was sie überhaupt zulassen. Die juristische Realität hinkt da der politischen Inszenierung hintennach. Mittlerweile bieten Parteienrechte so viele Möglichkeiten, ein Projekt zu boykottieren, dass man Unternehmer zur Verzweiflung bringen kann. Bis sie irgendwann sagten, sie investieren nicht mehr.

SCHREINER: Das Problem ist, dass es nicht mehr abschätzbar ist.

KROPIUNIG: Da wird man sich seitens der Politik überlegen müssen, welche Interessen ihr wichtiger sind beziehungsweise wie man einen Ausgleich schaffen kann, damit Unternehmen grüne Technologien entwickeln und investieren können.

RITTER: Es kostet ja viel mehr als das verlorene Geld eines abgelehnten Projekts. Man muss einen Plan B mitfinanzieren. Zusätzlich erschwert werden Projekte durch den Umstand, dass sich Klimaschutz und Umweltschutz auch durchaus widersprechen können.

Was heißt das für den Standort?

RITTER: Ich habe die größte Sorge, dass wir es in den nächsten Jahren nicht schaffen werden, das gesetzliche Umfeld so zeitgemäß anzupassen, um in Österreich die Voraussetzungen zu schaffen, für große internationale Betriebe weiterhin ein interessantes Umfeld zu bieten.

SCHREINER: Ich hatte so einen Fall: Ein internationaler Konzern aus dem Bereich IT-Software wollte sich mit 250 Mitarbeitern in Graz ansiedeln. Es ist nur um den Faktor Zeit gegangen. Er kam dann leider nicht. Auch habe ich erlebt, dass es für ein Bauprojekt 68 Einsprüche gab, mit dem ausschließlichen Ziel, das Projekt zu verzögern. Wenn man heute als Immobilienentwickler ein Grundstück kauft und in zwei Jahren einen Spatenstich zusammenbringt, kann man schon ein Stadtfest veranstalten. Klar gibt es nachbarschaftliche Rechte, die Frage ist aber, wie wir in den Ballungszentren damit umgehen.

Als eine Alternative wird auf Technologie-, Gewerbe-, Gründer- und Büroparks in den Randzonen von urbanen Ballungsräumen gesetzt. Was hat ein Unternehmen davon, wenn es sich dort ansiedelt?

RITTER: Firmen wird die gesamte Infrastruktur zu einem adäquaten Preis zu Verfügung gestellt. Der Vorteil: Vielerorts gibt es auch eine örtliche Vernetzung mit Forschungseinrichtungen, vor allem aber mietet man – vom Büro bis zur Produktionshalle – nur das, was man wirklich braucht und bleibt flexibel. Das hilft gerade beim Auf- und Ausbau einer Firma, weil wenn man selbst investieren müsste, bleibt immer die Frage, in welcher Dimension: Baut man zu groß, entstehen Kosten, die einen umbringen. Wenn man zu klein dimensioniert, muss man binnen kürzester Zeit wieder nachbessern. Und die Verlagerung an die Stadtränder beziehungsweise ins Umland ist den knapper werdenden Flächen in den urbanen Räumen sowie raumordnungstechnischen Nutzungskonflikten geschuldet. Aber die Lage der Technologieparks hat natürlich auch mit dem Zugang zur höherrangigen Infrastruktur zu tun. Daher ist es immens wichtig, dass wir sowohl das Straßen- als auch das Schienennetz in der Steiermark ständig erneuern und verbessern.

SCHREINER: Aber es fehlt ein Masterplan der öffentlichen Stellen für die Verkehrsentwicklung bis 2050. Stattdessen wurden Bahnausbauten verschoben, Planungen wieder zurück an den Start geschoben. Wo setzt man da als Immobilienentwickler an, der das unternehmerische Risiko eingeht, Millionen investiert und Arbeitsplätze schafft. Wir entwickeln ja Lebensräume für Generationen?

Im Großraum Graz scheint es dennoch zu funktionieren. Aber bleibt nicht der Rest des Landes auf der Strecke? Wie kann man diesem Szenario entgegenwirken?

RITTER: Da gibt es in der Obersteiermark mit der Initiative „Kraft. Das Murtal“ ein hervorragendes Beispiel. Dort haben das Maschinenbauunternehmen Hage und andere Betriebe eine Kooperation mit der Fachhochschule Campus02 gestartet und eine FH-Außenstelle gegründet. Jetzt kann man in Obdach eine Ausbildung für Automatisierungstechnik machen. So gibt man jungen Menschen vor Ort eine berufliche Perspektive, sodass sie nicht abwandern müssen. Diese Wirtschafts- und Technologieparks sind wesentlicher Teil einer ganzheitlich ausgerichteten Regionalpolitik. Wir sehen, dass wir neben den urbanen Ballungsräumen Graz und Leoben-Bruck in den Regionen vor allem in den regionalen Zentren noch Potenzial für einen weiteren Ausbau haben.

KROPIUNIG: Es braucht aber auch in den Regionen und Bezirksstädten ein entsprechendes soziales Umfeld mit Schulen und einem Wohnungsangebot, um beispielsweise ausländische Experten halten zu können. Diese Arbeitskräfte wären für die Regionen und deren Belebung sehr wichtig. So aber wird der Großraum Graz immer größer.

Auf organisatorischer Ebene setzt die Steiermark seit Jahren auf Clusterstrukturen zur Netzwerkverdichtung. Ist das noch zeitgemäß?

RITTER: Diese Strategie ist nach wie vor wesentlich, da es ohne Netzwerke und kritische Massen nicht gelingen kann, in einem globalen Markt zu bestehen. Durch Cluster und Netzwerke ergeben sich erst Möglichkeiten, Skalenerträge zu nutzen oder sogenannte „Spillover“-Effekte zu generieren. Damit meine ich, dass dadurch auch kleinere Unternehmen die Möglichkeit haben, im Sog der Leitbetriebe mitgezogen zu werden – etwa in Bezug auf Fachkräfte oder unternehmensbezogene Infrastruktureinrichtungen. Höhere Fertigungstiefen, Just-in-time-Produktion sowie höherwertige und technisch ausgefeiltere Produkte sind die Folge. Nicht umsonst sind viele steirische Firmen Hidden Global Champions in unterschiedlichsten Branchen und Technologiebereichen. Ohne die Cluster- und Netzwerkkultur, die auch auf enge Kooperationen mit den Universitäten und FHs setzt, wäre dies nicht möglich.

Was ist Ihrer Meinung nach die vordringlichste Maßnahme, die es jetzt brauchen würde?

SCHREINER: Die rechtlichen Parameter müssen transparenter und Fristen in den Verfahren verkürzt werden, damit diese beschleunigt werden.

KROPIUNIG: Vordringlich wäre es zu eruieren, ob die Rechtslage überhaupt noch das darstellt, was man will. Es braucht beispielsweise eine neue Interessensabwägung. Wenn man Klimaschutz und Standortsicherung will, darf nicht jeder auf rechtlich fundierter Ebene ein Projekt auf ewig verhindern können – so vertreibt man die Investoren vom Standort.

RITTER: Ich sehe die aktuell angespannte Situation als Chance, sich neu zu positionieren. Das Potenzial liegt in der Gemeinsamkeit, im Bündeln der Kräfte und im Schaffen und Fördern kritischer Massen. Das gelebte Miteinander ist unsere Stärke. Darauf müssten wir uns stärker besinnen. Allein hat man deutlich weniger Chancen.

Foto: Michael Kropiunig, Herbert Ritter und Hannes Schreiner (v.l.)

Fotocredit: Foto Fischer

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