JUST-Redaktion|

Zitro­nen­säu­re hilft beim Akku-Recy­cling

Mit der Rückgewinnung wertvoller Metalle aus ausgemusterten Lithium-Ionen-Batterien befasst sich das Projekt „SeLiReco“ der Montanuniversität Leoben. Als Lösungsmittel verwendet das Team des Lehrstuhls für Nichteisenmetallurgie Zitronensäure.

Lithium-Ionen-Bat­te­rien, wie sie in Elek­tro­au­tos, Handys oder elek­tri­schen Werk­zeu­gen zum Einsatz kommen, ent­hal­ten wert­vol­le Metalle wie Kobalt, Nickel oder eben das namens­ge­ben­de Lithium. Haben die Akkus das Ende ihres Lebens­zy­klus erreicht, will man diese Metalle wie­der­ver­wer­ten. Um sie rück­zu­ge­win­nen, gibt es grund­sätz­lich zwei Mög­lich­kei­ten: die Pyro­me­tall­ur­gie, bei der mit Hitze gear­bei­tet wird, oder hydro­me­tall­ur­gi­sche Ver­fah­ren, bei denen Lösungs­mit­tel ange­wandt werden.

Mit der zweiten Vari­an­te hat sich das Team des Lehr­stuhls für Nicht­ei­sen­me­tall­ur­gie an der Mon­tan­uni Leoben unter der Leitung von Eva Gerold beschäf­tigt. „Ursprüng­lich wurde für die Lösung der Wert­me­tal­le Schwe­fel­säu­re ver­wen­det. Die muss aber immer wieder gerei­nigt und auf­kon­zen­triert werden. Das kostet Energie und belas­tet die Umwelt. Außer­dem ist Schwe­fel­säu­re nicht so einfach im Hand­ling“, schil­dert Gerold.

Ihr Team habe deshalb den Weg über orga­ni­sche Säuren gewählt. Diese würden zum Bei­spiel von Bak­te­ri­en und Pilzen erzeugt, kämen aber auch in Pflan­zen vor. Gelan­det ist das SeLi­Re­co-Team bei Zitro­nen­säu­re. „Damit lösen wir die soge­nann­te Schwarz­mas­se, die aus den Metal­len und Grafit besteht, von den Anoden, Katho­den und Folien aus Kupfer und Alu­mi­ni­um in der Bat­te­rie. Die Akkus werden dafür erst geschred­dert, Gehäuse und Lei­ter­plat­ten werden abge­trennt. Dann kommt der Rest in einen Lau­gen­re­ak­tor, in dem sich relativ gering kon­zen­trier­te Zitro­nen­säu­re befin­det. Die Wert­me­tal­le gehen darin in Lösung, das Grafit bleibt übrig und kann getrennt auf­be­rei­tet werden.“

Gemein­sam mit Part­nern aus der Wirt­schaft haben Gerold und ihr neun­köp­fi­ges Team fünf Jahre an dem Projekt gear­bei­tet. Mit Erfolg: die Lithium-Kobalt-Nickel-Abtren­nung läuft bereits im grö­ße­ren Maßstab. Welt­weit, so Gerold, seien gerade die ersten hydro­me­tall­ur­gi­schen Recy­cling­wer­ke im Aufbau. Bisher sei das Inter­es­se an dieser Art der Stoff­tren­nung nicht so hoch gewesen, weil zu wenig Aus­gangs­men­ge ange­fal­len sei, erklärt die Wis­sen­schaft­le­rin. „Die neue Bat­te­rie­di­rek­ti­ve der EU, die seit Juni eine bestimm­te Recy­cling­quo­te vor­schreibt, hat das geän­dert.“

Bisher hätten nämlich 50 Prozent der Gesamt­mas­se eines Akkus wie­der­ge­won­nen werden müssen. „Jetzt gilt eine Quote, die sich auf die ein­zel­nen Ele­men­te bezieht.“ Das mache den Betrieb hydro­me­tall­ur­gi­scher Anlagen ren­ta­bel.

Der in Leoben ent­wi­ckel­te Prozess ist nicht nur effek­tiv, sondern auch schnell. Sechs bis acht Stunden dauert es, bis die Metalle aus der Schwarz­mas­se gelöst sind. „Wenn die Anla­gen­pa­ra­me­ter richtig ein­ge­stellt sind“, schränkt Gerold ein. Das sei immer wieder not­wen­dig, weil sich auf­grund der Wei­ter­ent­wick­lung der Akkus auch die Zusam­men­set­zung der Schwarz­mas­se laufend ver­än­de­re. „In Bat­te­rien aus dem Jahr 2015 war das Ver­hält­nis von Kobalt zu Nickel zu Mangan noch eins zu eins zu eins. Heute sind es neun Teile Nickel und je ein halber der anderen beiden Metalle.“

Gerade die Rück­ge­win­nung des Kobalts habe auch einen huma­nis­ti­schen Aspekt, ver­si­chert Gerold: „Das Metall wird vor­wie­gend in der Demo­kra­ti­schen Repu­blik Kongo abge­baut. Dies geschieht häufig im Klein­berg­bau, in dem unter schwie­ri­gen Arbeits­be­din­gun­gen abge­baut und der auch immer wieder mit Kin­der­ar­beit in Ver­bin­dung gebracht wird.“

Ein ganz anderes Kapitel sind für die Leo­be­ner For­scher die Lithium-Eisen-Bat­te­rien. Diese werden wegen ihrer hohen Betriebs­si­cher­heit gerne in sta­tio­nä­ren Anlagen wie in Spei­cher­sys­te­men für die Pho­to­vol­ta­ik ein­ge­setzt. „Die Tren­nung der Metalle bei diesem Akkutyp muss anders funk­tio­nie­ren“, sagt Gerold. Es sei ein neuer, eigener For­schungs­be­reich, an der Mon­tan­uni habe man aber bereits ent­spre­chen­de Kon­zep­te. Für die nach­hal­ti­ge Rück­ge­win­nung mittels SeLi­Re­co-Prozess hat das Team der Mon­tan­uni übri­gens den Energy Globe Styria Award erhal­ten.

www.unileoben.ac.at

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