JUST-Redaktion|

Mikro­plas­tik im Körper erfor­schen

Während man weltweit versucht, Kunststoffe zu vermeiden, wird an der Montanuni Leoben Mikroplastik gezielt erzeugt: für wissenschaftliche Zwecke. Es gilt herauszufinden, was diese kaum sichtbaren Teilchen im menschlichen Körper anstellen. Dass die Organe solche Partikel speichern und der Mensch damit zunehmend zum „Homo Plasticus“ wird, ist bereits erwiesen.

„Pro Woche isst jeder von uns eine Kre­dit­kar­te.“ Was manche Exper­ten derart rei­ße­risch for­mu­lie­ren, will Thomas Meisel, Ana­ly­ti­scher Geo- und Umwelt­che­mi­ker an der Mon­tan­uni­ver­si­tät Leoben, nicht unwi­der­spro­chen lassen: Er bezeich­net die Zahl als „Hor­ror­mel­dung“, die nach­weis­lich unrich­tig sei, in zahl­rei­chen Quellen dennoch ver­brei­tet und immer wieder auch von seriö­sen Medien auf­ge­grif­fen wird. Wis­sen­schaft­li­che Angaben dazu, wie viel Mikro­plas­tik der Mensch tat­säch­lich auf­nimmt, seien großen Schwan­kun­gen unter­wor­fen.

Welche Schäden die mit freiem Auge meist unsicht­ba­ren Teil­chen im Körper anrich­ten können, ist wis­sen­schaft­lich eben­falls noch nicht exakt belegt. Zwar unter­su­chen For­schungs­teams welt­weit, wie der Orga­nis­mus mit dem Kunst­stoff umgeht, welche Gewebe betrof­fen sind und welche Mecha­nis­men eine Rolle spielen. Für defi­ni­ti­ve Aus­sa­gen – etwa zu ver­mu­te­ten Magen-Darm-Schä­di­gun­gen oder einer erhöh­ten Krebs­wahr­schein­lich­keit – fehlt es jedoch noch an veri­fi­zier­ten Studien. Obwohl der Orga­nis­mus einen Groß­teil der Par­ti­kel wieder aus­schei­det, wird jeden­falls eine Viel­zahl an Erkran­kun­gen und Auf­fäl­lig­kei­ten mit Mikro­plas­tik in Ver­bin­dung gebracht.

An der Mon­tan­uni­ver­si­tät Leoben ist man nun bemüht, die For­schungs­be­stre­bun­gen, die mehr Klar­heit bringen sollen, zu unter­stüt­zen. Meisel erklärt: „Wir stellen Plas­tik­par­ti­kel im Nan­o­maß­stab für toxi­ko­lo­gi­sche Ver­su­che her. Sie sind nur etwa ein Hunderttausendstel­millimeter groß.“ For­schungs­teams benö­ti­gen solche Par­ti­kel, wenn sie Test­rei­hen zu den Aus­wir­kun­gen von Mikro­plas­tik auf den Orga­nis­mus durch­füh­ren wollen.

Wobei die meisten Studien auf Zell­kul­tu­ren oder Tier­mo­del­le ange­wie­sen sind: Men­schen zu wis­sen­schaft­li­chen Zwecken einer geziel­ten Belas­tung mit Mikro­plas­tik aus­zu­set­zen, ist aus ethi­schen Gründen nicht ver­tret­bar. Derzeit auf dem Markt erhält­li­che Kunst­stoff­teil­chen eignen sich für solche Studien aber nur bedingt, sagt Meisel. „Es gibt Ver­su­che, bei denen sich später her­aus­ge­stellt hat, dass die beob­ach­te­ten Phä­no­me­ne nicht eine Folge der Mikro­pastik-teil­chen an sich waren, sondern Folgen einer schim­me­lab­tö­ten­den Che­mi­ka­lie, mit der die Teil­chen behan­delt worden waren.“

Die Exper­ti­se der Mon­tan­uni­ver­si­tät Leoben in Sachen Mate­ri­al­wis­sen­schaf­ten soll nun die Grund­la­ge dafür bieten, der For­schung besser geeig­ne­te Test­ma­te­ria­li­en zur Ver­fü­gung zu stellen. „Diese Teil­chen müssen exakt cha­rak­te­ri­siert sein“, nennt Meisel die Bedin­gun­gen. „Das bedeu­tet, man muss unter anderem die genaue che­mi­sche Zusam­men­set­zung und die Eigen­schaf­ten der Par­ti­kel kennen.“

Nichts darf dabei dem Zufall über­las­sen bleiben, um den Ansprü­chen der Wis­sen­schaft zu genügen: „Die Par­ti­kel müssen in genau der­sel­ben Cha­rak­te­ri­sie­rung repro­du­zier­bar sein, und das in hoher Qua­li­tät und in großem Maßstab. Eine unserer Auf­ga­ben ist es daher auch, dafür ent­spre­chen­de Ver­fah­ren zu ent­wi­ckeln.“

Wenn das gelingt, könnten die Exper­tin­nen und Exper­ten der Mon­tan­uni­ver­si­tät spe­zi­fi­sche Par­ti­kel für detail­lier­te wis­sen­schaft­li­che Fra­ge­stel­lun­gen anfer­ti­gen. Dies würde zu wesent­lich exak­te­ren For­schungs­er­geb­nis­sen und zur Klärung der Frage bei­tra­gen, wie gesund­heits­schäd­lich Mikro­plas­tik für uns Men­schen und unsere Umwelt wirk­lich ist.

www.unileoben.ac.at

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