Es gibt kaum eine Branche, die sich derzeit nicht Gedanken darüber macht, wie sie sich in eine Kreislaufwirtschaft einbinden kann. Künstliche Intelligenz und Digitalisierung sollen diesen Prozess nun vorantreiben. „Der Digitale Produktpass ist ein gutes Beispiel, wie digitale und grüne Transformation ineinandergreifen, um die Wirtschaft nachhaltig zu gestalten“, sagt Stefan Schafranek, Geschäftsführer des Digital Innovation Hub Süd (DIH SÜD).
„Er enthält Angaben über die Herkunft eines jeweiligen Produkts sowie über die einzelnen Herstellungsschritte, seine Nutzung oder bisherige Lebenszyklen.“ Damit werde es leichter, Produkte am Ende ihrer Nutzungszeit wieder in den Materialkreislauf zurückzuführen.
Von der Theorie zur Textilfaser – und zur Leiterplatte
Im FFG-geförderten Projekt PASSAT, an dem die Forschungsgesellschaft Joanneum Research, einer der Partner des DIH SÜD, beteiligt ist, wird anhand von Pilotanwendungen in den Bereichen Textil und Elektronik gezeigt, wie das Konzept funktionieren kann.
Diese Branchen zählen – ebenso wie Batterien, die Stahlindustrie, die Bauwirtschaft sowie die Sparte Möbel – zu jenen, in denen der Produktpass ab 2027 in seinen ersten Phasen ausgerollt wird. Auch regulatorische Empfehlungen werden im Rahmen des Projekts erstellt. Schulungen und Workshops unterstützen überdies Unternehmen darin, digitale Produktdaten einerseits zu erfassen, andererseits auch zu nutzen.
„Eine umfassende Bewertung dieser Daten in Hinblick auf die Umweltwirkungen eines Produkts, also eine Lebenszyklusanalyse (LCA), liefert den Unternehmen eine faktenbasierte Grundlage für strategische Entscheidungen“, erklärt Projektleiterin Sara Carniello. „Denn anhand dieser Analyse lassen sich CO2-Bilanzen, Energie- und Materialeinsätze berechnen und gezielte Maßnahmen für geschlossene Stoffkreisläufe ableiten. Auch Fortschritte auf dem Weg zum Erreichen der Klimaziele werden messbar – ein Aspekt, der für die Industrie zunehmend entscheidend wird.“
KI sortiert die Zukunft
Damit Wertstoffe den Weg zurück in den Herstellungsprozess finden, ist es auch wichtig, zu wissen, woraus genau sie bestehen. Joanneum Research geht im Projekt „Energie- und Materialeinsparung durch optimale Wiederverwertung von Ressourcen“ der Frage nach, wie künstliche Intelligenz (KI) dazu beitragen kann, Materialien und deren Zusammensetzungen präzise zu analysieren. Die dafür nötigen Daten werden mithilfe von Hyperspektralsensoren gewonnen. Der KI-Einsatz erlaubt es unter anderem, allfällige Störstoffe zu identifizieren, deren Vorhandensein die Eigenschaften eines Recyclingprodukts beeinflussen können. Das ist die Voraussetzung für eine optimale Aufbereitung von Werkstoffen für eine Neunutzung. „Die Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz dazu führt, dass nicht nur die Materialqualität gesteigert, sondern auch der Energieverbrauch reduziert werden kann“, sagt Projektleiter Harald Ganster. „Außerdem können die vorhandenen Ressourcen noch effizienter genutzt werden.“
Vom Labor in die Werkshalle
„Technologische Innovation entfaltet ihren Nutzen erst, wenn sie in die betriebliche Praxis integriert wird“, ergänzt Schafranek. „Wir helfen Klein- und Mittelunternehmen durch kostenlos zugängliche Netzwerkveranstaltungen, Workshops und andere Events, zirkuläre Ansätze zu verankern.“



