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Grüne Mobi­li­tät legt einen Gang zu

Wasserstofftechnologien aus den Forschungslabors in die Praxis holen – das ist das Ziel von internationalen Forschungsprojekten unter Leitung der HyCentA Research GmbH aus Graz.

Was­ser­stoff und seine Tech­no­lo­gien in die prak­ti­sche Anwen­dung zu bringen, ist das Ziel inter­na­tio­na­ler For­schungs­pro­jek­te unter der Leitung der HyCentA Rese­arch GmbH aus Graz. Ein Schwer­punkt liegt dabei auf emis­si­ons­frei­er Mobi­li­tät. Damit Was­ser­stoff­lö­sun­gen den Weg in die Praxis finden, müssen sie neben tech­no­lo­gi­scher Reife auch wirt­schaft­lich umsetz­bar sein.

Damit saubere Mobi­li­tät so richtig in die Gänge kommt, braucht es nicht nur gute Ideen, sondern auch eine Pro­duk­ti­on, die mit dem Markt Schritt halten kann. Genau daran arbei­tet HyCentA in zwei inter­na­tio­na­len Pro­jek­ten, die beide von der Grazer For­schungs­ein­rich­tung koor­di­niert werden.

Ziel des Pro­jekts „Cen­tre­pie­ce“ ist es, die Her­stel­lung von Brenn­stoff­zel­len schnel­ler, zuver­läs­si­ger und kos­ten­güns­ti­ger zu machen – und damit eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für ihren brei­te­ren Einsatz in der Mobi­li­tät zu schaf­fen. Im Mit­tel­punkt steht ein Bauteil, der für jede Brenn­stoff­zel­le ent­schei­dend ist: die Membran-Elek­tro­den-Einheit, kurz MEA. Sie bildet das elek­tro­che­mi­sche Herz­stück der Brenn­stoff­zel­le, in der Was­ser­stoff und Sau­er­stoff in elek­tri­sche Energie umge­wan­delt werden. Ihre Her­stel­lung ist aller­dings auf­wen­dig und erfor­dert unter anderem hoch­wer­ti­ge Mate­ria­li­en. Das Projekt, bei dem Partner aus vier euro­päi­schen Ländern mit an Bord sind, will den Mate­ri­al­ver­brauch und die Pro­duk­ti­ons­kos­ten deut­lich redu­zie­ren. Inno­va­ti­ve Druck- und Beschich­tungs­ver­fah­ren sollen dafür sorgen, dass Mate­ria­li­en geziel­ter ein­ge­setzt und Ver­lus­te ver­mie­den werden. Gleich­zei­tig soll eine ver­bes­ser­te Qua­li­täts­kon­trol­le direkt während der Fer­ti­gung sicher­stel­len, dass Fehler früh erkannt werden. Dadurch sollen Aus­schuss und Mate­ri­al­ver­brauch sinken und der Anteil ein­wand­frei pro­du­zier­ter Membran-Elek­tro­den-Ein­hei­ten steigen.

„Unsere For­schungs­pro­jek­te tragen dazu bei, dass emis­si­ons­freie Mobi­li­tät nicht nur tech­nisch machbar, sondern auch wirt­schaft­lich attrak­tiv ist.“

Michael Richter

Die neuen Tech­no­lo­gien sollen frei­lich nicht nur im Labor funk­tio­nie­ren. Auf einer Pilot­an­la­ge werden sie daher unter indus­trie­na­hen Bedin­gun­gen getes­tet. Damit soll gezeigt werden, dass sie sich auch für eine schnel­le Pro­duk­ti­on grö­ße­rer Stück­zah­len eignen. Eine effi­zi­en­te, kos­ten­güns­ti­ge MEA-Her­stel­lung ver­bes­sert die Vor­aus­set­zun­gen dafür, dass Brenn­stoff­zel­len wirt­schaft­lich kon­kur­renz­fä­hig sind und ihre indus­tri­el­le Anwen­dung weiter vor­an­ge­trie­ben wird.

Forscher von HyCentA arbeitet an einem Brennstoffzellensystem im Labor
HyCentA forscht an inno­va­ti­ven Brenn­stoff­zel­len­sys­te­men. Foto: HyCentA

Das zweite Vor­ha­ben befasst sich mit der Bereit­stel­lung des Was­ser­stoffs für die Nutzung an der Tank­stel­le, im Ver­tei­ler­netz oder in der Indus­trie. Um die dafür not­wen­di­ge Ener­gie­dich­te zu errei­chen, muss er stark kom­pri­miert werden. Die klas­si­sche mecha­ni­sche Methode ist tech­nisch auf­wen­dig und ener­gie­in­ten­siv. Im Projekt HyCO² wird an der inno­va­ti­ven Metall­hy­drid-Ver­dich­tung geforscht, wobei die not­wen­di­ge Energie über Wärme zuge­führt wird. Weil das System ohne beweg­li­che Teile aus­kommt, ist es ölfrei, war­tungs­arm und beson­ders leise. Inner­halb von drei Jahren soll ein modu­la­rer Ver­dich­ter ent­wi­ckelt werden, der 30 Kilo­gramm Was­ser­stoff inner­halb weniger Minuten auf bis zu 900 bar kom­pri­mie­ren kann. Das ist ein wich­ti­ger Schritt für eine effi­zi­en­te, geräusch­ar­me und schnel­le Betan­kungs­in­fra­struk­tur.

Durch ein opti­mier­tes Wär­me­ma­nage­ment wird gezielt indus­tri­el­le Abwärme für die Ver­dich­tung ein­ge­setzt. Darüber hinaus kann die not­wen­di­ge Wär­me­zu­fuhr über eine neu­ar­ti­ge „Was­ser­stoff-Heat-Box“ erfol­gen, wodurch die Zuver­läs­sig­keit des Systems erheb­lich ver­bes­sert wird. Gleich­zei­tig ent­wi­ckeln die For­schen­den lang­le­bi­ge und recy­cling­fä­hi­ge Metall­hy­drid-Legie­run­gen, um den Einsatz kri­ti­scher Roh­stof­fe zu redu­zie­ren.

EURO­PÄI­SCHE FOR­SCHUNGS­ZU­SAM­MEN­AR­BEIT

An HyCO² sind Partner aus sechs euro­päi­schen Ländern betei­ligt. Sie bringen Fach­wis­sen aus For­schung, Mate­ri­al­ent­wick­lung, Technik und Indus­trie zusam­men. Wenn die Tech­no­lo­gie den Pra­xis­test besteht, könnte sie einen aktu­el­len Engpass der Was­ser­stoff­wirt­schaft besei­ti­gen. „Eine ska­lier­ba­re, nach­hal­ti­ge Lösung stärkt genau jene Basis­struk­tur, auf die Europas Ener­gie­wen­de ange­wie­sen ist“, sagt Michael Richter, Leiter des Pro­jekts. „Beide Pro­jek­te tragen dazu bei, Europas Posi­ti­on bei Was­ser­stoff­tech­no­lo­gien zu stärken, Know-how und Wert­schöp­fung in Europa zu halten und es zu ermög­li­chen, dass emis­si­ons­freie Mobi­li­tät künftig nicht nur tech­nisch machbar, sondern auch wirt­schaft­lich attrak­tiv ist“, so Richter.

„Cen­tre­pie­ce“ wird von der Clean Hydro­gen Part­ner­ship im Rahmen der Grant Agree­ment No. 101251185 unter­stützt und von der Euro­päi­schen Union kofi­nan­ziert (Co-funded by the Euro­pean Union).
HyCO² wird von der Clean Hydro­gen Part­ner­ship im Rahmen der Grant Agree­ment No. 101251337 unter­stützt und von der Euro­päi­schen Union kofi­nan­ziert (Co-funded by the Euro­pean Union).

Forscher im weißen Laborkittel testet Kompressortechnologien für Wasserstoff im HyCentA-Labor
Im Labor werden Kom­pres­sor­tech­no­lo­gien getes­tet. Foto: HyCentA

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Fotos: HyCentA. Dieser Beitrag erschien in JUST Nº 46, Oktober 2026.

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