Synthetisches Kerosin: Bei der Entwicklung nachhaltiger Treibstoffe für die Luftfahrt nimmt die Montanuniversität Leoben zunehmend Fahrt auf. Unterstützt wird sie dabei von der OMV, die sich an der Finanzierung einer kürzlich in Betrieb genommenen Forschungsanlage beteiligt hat.
Wer heuer in den Urlaub gejettet ist, hatte möglicherweise den Anflug eines schlechten Gefühls. Fliegen gilt als wenig umweltfreundlich, einer der Gründe ist die Verwendung des fossilen Kraftstoffs Kerosin.

Synthetisch hergestelltes Kerosin gilt als klimatauglicher Hoffnungsträger, ist derzeit aber nur bedingt marktreif. Hier setzt ein Pilotprojekt der Montanuni an: Kohlendioxid soll mit Wasserstoff in Methanol und weiter in „grünes“ Kerosin umgewandelt werden. Die Forschungsteams rund um Assistenzprofessor Christoph Markowitsch legen dabei in mehrfacher Hinsicht eine Punktlandung hin: Zum einen wird das „Umweltgift“ CO2 sinnvoll genutzt, zum anderen wird erdöl-basiertes Kerosin im Flugverkehr zum Teil durch einen Kraftstoff aus biogenen Ressourcen ersetzt. „Und man kann damit die derzeitigen Tanks befüllen, braucht also keine eigene Infrastruktur zu entwickeln“, hebt Markowitsch hervor.
„Synthetischer Treibstoff ist ein zentraler Beitrag zur Dekarbonisierung der Luftfahrt.“
Christoph Markowitsch
Im Labormaßstab funktioniert das bereits. Effizientere und kostengünstigere Prozessrouten sollen nun eine Skalierung in die Praxis ermöglichen. „Wir wollen Verfahrensschritte entwickeln, die unter anderem die CO2-Verluste sowie unerwünschte Nebenprodukte bei der Kerosinerzeugung reduzieren“, erklärt der Projektleiter.
SYNTHETISCHES KEROSIN IM TEST
In der kürzlich in Betrieb genommenen Forschungsanlage können Markowitsch und sein Team gemeinsam mit dem Projektpartner OMV die Versuche dank künstlicher Intelligenz und Machine-Learning-Modelle sowie mit modernsten Methoden der Prozesssimulation hocheffizient durchführen. Unterschiedliche Optionen können realitätsnah abgebildet und verglichen werden. „Synthetischer Treibstoff ist ein zentraler Beitrag zur Dekarbonisierung der Luftfahrt“, sagt Markowitsch. Der Flug in den Urlaub könnte damit in Zukunft mit weniger schlechten Gefühlen möglich sein.
short & sweet
Laut EU-Vorgabe sollen bis zum Jahr 2050 mindestens 70 Prozent aller im Luftverkehr eingesetzten Kraftstoffe synthetisch hergestellt, also „Sustainable Aviation Fuels“, sein. Damit ließen sich 80 Prozent weniger CO2-Emissionen erreichen. Derzeit beträgt der Anteil nichtfossiler Kraftstoffe nur 2 Prozent – hergestellt vorwiegend aus Altspeisefetten.
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Fotos: Harald Tauderer Photography. Dieser Beitrag erschien in JUST Nº 46, Oktober 2026.



