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Grüne Kohle für die Indus­trie

Kohlenstoff aus organischen Rest- und Rohstoffen gewinnt das COMET-Kompetenzzentrum BEST in Wieselburg. Bereits seit einigen Jahren werden Technologien nachhaltiger Kohlenstoffprodukte untersucht.

Der Aufbau einer neuen Infra­struk­tur zur Unter­su­chung ein­fa­cher ther­mo­che­mi­scher Bio­raf­fi­ne­rie-Kon­zep­te wurde erst Mitte dieses Jahres abge­schlos­sen. Das Grazer COMET-Kom­pe­tenz­zen­trum Bio­en­er­gy and Sus­tainable Tech­no­lo­gies BEST hatte die Leitung beim Aufbau der des Green Carbon Lab über. Rea­li­siert wurde eine Anlage im Labor­maß­stab und eine Pilot­an­la­ge, die 30 Kilo­gramm Koh­len­stoff in der Stunde erzeu­gen kann.

„Unser Koh­len­stoff aus erneu­er­ba­ren Quellen kann fossile Kohle erset­zen“, ist Eli­sa­beth Wopi­en­ka, Area-Mana­ge­rin bei BEST, über­zeugt. Kohle wird derzeit für die Stahl­in­dus­trie und in metall­ur­gi­schen Pro­zes­sen ebenso benö­tigt wie als Füll­stoff für Bau­ma­te­ria­li­en oder Fut­ter­koh­le in der Tier­zucht. Außer­dem können mit Koh­len­stoff Poly­me­re mit spe­zi­fi­schen elek­tri­schen Eigen­schaf­ten gemacht werden. „Für die Indus­trie ist jedes Kilo­gramm fos­si­ler Koh­len­stoff, das ein­ge­spart werden kann, wichtig, weil es die Umwelt­bi­lanz belas­tet.“

Die grüne Kohle – sie ent­steht so ähnlich wie in einem Holz­koh­len­mei­ler mittels Pyro­ly­se, also bei hohen Tem­pe­ra­tu­ren unter Sau­er­stoff­ab­schluss – gibt es schon länger. „Unser Ziel ist es, dass der Gesamt­pro­zess ren­ta­bel ist“, erklärt Wopi­en­ka. „In den letzten Jahren werden zuneh­mend kleine und mitt­le­re Anlage gebaut, die auch für klei­ne­re Indus­trie­be­trie­be inter­es­sant sind.“

Ideal sei es nämlich, wenn die orga­ni­schen Rest­stof­fe bereits vor Ort anfal­len, der Koh­len­stoff dort gebraucht wird und ohnehin Wär­me­be­darf gegeben ist. „Ohne die ener­ge­ti­sche Ein­bin­dung in die Gesamt­pro­duk­ti­on lässt sich die grüne Kohle kaum wirt­schaft­lich dar­stel­len.“

Die klei­ne­re Anlage in Wie­sel­burg hat das Team von BEST selbst ent­wor­fen und dann anfer­ti­gen lassen. „Die Pilot­an­la­ge wollten wir kaufen, aber die Beschaf­fung war her­aus­for­dernd“, erin­nert sich Wopi­en­ka. „Unser Zeit­rah­men war knapp und wir brauch­ten ver­läss­li­che Lie­fer­zei­ten. Darauf wollten sich die Her­stel­ler ungern ein­las­sen.“

In den beiden Koh­len­stofff­an­la­gen werden gemein­sam mit den Her­stel­lern Tech­no­lo­gien wei­ter­ent­wi­ckelt. Dazu sind per­ma­nen­te Mes­sun­gen und Neu­ein­stel­lun­gen not­wen­dig. Wopi­en­ka: „Ziel ist es, beim Roh­stoff­ein­satz fle­xi­bler zu werden, bessere Rege­lungs­kon­zep­te zu ent­wer­fen und Wärme ins Netz ein­zu­spei­sen. Am Tech­no­pol-Stand­ort Wie­sel­burg geschieht Letz­te­res gemein­sam mit dem Projekt Micro­grid, das eben­falls vom Kom­pe­tenz­zen­trum BEST betrie­ben wird. Außer­dem sollen ver­schie­de­ne Roh­stof­fe auf ihre Eignung hin getes­tet werden. Und schließ­lich strebt man eine Ska­lie­rung hin zu echten Groß­an­la­gen zur Koh­len­stoff­er­zeu­gung an.

„Neben den For­schungs­vor­ha­ben ist es auch wichtig, dass eine Demons­tra­ti­ons­an­la­ge exis­tiert“, ver­si­chert Wopi­en­ka. „Ich denke da unter anderem an die Behör­den und den Gesetz­ge­ber, denn die brau­chen Erfah­run­gen und Daten als Basis für die Normen, die gelten sollen. Wir als BEST können objek­ti­ve Daten zur Ver­fü­gung stellen.“

Ver­ar­bei­tet werden kann in den beiden Wie­sel­bur­ger Anlagen vieles – vom Reb­schnitt über Reste aus Kom­pos­tier­wer­ken bis hin zu Nuss­scha­len. „Überall dort, wo zum Bei­spiel die Gefahr einer über­trag­ba­ren Pflan­zen­krank­heit besteht, wäre die Ver­koh­lung eine Mög­lich­keit.“ Eigens ange­bau­te Roh­stof­fe sollen mög­lichst nicht her­an­ge­zo­gen werden. „Wir wollen wirk­lich nur die Reste ver­wer­ten und nicht Roh­stof­fe, die zum Bei­spiel noch als Nah­rungs- oder Fut­ter­mit­tel ver­wen­det werden können.“

www.best-research.eu

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