JUST-Redaktion|

Elek­tro­ni­sche Bau­tei­le aus Kunst­stoff

Polymere werden in vielen Bereichen benötigt: Mobilität und Health sind nur zwei Beispiele. „Sie spielen fast überall eine tragende Rolle.“, so Peter Fuchs vom PCCL.
Peter Fuchs vom PCC. Polymer. Credit: PCCL.

Elek­tro­ni­sche Bau­tei­le sind aus vielen ver­schie­de­nen Mate­ria­li­en zusam­men­ge­setzt. Damit die Bau­tei­le zuver­läs­sig funk­tio­nie­ren, müssen diese Mate­ria­li­en mög­lichst perfekt auf­ein­an­der abge­stimmt sein. Wie man das weiter opti­mie­ren kann, wird am Polymer Com­pe­tence Center Leoben PCCL erforscht.

Vom Volumen her bilden Poly­me­re den größten Anteil in elek­tro­ni­schen Bau­tei­len. Sie dienen als Iso­la­to­ren als Basis von Lei­ter­plat­ten, finden aber auch für viele andere Zwecke Anwen­dung. Das mecha­ni­sche und und Wär­me­ver­hal­ten von Poly­me­ren weicht aber von dem der in den Bau­tei­len ver­wen­de­ten Metal­len ab.

Polymer hilft bei Her­stel­lung lang­le­bi­ger, sta­bi­ler und zuver­läs­si­ger Bau­tei­le

„Mit diesem Pro­blem­be­reich befas­sen wir uns am PCCL“, sagt Peter Fuchs, Divi­si­on Manager Simu­la­ti­on and Mode­ling und Head of Rese­arch Group Simu­la­ti­on Stra­te­gies for Polymer and Polymer Com­po­si­te Designs am K1-Kom­pe­tenz­zen­trum. „Es gibt Stra­te­gien, um die Poly­me­re ent­spre­chend zu opti­mie­ren. Das funk­tio­niert zum Bei­spiel über Füll­stof­fe oder eine Ver­stär­kung mit Glas­fa­sern.“ Die Anfor­de­run­gen werden heute über Simu­la­tio­nen ermit­telt. Fuchs: „Das spart den kosten- und zeit­auf­wen­di­gen Bau von Pro­to­ty­pen. Wir fangen mit einem Chip an und arbei­ten uns bis zum fer­ti­gen Bauteil vor.“

Das Ziel, so der Wis­sen­schaft­ler, ist die Her­stel­lung lang­le­bi­ger, sta­bi­ler und zuver­läs­si­ger Bau­tei­le. Auch Repa­ra­tu­ren sollen durch die Wahl der Mate­ria­li­en ein­fa­cher werden. „Der Trend zur Modu­la­ri­sie­rung der Bau­tei­le kommt uns da ent­ge­gen.“ Zusätz­lich ange­trie­ben wird die Ent­wick­lung von der EU-Initia­ti­ve „Recht auf Repa­ra­tur“. „Es geht in Rich­tung einer ver­nünf­ti­gen Hand­ha­bung von Res­sour­cen“, ist Fuchs über­zeugt.

Flut von Daten

Im Zuge der Simu­la­tio­nen fällt, so der PCCL-Wis­sen­schaft­ler, „eine wahre Flut von Daten an“. Deshalb wird maschi­nel­les Lernen ein­ge­setzt, um die Daten besser inter­pre­tie­ren zu können. Und: „Heute werden kaum noch Teile verbaut, die nicht vorher simu­liert wurden.“

Poly­me­re gehen übri­gens in eine Viel­zahl von Berei­chen: Mobi­li­tät und Health sind nur zwei Bei­spie­le. Auch hier – abseits von elek­tro­ni­schen Bau­tei­len – sind Simu­la­tio­nen von Bedeu­tung. „Bei Pro­the­sen kann man über eine Meta­struk­tur die Mate­ri­al­stei­fig­keit bewusst adap­tie­ren um einen bes­se­ren Tra­ge­kom­fort zu erzie­len.“ Ein eigenes Gebiet ist die Leis­tungs­elek­tro­nik, über die für alle elek­tro­ni­schen Geräte die Energie bereit­ge­stellt wird. Dort gilt es starke Ströme zu berück­sich­ti­gen, die das Mate­ri­al auf­hei­zen. „Poly­me­re spielen fast überall eine tra­gen­de Rolle, sie führen aber ein biss­chen ein Schat­ten­da­sein“, bedau­ert Fuchs.

Das größte trans­na­tio­na­le For­schungs­för­de­rungs­pro­gramm der Welt

Eine beson­de­re Rolle kommt dem PCCL als Koor­di­na­tor beim EU-Projekt MIRELAI zu: Zusam­men mit 21 euro­päi­schen Part­nern aus Schlüs­sel­in­dus­trien und Wis­sen­schaft wird die nächste Gene­ra­ti­on von Inge­nieu­ren für die kom­men­den elek­tro­ni­schen Bau­tei­le aus­ge­bil­det.

Das im Rahmen von Horizon Europe – dem größten trans­na­tio­na­len For­schungs­för­de­rungs­pro­gramm der Welt, das ins­ge­samt mit mehr als 90 Mil­li­ar­den Euro dotiert ist – unter­stütz­te MIRELAI-Projekt stützt sich auf drei Säulen: 1) Physik der Degra­da­ti­on, 2) Multi-Skalen-Model­lie­rung und 3) KI-basier­te Zuver­läs­sig­keit. Der Fokus liegt auf der Aus­bil­dung von 13 Dok­to­rats­stu­den­ten, die helfen sollen, die Test­rei­hen für elek­tro­ni­sche Bau­tei­le zu redu­zie­ren und sie leich­ter repa­ra­bel zu machen. Drei der Stu­den­ten sind am PCCL tätig.

MIRELAI ist erst Anfang Oktober gestar­tet. Das Projekt ist auf vier Jahre anbe­raumt.

Mehr Infor­ma­tio­nen:
www.pccl.at

Credit: PCCL

„Science“ wird mit finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung in völ­li­ger Unab­hän­gig­keit unter der redak­tio­nel­len Leitung von Andreas Kolb gestal­tet.

Weitere Beiträge

Ami­ran­des Resort: Wo Meer und Mythos zusam­men­flie­ßen

Die älteste Hoch­kul­tur Europas ist zugleich eine der rät­sel­haf­tes­ten. Die Minoer hin­ter­lie­ßen Paläste, Kunst­hand­werk und aus­ge­klü­gel­te Wasser- und Licht­sys­te­me – doch ihre hie­ro­gly­phen­ar­ti­ge Schrift ist nie voll­stän­dig ent­schlüs­selt worden. Inspi­riert von diesem Erbe erhebt sich das ganz­jäh­rig geöff­ne­te Ami­ran­des wie ein minoi­scher Was­ser­pa­last an Kretas Nord­küs­te.

Story lesen

Neuer Rekord bei stei­ri­schen Neu­grün­dun­gen

Mit 5.184 Neu­grün­dun­gen wurde in der Stei­er­mark im Vorjahr ein his­to­ri­scher Höchst­wert erreicht. Erst­mals über­schritt die Zahl der Unter­neh­mens­grün­dun­gen die 5.000er-Marke – ein starkes Signal für unter­neh­me­ri­schen Mut, Inno­va­ti­ons­kraft und wirt­schaft­li­che Zuver­sicht.

Story lesen

Ami­ran­des Resort: Wo Meer und Mythos zusam­men­flie­ßen

Die älteste Hoch­kul­tur Europas ist zugleich eine der rät­sel­haf­tes­ten. Die Minoer hin­ter­lie­ßen Paläste, Kunst­hand­werk und aus­ge­klü­gel­te Wasser- und Licht­sys­te­me – doch ihre hie­ro­gly­phen­ar­ti­ge Schrift ist nie voll­stän­dig ent­schlüs­selt worden. Inspi­riert von diesem Erbe erhebt sich das ganz­jäh­rig geöff­ne­te Ami­ran­des wie ein minoi­scher Was­ser­pa­last an Kretas Nord­küs­te.

Story lesen