JUST-Redaktion|

Elek­tro­ma­gne­tis­mus kann in Werk­stü­cke schauen

„Hell­se­hen“ mit Hilfe der Physik – das haben Wis­sen­schaf­ter des Mate­ri­als Center Leoben MCL möglich gemacht. Mate­ri­al­ei­gen­schaf­ten, die nor­ma­ler­wei­se nur unter­sucht werden können, indem man ein Werk­stück kom­pli­zier­ten Mes­sun­gen unter­zieht oder es für eine Prüfung über­haupt zer­stö­ren muss, werden am MCL mit­hil­fe der magne­ti­schen Eigen­schaf­ten zer­stö­rungs­frei unter­sucht.

Wir prüfen Metalle, haupt­säch­lich Stahl“, erzählt der Leiter des For­schungs­teams am MCL, Peter Ranin­ger. „Der von uns auf Labor­ebe­ne ent­wi­ckel­te Sensor macht es möglich, schon während des Pro­duk­ti­ons­pro­zes­ses Mate­ri­al­ei­gen­schaf­teen direkt und zer­stö­rungs­frei zu bestim­men.“

Dafür wird das Werk­stück – zum Bei­spiel Stäbe, wie sie für Lenk­stan­gen in Fahr­zeu­gen ver­wen­det werden – mittels Induk­ti­on auf rund 900 Grad Celsius erhitzt, mit Wasser abge­schreckt und dann ein wei­te­res Mal induk­tiv erwärmt. Nach dieser induk­ti­ven Wär­me­be­hand­lung, die in der Indus­trie dazu benutzt wird, um Eigen­schaf­ten wie Härte oder Fes­tig­keit gezielt ein­zu­stel­len, wird die Kom­po­nen­te mit­hil­fe eines Sensors unter­sucht. Dieser erzeugt ein elek­tro­ma­gne­ti­sches Signal und schickt es durch die Probe. Das Signal wird anschlie­ßend auf­ge­fan­gen und aus­ge­wer­tet.

„Der Haupt­teil der For­schungs­ar­beit meines Teams liegt in der Auf­ar­bei­tung und Aus­wer­tung dieser Mess­da­ten. Das geschieht mit kom­ple­xen ana­ly­ti­schen Glei­chun­gen und nume­ri­schen Model­len, mit denen wir die magne­ti­schen Eigen­schaf­ten bestim­men und daraus auf andere Mate­ri­al­ei­gen­schaf­ten schlie­ßen können“, schil­dert Ranin­ger die am MCL in den ver­gan­ge­nen drei Jahren ent­wi­ckel­te Methode.

Weil das Werk­stück für die Prüfung nicht zer­stört werden muss und die Magnet­mes­sung schnell geht, sind auch Unter­su­chun­gen direkt während des Pro­duk­ti­ons­pro­zes­ses möglich. Das bietet für die Indus­trie große Vor­tei­le, ist Ranin­ger sicher: „Char­gen­be­dingt gibt es immer kleine Abwei­chun­gen, mit geziel­tem Heizen und Abschre­cken können diese aus­ge­gli­chen werden, sobald man weiß, in welche Rich­tung die Schwan­kun­gen beim Mate­ri­al gehen. Das bringt mehr Effi­zi­enz, weil weniger Aus­schuss anfällt. Das spart im End­ef­fekt nicht nur Res­sour­cen, sondern auch Energie und damit CO2. Außer­dem kann eine beson­ders hohe und gleich­blei­ben­de Qua­li­tät garan­tiert werden.“

För­der­ge­ber:

MCL als Träger des Kom­pe­tenz­zen­trums IC-MPPE wird von den Bun­des­mi­nis­te­ri­en BMK und BMDW sowie von den Bun­des­län­dern Stei­er­mark, Ober­ös­ter­reich und Tirol – im Rahmen von COMET (Com­pe­tence Centers for Excel­lent Tech­no­lo­gies) – geför­dert. Die COMET-För­de­rung wird von der FFG abge­wi­ckelt.

Kontakt:
www.mcl.at

Foto: Peter Ranin­ger zeigt den Prüf­auf­bau für die Werk­stoff­un­ter­su­chung.

Foto­credit: MCL/Alexander Kreutz

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