JUST-Redaktion|

Digi­ta­le Zwil­lin­ge für die Stahl­schmel­ze

Digitale Zwillinge von Stahl­erzeugungsanlagen können helfen, die Prozesse schneller zu machen und Energie einzusparen. Am K1-MET-Kompetenz­zentrum in Linz und Leoben wird an solchen Simulationen gearbeitet.
Magdalena Schatzl forscht am K1-MET an Anlagen zur Stahlerzeugung, Fotocredit: K1-MET

Mes­sun­gen der Vor­gän­ge in einer Stahl­schmel­ze sind gelinde gesagt her­aus­for­dernd. Bei Tem­pe­ra­tu­ren größer als 1600 Grad Celsius, Staub und diver­sen che­mi­schen Pro­zes­sen stoßen Sen­so­ren an ihre Grenzen und erschwe­ren die Pro­zess­ana­ly­se.

Hier setzt das Projekt OpTwin­Flow des COMET-Kom­pe­tenz­zen­trums K1-MET GmbH an. Mit ver­bes­ser­ten Com­pu­ter­si­mu­la­tio­nen werden dabei die Pro­zes­se im Modell dar­ge­stellt und so Mög­lich­kei­ten ent­wi­ckelt, Res­sour­cen, Energie und CO2 ein­zu­spa­ren. Dafür müssen die Simu­la­tio­nen in Echt­zeit ablau­fen und mit Daten aus der realen Anlage gefüt­tert werden.

„Wir beschäf­ti­gen uns mit dem Ruhr­stahl-Heraeus- (RH)-Prozess. Dieser ist der letzte Prozess in der Flüs­sig­pha­se vor dem Strang­guss und die letzte Mög­lich­keit, uner­wünsch­te Ele­men­te aus dem Stahl her­aus­zu­ho­len“, schil­dert Mag­da­le­na Schatzl, Senior Expert Digi­ta­li­sa­ti­on am K1-MET. Beim RH-Ver­fah­ren wird das Edelgas Argon in die Stahl­schmel­ze ein­ge­bla­sen, um einen Umwälz­pro­zess zu starten. In der Pro­zess­an­la­ge selbst herrscht Unter­druck, damit diverse Begleit­ele­men­te aus der Schmel­ze aus­ga­sen.

Die Strö­mun­gen im geschmol­ze­nen Stahl sind einer­seits wichtig für den Prozess, ande­rer­seits hoch­kom­plex. Hier kommt die Arbeit vom Schatzl und ihrem Team ins Spiel: „Wir messen das Abgas, ana­ly­sie­ren Video­auf­nah­men aus dem Inneren der Anlage und bringen das in unsere digi­ta­le Simu­la­ti­on ein. So können wir den Prozess effi­zi­en­ter gestal­ten.“

Dadurch, so Schatzl, kann Energie und Zeit ein­ge­spart werden. „Wenn wir bei 30 Minuten Pro­zess­dau­er eine Minute schnel­ler werden können, klingt das auf den ersten Blick nicht nach viel. Es ent­spricht pro Jahr aber dem Ener­gie­ver­brauch von 1500 4‑Per­so­nen-Haus­hal­ten.“ Ver­rin­gert wird in wei­te­rer Folge natür­lich auch der CO2-Ausstoß.

Am OpTwin­Flow-Projekt des K1-MET-Kom­pe­tenz­zen­trums sind auch Indus­trie­part­ner aus der Stahl­bran­che und die Johan­nes Kepler Uni­ver­si­tät in Linz betei­ligt. Die strö­mungs­ba­sier­ten digi­ta­len Zwil­lin­ge sind bran­chen­über­grei­fend inter­es­sant. Sie könnten ihren Einsatz im Spe­zi­el­len bei strö­mungs­ba­sier­ten Pro­zes­sen in den res­sour­cen­in­ten­si­ven Indus­trien finden.

Info: k1-met.com

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