Die Feuerfestindustrie zum Beispiel, unverzichtbar für Hochöfen, Zementwerke oder Müllverbrennungsanlagen, produziert prozessbedingt Emissionen, die als „hard-to-abate“ gelten. Das bedeutet, dass selbst modernste Technologien zur Energieeinsparung und Umstellung auf erneuerbare Quellen hier nicht tief genug greifen.
Genau an dieser Stelle setzt ein neues internationales Forschungsprojekt an und zwar mit österreichischer Handschrift. Ein Team der Montanuniversität Leoben arbeitet gemeinsam mit der Peking University und dem Industriepartner RHI Magnesita an einem ambitionierten Plan: Sie wollen CO₂ nicht nur vermeiden, sondern dort, wo es sich nicht vermeiden lässt, dauerhaft im Untergrund speichern und das auf sichere, nachhaltige und möglichst wirtschaftliche Weise.
Das Projekt trägt den Namen „AbateC“, eine Anspielung auf die hard-to-abate emissions und zugleich ein Hinweis auf das Ziel, den CO₂-Fußabdruck drastisch zu reduzieren. Im Zentrum der Forschung steht das Werk von RHI Magnesita im chinesischen Chizhou, Provinz Anhui. Hier sollen bis 2028 maßgeschneiderte CCS-Szenarien (Carbon Capture and Storage) entwickelt werden. Gefördert wird das Vorhaben von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Rahmen der Initiative Tecxport, die internationale Energiewendeprojekte unterstützt.
Forschung im Erdinneren
Herzstück des Projekts ist die geologische Speicherung von CO₂, also das Einleiten des Treibhausgases in tief gelegene, stabile Gesteinsschichten, wo es langfristig gebunden bleiben kann. Solche Speicherstätten können beispielsweise ausgeförderte Erdöl- und Erdgasfelder, salinare Aquifere oder sogar nicht erschlossene Kohleflöze sein.
In einem ersten Schritt erstellen die Forscherinnen und Forscher eine umfassende Kartierung des Untergrunds: Welche geologischen Formationen eignen sich? Wie viel CO₂ könnten sie speichern? Und wie sicher ist das Ganze? Parallel dazu wird die Infrastruktur rund um Transportwege, mögliche Pipelines und vorhandene oder geplante Speicherprojekte mit einem Aktionsradius analysiert, der sich über Hunderte bis Tausende Kilometer erstreckt.
Diese Daten fließen in die Entwicklung verschiedener Dekarbonisierungsszenarien ein. Jedes Szenario wird anschließend auf seine technische Machbarkeit, Kostenstruktur und Nachhaltigkeit geprüft. Ein zentrales Ziel ist, herauszufinden, ob sich lokale Speicherlösungen vor Ort lohnen oder ob es effizienter ist, das CO₂ zu weiter entfernten, großen Lagerstätten zu transportieren.
Hightech trifft Naturkraft
Besonders spannend ist ein Aspekt des Projekts, der über klassische Speicherverfahren hinausgeht: die sogenannte CO₂-Mineralisierung. Dabei wird das CO₂ nicht nur eingelagert, sondern geht eine dauerhafte Verbindung mit bestimmten Gesteinen ein, ähnlich dem natürlichen Verwitterungsprozess, nur deutlich beschleunigt.
Die Leobener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen herausfinden, ob sich hydrothermale Systeme in der Region, also geothermisch aktive Zonen, in denen heißes Wasser zirkuliert und chemische Reaktionen begünstigt, dafür eignen. Durch Kombination aus Laborversuchen und numerischen Simulationen soll die Praxistauglichkeit dieser Methode bewertet werden. Der Clou: Solche Systeme könnten nicht nur CO₂ binden, sondern gleichzeitig erneuerbare Energie liefern, was einen doppelten Nutzen für Industrie und Umwelt darstellt.
Wissenschaft ohne Grenzen
Ein Projekt dieser Größenordnung lebt vom Austausch. Deshalb arbeiten die österreichischen Forscherinnen und Forscher eng mit Kolleginnen und Kollegen der Peking University, einer der führenden Forschungseinrichtungen Chinas, zusammen. Die Kooperation wird nicht nur auf wissenschaftlicher Ebene, sondern auch auf institutioneller ausgebaut.
Gemeinsam mit dem chinesischen Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MOST) wird ein bilaterales Netzwerk für CO₂-Speicherung und ‑Nutzung aufgebaut. Ziel ist es, langfristige Strukturen für gemeinsame Forschung und damit eine Basis für die Entwicklung konkreter Pilotanlagen zu schaffen. Chizhou ist nur der Anfang in Richtung globaler Klimastrategie. Denn was hier entsteht, ist weit mehr als eine Roadmap für ein einzelnes Werk. Es ist eine Blaupause für die Dekarbonisierung ganzer Industriezweige.




