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Nachfolge sichert Ressourcen

Mit der unter der Dachmarke „Follow me“ firmierenden One-Stop-Shop-Servicestelle nimmt die Wirtschaftskammer Steiermark beim Thema Betriebsnachfolge seit Jahren eine Vorreiterrolle ein, betont WKO-Steiermark-Vizepräsidentin Gabriele Lechner. Wertvolle unternehmerische Ressourcen, die sonst brachliegen oder verloren gehen würden, erhalten so ein zweites Leben und tragen wesentlich zur Entwicklung des Wirtschaftsstandortes bei. In Zeiten wie diesen wichtiger denn je.

Allein 2019 gab es österreichweit 6770 Übernahmen, davon 897 in der Steiermark. Durchschnittlich werden ca. 900 steirische Unternehmen jährlich an Nachfolgerinnen und Nachfolger übergeben. Bis 2027, rechnet Lechner vor, stehen in der Steiermark rund 5200 Betriebe zur Übergabe bzw. Nachfolge an, von deren erfolgreichen Weiterführung mindestens 51.000 steirische Arbeitsplätze abhängen. Österreichweit findet allerdings nur mehr etwa die Hälfte der Betriebe ihre Nachfolge in den eigenen Reihen, also innerhalb der Unternehmerfamilie oder unter den Beschäftigten, Tendenz erfahrungsgemäß sinkend.

Stellt schon die Übergabe innerhalb der Familie bisweilen einen Drahtseilakt dar, so erweist sich die Suche nach geeigneten Nachfolger*innen außerhalb der Familie für Übergebende oft als besondere Herausforderung. Schon vor Jahren hat die WKO Steiermark die Bedeutung dieser Nachfolgeschnittstelle für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes erkannt und gemeinsam mit dem Wirtschaftsressort des Landes Steiermark und der Stadt Graz die Initiative „Follow me“ ins Leben gerufen. „Follow me“, bringt es die WKO-Steiermark-Vizepräsidentin auf den Punkt, „versteht sich als Partnervermittlung zwischen Übergebenden und Nachfolgenden.“

Mit der Steiermärkischen Sparkasse, der Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, der Wirtschaftskammer-Fachgruppe der Ingenieurbüros und der Notariatskammer für Steiermark wurden kompetente Kooperationspartner ins Boot geholt. Damit ist „Follow me“ mehr als bloß eine Vermittlungsplattform, sondern in der Lage, Übergebenden wie Übernehmenden in der sensiblen Phase der Übergabe ein One-Stop-Shop-Servicepaket zu bieten, das die Übergabe zur Erfolgsgeschichte macht – für die Beteiligten wie für den Wirtschaftsstandort insgesamt.

Manchen Unternehmen mangle es, spricht Gabriele Lechner eine der Problemzonen der Nachfolgefrage an, am Bewusstsein für die Bedeutung der Übergabetauglichkeit ihres Betriebs, woraus die Gefahr eines Investitionsstopps schon deutlich vor der geplanten Übergabe resultiere. Auf der anderen Seite fehle bisweilen das Bewusstsein für die Attraktivität der Betriebsnachfolge als Alternative zu einer aufwendigen Neugründung. Und beide Seiten – Übergebende wie Übernehmende – gelte es noch intensiver von der der enormen Wichtigkeit rechtzeitiger Planung bzw. der Inanspruchnahme externer Unterstützung zu überzeugen. „Genau dort setzen wir an“, so Lechner, „Follow me bietet ein Gesamtpaket für die Übergabe.“
Beratungsnetzwerk

„Das Follow-me-Expertennetzwerk“, beschreibt Lechner den konkreten Servicenutzen, „unterstützt nicht nur aktiv bei der Nachfolgepartnersuche, sondern berät auch zu den unterschiedlichsten Fachfragen der Übergabe etwa in den Bereichen Finanzierung, Förderungen, Recht und Betriebswirtschaft. In persönlichen Beratungsgesprächen profitieren Übergebende wie Nachfolgende von der aktiven Unterstützung bei Planung und Abwicklung. Damit gelingt uns ein wesentlicher Beitrag zur nachhaltigen Sicherung bestehender Unternehmen und der damit verbundenen Arbeitsplätze – auch im Sinne der Nahversorgung, der regionalen Wertschöpfung und der Standortsicherung.“ Dass das Interesse riesengroß ist, dokumentieren die Zahlen: 400 Unternehmen sind mit Stand Oktober 2020 im Follow-me-Programm vorgemerkt, durchschnittlich 1000 aktive Matchings von Angebot und Nachfrage werden pro Jahr im Schnitt verzeichnet.

„In der Nachfolge“, spricht die WKO-Steiermark-Vizepräsidentin einen gerade in schwierigen Zeiten umso bedeutenderen Nachhaltigkeitsaspekt an, „gelingt es Unternehmen auch, Ressourcen neu zu entdecken und aus alten Quellen neue Kraft zu gewinnen.“ So kann die Übergabe bzw. Übernahme reife, renommierte Unternehmen in einen zweites Lebenszyklus, ein Second Life katapultieren. Die Betriebsnachfolge wird zum Signal für die Erneuerung von Produkten bzw. Dienstleistungen und Prozessen, frische Ideen und Konzepte halten Einzug. Gleichsam als Sprungbrett werden dafür die Ressourcen des bestehenden Betriebs – Beschäftigte, Kunden, Know-how und Infrastruktur – genutzt.

Auch diesem Erneuerungsprozess bietet, betont Lechner, Follow me eine Plattform: In Kooperation mit dem Interreg-Projekt „BE READI ALPS“ abgewickelt von der „Innovation Region Styria“ wird Unternehmen der Weg zu vier zentralen Zukunftsressourcen geebnet: digitale Chancen, internationale Märkte, Innovationen und Finanzierung. „Der heuer aufgrund des Lockdowns online verliehene Follow me Award (Preisträger 2020: https://followme.nachfolgen.at/follow-me-award) demonstrierte erneut, wie wichtig es ist, dass unsere arrivierten steirischen Unternehmen als wertvollste Ressourcen unseres Wirtschaftsstandortes einen produktiven Weg in die Zukunft finden und damit zu Treibern für Beschäftigung und Wohlstand werden.“

Kontakt

https://wko.at/stmk/followme

Foto: Gabriele Lechner, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Steiermark.

Fotocredit: Kanizaj