Sandro Ceroni|

Sirru Fen Fushi

Sirru Fen Fushi war für mich eines jener Häuser, die man deshalb in Erinnerung behält, weil sie sich ein paar charmante Eigenheiten leisten. Schönheit ist auf den Malediven bekanntlich keine knappe Ressource. Türkis können hier viele. Postkarte ebenso. Die Frage ist eher: Bleibt etwas hängen, das über Wasserfarbe und Sonnenuntergang hinausgeht?

Lange galt das Resort als Heimat des längs­ten Pools der Male­di­ven – 200 Meter Infi­ni­ty Pool, quer über die Insel gezogen, eine Art sport­li­che Groß­ges­te in einer Welt, die für Super­la­ti­ve durch­aus emp­fäng­lich ist. Ein­drucks­voll ist das schon, vor allem abends, wenn Himmel und Wasser in einem ein­zi­gen, lang­ge­zo­ge­nen Spiegel ver­schmel­zen.

Das eigent­lich Schöne an Sirru Fen Fushi liegt ein paar Flos­sen­schlä­ge weiter draußen. Das Haus­riff erreicht man nicht als orga­ni­sier­ten Ausflug, sondern es beginnt direkt vor der Tür. Man gleitet ins Wasser, sieht die ersten Fisch­schwär­me, gewöhnt sich an dieses male­di­vi­sche Blau, das immer ein wenig so wirkt, als hätte jemand die Welt nach­ko­lo­riert – und dann ziehen mit etwas Glück Schild­krö­ten vorbei, mit jener höf­li­chen Gelas­sen­heit, die nur Tiere besit­zen, die ganz genau wissen, dass sie hier die eigent­li­chen Gast­ge­ber sind. Das Resort spricht von sechs „resi­dent sea turtles“, die das Haus­riff regel­mä­ßig durch­strei­fen und natür­lich nament­lich bekannt sind. Eine Zahl, die wenig beein­dru­ckend klingt – bis man plötz­lich selbst neben einer schnor­chelt.

Durch­aus eigen­sin­nig ist das Cora­la­ri­um – jene Unter­was­ser­in­stal­la­ti­on von Jason deCai­res Taylor, halb Kunst­werk, halb Koral­len­pro­jekt. Sirru Feb Fushi nennt es die erste „semi-sub­mer­ged tidal gallery“ der Welt, ein kleines Unter­was­ser­mu­se­um in der Lagune. Spek­ta­kel im klas­si­schen Sinne ist es nicht – eher ein stiller, leicht sur­rea­ler Ort, an dem man erkennt, wie das Meer an der Kunst wei­ter­schreibt.

Und dann diese herr­lich unter­trie­be­ne Safari Tent Villa. „Zelt“ ist hier ein Begriff von beson­de­rer Beschei­den­heit. Drinnen klingt die Stille anders als gewohnt: gedämpft, weich, als würde der Stoff jedes Geräusch ein wenig ein­fan­gen – und doch ist man mit der Natur in stän­di­gem Kontakt. Wer bei 525 Qua­drat­me­tern noch vom „Zelten“ spricht, hat ent­we­der Humor – oder ein benei­dens­wert ent­spann­tes Ver­hält­nis zu Raum. So wird aus der Idee des Glam­ping eine sehr eigene Form von Luxus: uner­hört groß­zü­gig, gedie­gen luxu­ri­ös, mitten im Dschun­gel und zugleich sicher behütet.

Immer diens­tag­abends gehört der Strand der Musik: Wenn das Manage­ment zur Beach Party einlädt und eine DJane unter freiem Himmel auflegt, wird die Lagune kurz­zei­tig zum Dance­f­lo­or – barfuß, salzig, herr­lich ent­spannt – letz­te­res nicht nur wegen der kurzen Massage-Häpp­chen, die Lust auf Mehr im Ressort-Spa wecken.

Beson­ders sym­pa­thisch wurde mir Sirru Fen Fushi dort, wo andere Häuser gern ins Pre­di­gen geraten: beim Thema Nach­hal­tig­keit. Das Sus­taina­bi­li­ty Lab ist keine hübsch for­mu­lier­te Pflicht­übung für den Nach­mit­tag, sondern laut Resort die erste res­sort­ba­sier­te Recy­cling­an­la­ge für Kunst­stof­fe auf den Male­di­ven. Dort wird gesam­melt, geschred­dert, neu gedacht – und aus dem, was anders­wo als Mee­res­müll endet, werden Objekte mit Sinn, manch­mal sogar mit Stil. Kein mora­li­scher Bei­pack­zet­tel zum Sun­dow­ner, sondern eine gute Idee, sauber umge­setzt. Sirru Fen Fushi drängt sich nicht auf – es schleicht sich ein, leise, char­mant und mit einer gewis­sen Non­cha­lance. Und genau deshalb bleibt es länger im Kopf als so manch lau­te­rer Luxus.

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