Lange galt das Resort als Heimat des längsten Pools der Malediven – 200 Meter Infinity Pool, quer über die Insel gezogen, eine Art sportliche Großgeste in einer Welt, die für Superlative durchaus empfänglich ist. Eindrucksvoll ist das schon, vor allem abends, wenn Himmel und Wasser in einem einzigen, langgezogenen Spiegel verschmelzen.
Das eigentlich Schöne an Sirru Fen Fushi liegt ein paar Flossenschläge weiter draußen. Das Hausriff erreicht man nicht als organisierten Ausflug, sondern es beginnt direkt vor der Tür. Man gleitet ins Wasser, sieht die ersten Fischschwärme, gewöhnt sich an dieses maledivische Blau, das immer ein wenig so wirkt, als hätte jemand die Welt nachkoloriert – und dann ziehen mit etwas Glück Schildkröten vorbei, mit jener höflichen Gelassenheit, die nur Tiere besitzen, die ganz genau wissen, dass sie hier die eigentlichen Gastgeber sind. Das Resort spricht von sechs „resident sea turtles“, die das Hausriff regelmäßig durchstreifen und natürlich namentlich bekannt sind. Eine Zahl, die wenig beeindruckend klingt – bis man plötzlich selbst neben einer schnorchelt.
Durchaus eigensinnig ist das Coralarium – jene Unterwasserinstallation von Jason deCaires Taylor, halb Kunstwerk, halb Korallenprojekt. Sirru Feb Fushi nennt es die erste „semi-submerged tidal gallery“ der Welt, ein kleines Unterwassermuseum in der Lagune. Spektakel im klassischen Sinne ist es nicht – eher ein stiller, leicht surrealer Ort, an dem man erkennt, wie das Meer an der Kunst weiterschreibt.
Und dann diese herrlich untertriebene Safari Tent Villa. „Zelt“ ist hier ein Begriff von besonderer Bescheidenheit. Drinnen klingt die Stille anders als gewohnt: gedämpft, weich, als würde der Stoff jedes Geräusch ein wenig einfangen – und doch ist man mit der Natur in ständigem Kontakt. Wer bei 525 Quadratmetern noch vom „Zelten“ spricht, hat entweder Humor – oder ein beneidenswert entspanntes Verhältnis zu Raum. So wird aus der Idee des Glamping eine sehr eigene Form von Luxus: unerhört großzügig, gediegen luxuriös, mitten im Dschungel und zugleich sicher behütet.
Immer dienstagabends gehört der Strand der Musik: Wenn das Management zur Beach Party einlädt und eine DJane unter freiem Himmel auflegt, wird die Lagune kurzzeitig zum Dancefloor – barfuß, salzig, herrlich entspannt – letzteres nicht nur wegen der kurzen Massage-Häppchen, die Lust auf Mehr im Ressort-Spa wecken.
Besonders sympathisch wurde mir Sirru Fen Fushi dort, wo andere Häuser gern ins Predigen geraten: beim Thema Nachhaltigkeit. Das Sustainability Lab ist keine hübsch formulierte Pflichtübung für den Nachmittag, sondern laut Resort die erste ressortbasierte Recyclinganlage für Kunststoffe auf den Malediven. Dort wird gesammelt, geschreddert, neu gedacht – und aus dem, was anderswo als Meeresmüll endet, werden Objekte mit Sinn, manchmal sogar mit Stil. Kein moralischer Beipackzettel zum Sundowner, sondern eine gute Idee, sauber umgesetzt. Sirru Fen Fushi drängt sich nicht auf – es schleicht sich ein, leise, charmant und mit einer gewissen Nonchalance. Und genau deshalb bleibt es länger im Kopf als so manch lauterer Luxus.









