Sandro Ceroni|

Anant­ara Kihavah Mal­di­ves Villas

Auf den Malediven schön zu sein, ist noch keine besondere Leistung. Kihavah weiß das offenbar – und versucht es gar nicht erst dabei zu belassen.

Natür­lich spielt auch hier alles mit, was diese Insel­welt so unwi­der­steh­lich macht: Türkis in sämt­li­chen Schat­tie­run­gen, Wasser in fast belei­di­gen­der Rein­heit und ein Himmel, der aus­sieht, als hätte ihn jemand mit zu viel gutem Willen retu­schiert. Aber Kihavah ruht sich auf dieser natür­li­chen Unver­schämt­heit nicht aus. Das Resort setzt auf Erleb­nis­se, die bleiben – und auf eine Form von Luxus, die nicht nur beein­druckt, sondern Tiefe hat.

Im Baa Atoll, inmit­ten eines UNESCO-Bio­sphä­ren­re­ser­vats gelegen, wirkt Kihavah schon bei der Anreise mit dem Was­ser­flug­zeug wie eine jener Inseln, die man sonst nur in Hoch­glanz­pro­spek­ten für leicht über­trie­ben hält. Das Resort selbst spricht von einer Lagune, die von Türkis in Saphir­blau über­geht – aus­nahms­wei­se ist das keine For­mu­lie­rung der Mar­ke­ting­ab­tei­lung, sondern schlicht zutref­fend.

Kihavah lebt von jenen sel­te­nen Momen­ten, die sich nicht wie Pro­gramm­punk­te anfüh­len, sondern wie Bilder, die bleiben.

Da ist zunächst SEA, das legen­dä­re Unter­was­ser­re­stau­rant – archi­tek­to­nisch ein Ereig­nis, kuli­na­risch eine Bühne und mit einer Wein­kar­te, die jeden ver­nünf­ti­gen Men­schen kurz inne­hal­ten lässt. Das Resort nennt es die erste Unter­was­ser-Wein­kel­le­rei und das erste Unter­was­ser­re­stau­rant der Welt; im Itin­era­ry ist von einer Auswahl die Rede, die sich über neun Jahr­zehn­te spannt. Kurz gesagt: ein Ort, an dem man her­vor­ra­gend essen kann – und sehr leicht in jene Preis­re­gio­nen gerät, in denen selbst Olig­ar­chen noch einmal diskret auf die Karte schauen. Genau das macht seinen Charme aus: Es ist groß­ar­tig, leicht absurd und dabei so gut, dass man dem Haus die Gran­dez­za nicht übel­neh­men kann.

Fast ebenso beson­ders ist SKY – das einzige Over­wa­ter-Obser­va­to­ri­um der Male­di­ven, wie das Resort betont. Ein Cock­tail über dem Wasser ist auf den Male­di­ven noch kein Allein­stel­lungs­merk­mal. Ein Drink mit Blick in den Kosmos schon eher. Erst Son­nen­un­ter­gang, dann Ster­nen­him­mel, dann ein Blick durchs Tele­skop – da wird selbst der klas­si­sche Sun­dow­ner plötz­lich zu einer Frage der Per­spek­ti­ve. Kihavah gehört zu jenen wenigen Häusern, die aus Luxus nicht nur Komfort, sondern auch Hori­zont­er­wei­te­rung machen.

Auch die Villen sind beein­dru­ckend – groß­zü­gig, privat, mit viel Raum und in einer Grö­ßen­ord­nung, bei der das Wort „Villa“ fast schon wieder nach Under­state­ment klingt. Das Resort spricht ganz sach­lich von einer Private Pool Villa. Das ist formal korrekt – und für das, was man tat­säch­lich vor­fin­det, fast schon zurück­hal­tend.

Beson­ders wert­voll wurde Kihavah für mich aber dort, wo das Resort über Insze­nie­rung hinaus Sub­stanz zeigte: beim Koral­len­pflan­zen mit der Mee­res­bio­lo­gin. Abge­bro­che­ne Koral­len­frag­men­te werden dabei auf einem Gestell fixiert, damit sie anwach­sen und ein neues Habitat bilden können – ein stiller, fast medi­ta­ti­ver Vorgang, der in seiner Schlicht­heit berüh­ren­der war als manches spek­ta­ku­lä­re Erleb­nis. Man kann diese Koral­len sogar adop­tie­ren und erhält danach regel­mä­ßig ein Update mit Foto, wie sich das kleine neue Riff ent­wi­ckelt. Das ist nicht nur ein sym­pa­thi­scher Pro­gramm­punkt. Das ist eine kluge Form, Ver­ant­wor­tung erleb­bar zu machen – und aus einem Urlaub eine Ver­bin­dung ent­ste­hen zu lassen, die über den Auf­ent­halt hin­aus­reicht.

Min­des­tens ebenso prägend war Matheen. Ein groß­ar­ti­ger Gast­ge­ber – und mehr als das. Intel­li­gent, auf­merk­sam, mit jenem feinen Gespür für Men­schen, das man nicht lernen kann. Vor allem aber mit einer stillen Sou­ve­rä­ni­tät, die dem Auf­ent­halt zusätz­li­che Tiefe gab. Er erzähl­te nicht nur vom Resort, sondern von den Male­di­ven selbst – von Geschich­te, Kultur, Iden­ti­tät, von einem Insel­staat, der in seiner Fra­gi­li­tät und Schön­heit ohnehin weit mehr ist als die Summe seiner Traum­strän­de. Und weil Matheen nicht bloß infor­miert, sondern tat­säch­lich denkt, bekamen diese Gesprä­che stel­len­wei­se fast etwas Phi­lo­so­phi­sches. Nie prä­ten­ti­ös, nie bemüht – einfach klug. Solche Begeg­nun­gen machen einen Auf­ent­halt nicht spek­ta­ku­lä­rer – aber bedeu­ten­der.

Kuli­na­risch setzt Kihavah diese Linie kon­se­quent fort. SEA. FIRE. SPICE. SKY. Schon die Namens­ge­bung könnte leicht nach Kon­zept­fo­lie klingen, funk­tio­niert hier aber erstaun­lich gut, weil jedes dieser Formate tat­säch­lich eine eigene Atmo­sphä­re schafft – unter Wasser, über Wasser, unter Sternen, am Grill, in asia­ti­scher Raf­fi­nes­se. Das Resort selbst spricht von einem „one-of-a-kind over and under­wa­ter dining expe­ri­ence“. Aus­nahms­wei­se darf man die leichte Selbst­ge­wiss­heit durch­ge­hen lassen. Sie ist ver­dient.

Viel­leicht ist das die eigent­li­che Qua­li­tät von Kihavah: Dieses Haus will nicht nur gefal­len. Es hin­ter­lässt Spuren.

 

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