JUST-Redaktion|

Gulda meets Shost­a­ko­vich

Am 26. Juli lässt Cellist Friedrich Kleinhapl in den Grazer Kasematten Friedrich Gulda auf Dimitri Shostakovich treffen. Dass diese Begegnung unterhaltsam wird, kann sich vermutlich jeder vorstellen.
Fotocredit: Christian Jungwirth

Fusion mit Augen­zwin­kern

Wer Fried­rich Guldas „Konzert für Cello und Blas­or­ches­ter“ und Dimitri Shost­a­ko­vichs Jazz- und Bal­lett­sui­ten in ein Konzert packt, muss dafür gute Gründe haben. Denn die Outputs des öster­rei­chi­schen Pia­nis­ten und des rus­si­schen Kom­po­nis­ten: zwei unter­schied­li­che Pla­ne­ten. Cellist Fried­rich Klein­hapl, der in seinem Pro­gramm „Gulda meets Shost­a­ko­vich“ einen weiten Bogen spannt, hat gute Gründe. Sowohl Gulda als auch Shost­a­ko­vich lehnten sich gegen ihr gesell­schaft­li­ches Umfeld auf. Gulda, der für seine Bach‑, Mozart- und Beet­ho­ven-Inter­pre­ta­tio­nen bekannt war, ließ etwa sein „Konzert für Cello und Blas­or­ches­ter“ zwi­schen Mozart, Big Band, Pop und Rock sowie Ausseer Blas­mu­sik iro­nisch mäan­dern und setzte sich damit über alle klas­si­schen Kon­ven­tio­nen hinweg. Im freien Westen wohl­ge­merkt.

Der unter dem Sowjet­re­gime lebende und für seine monu­men­ta­len Sym­pho­nien bekann­te Shost­a­ko­vich ver­wun­der­te einst wie­der­um mit iro­nisch-wit­zi­gen und mit­un­ter an launige Zir­kus­mu­sik erin­nern­den Suiten. Und dies, obwohl er jah­re­lang mit gepack­tem Koffer auf seine Depor­ta­ti­on wartete. Mit Akribie und Scharf­sinn hat Cellist Klein­hapl Witz und Ironie von Gulda und Shost­a­ko­vich frei­ge­legt, deren Werke neu inter­pre­tiert und mit Humor auf die Bühne gebracht.

Vir­tuo­ser erklär­bar

„Ich ver­su­che ja immer auch junge, nicht so klas­sik­af­fi­ne Men­schen anzu­spre­chen. Und das gelingt mir mit diesem Pro­gramm recht gut, würde ich meinen“, so der 57-Jährige, der zwi­schen den Stücken Kurz­wei­li­ges über Künst­ler und Werke zu erzäh­len weiß. Allein Shost­a­ko­vichs Bio­gra­fie wäre ja abend­fül­lend. Seine Rolle während Stalins Regime in der Sowjet­uni­on: hoch­gra­dig span­nend. Mal hat er mit den Wölfen geheult, mal wird er in einem Prawda-Artikel, den ver­mut­lich Stalin nach seinem Besuch der Shost­a­ko­vich-Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ selbst ver­fasst hat, massiv bedroht. „Im Grunde schweb­te er von da an zwi­schen Aus­zeich­nun­gen und Gulag oder Liqui­da­ti­on“, erzählt Klein­hapl, dessen Pro­gramm „Gulda meets Shost­a­ko­vich“ nun in der impo­san­ten Kulisse der Grazer Kase­mat­ten Station macht. Bleibt noch die Frage: Warum hat Shost­a­ko­vich eigent­lich Jazz­su­i­ten ohne Jazz Akkorde kom­po­niert? „Er bekam vom Regime den Auftrag, den Volks­hun­ger nach der damals neuen Musik zu stillen, diese gleich­zei­tig aber von allen bour­geoi­sen Ten­den­zen zu befrei­en und somit quasi Jazz ohne Jazz zu machen“, so der Experte.

26. Juli 2023, Kase­mat­ten Graz
„Konzert für Cello und Blas­or­ches­ter“ von Fried­rich Gulda & Jazz und Bal­lett­sui­ten von Dimitri Shost­a­ko­vich.

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