JUST-Redaktion|

Bene­dikt Bitt­mann im JUST-Indus­try-Talk

Wo wäre die Steiermark ohne Industrie? Diese (rhetorische) Frage wirft Benedikt Bittmann, Vizepräsident der WKO Steiermark, im JUST-Industry-Talk auf.
Der Vizepräsident der WKO Steiermark, Benedikt Bittmann, stand JUST Rede und Antwort.
Der Vizepräsident der WKO Steiermark, Benedikt Bittmann, stand JUST Rede und Antwort. Fotocredit: Foto Fischer.

Bene­dikt Bitt­mann ist derzeit Vize­prä­si­dent der Wirt­schafts­kam­mer Stei­er­mark und enga­giert sich stark für die Inter­es­sen der stei­ri­schen Wirt­schaft. Mit seiner lang­jäh­ri­gen Erfah­rung in der Unter­neh­mens­be­ra­tung und im Manage­ment hat er sich als kom­pe­ten­ter Ansprech­part­ner für Fragen rund um die Wirt­schaft eta­bliert. Darüber hinaus setzt sich Bitt­mann für eine starke, nach­hal­ti­ge und zukunfts­ori­en­tier­te Wirt­schaft ein, die auch soziale Ver­ant­wor­tung über­nimmt. Im Talk mit JUST gibt er Ein­bli­cke in seine Arbeit bei der WKO und seine Visio­nen für die Wirt­schaft in der Stei­er­mark.

Herr Vize­prä­si­dent, ver­ste­hen Sie sich als Ver­tre­ter der stei­ri­schen Indus­trie in der Wirt­schaft bzw. in der Wirt­schafts­kam­mer?

Bitt­mann: Ich sehe mich ganz klar als Ver­tre­ter der stei­ri­schen Unter­neh­me­rin­nen und Unter­neh­mer. Die Indus­trie hat da natür­lich einen beson­de­ren Stel­len­wert, zum einen als größter Arbeit­ge­ber im Land, zum anderen aber vor allem auch als wich­ti­ger Partner für unsere Klein- und Mit­tel­be­trie­be.

Was ver­ste­hen Sie in diesem Fall unter Part­ner­schaft? Gibt es hier nicht mehr Bruch­li­ni­en und Kon­flikt­zo­nen als Syn­er­gien?

Bitt­mann: Das sehe ich ganz und gar nicht so. Die große Stärke der stei­ri­schen Wirt­schaft ist ihr gutes Zusam­men­spiel zwi­schen Groß- und Klein­be­trie­ben. Wir haben das auch einmal im Rahmen einer Studie unter­sucht, mit dem Ergeb­nis, dass Indus­trie­un­ter­neh­men durch ihre Wert­schöp­fung vor Ort weit mehr Arbeits­plät­ze schaf­fen, als im Unter­neh­men eigent­lich ange­stellt sind. Konkret fallen nur vier von zehn durch die Indus­trie geschaf­fe­ne Jobs im jewei­li­gen Betrieb direkt an, sechs von zehn Arbeits­plät­ze werden durch den Vor­leis­tungs­ver­bund und die indu­zier­te Nach­fra­ge in der gesam­ten Volks­wirt­schaft bedingt. Davon pro­fi­tiert unterm Strich das ganze Land.

Wech­seln wir das Thema: Globale Kon­zer­ne stehen häufig, wie zuletzt beim EU-Wahl­kampf, im Ruf „gewerbs­mä­ßi­ger“ orga­ni­sier­ter Steu­er­flucht. Ist die stei­ri­sche Indus­trie bei ihren Steu­er­leis­tun­gen stand­ort­treu?

Bitt­mann: Also, mit diesem „Indus­trie-Bashing“ – anders kann man es nicht bezeich­nen – möchte ich ein für alle Mal auf­räu­men: Gerade unsere Leit­be­trie­be beken­nen sich klar zum Stand­ort Stei­er­mark. Unter­neh­men wie Voest, Andritz oder Magna Steyr haben in den ver­gan­ge­nen Jahren Mil­li­ar­den inves­tiert, um die Pro­duk­ti­on hier­zu­lan­de lang­fris­tig abzu­si­chern. Und jene, die hier trotz­dem gegen die Indus­trie Stim­mung machen, sollten sich viel­leicht einmal über­le­gen, wo die Stei­er­mark ohne diese Unter­neh­men wäre. Allein die 100 umsatz­stärks­ten Betrie­be sichern mehr als 140.000 Jobs in unserem Bun­des­land. Wenn man also Steu­er­flucht anpran­gert, dann sollte man das ganz konkret tun und nicht jene mit in einen Topf werfen, die den Wohl­stand im Land sichern.

Stich­wort Inves­ti­tio­nen: Warum inves­tie­ren Indus­trie­be­trie­be oder Unter­neh­men gene­rell in der Stei­er­mark?

Bitt­mann: Zum einen weil ein Groß­teil der Unter­neh­men, nämlich knapp 60 Prozent, Fami­li­en­be­trie­be sind. Diese haben eine beson­ders enge Bindung zu Land und Leuten – und die machen’s schluss­end­lich aus. Wir sind kein Bil­lig­lohn­land und wollen das auch nicht werden. Wir sind deshalb ein so erfolg­rei­cher Wirt­schafts­stand­ort, weil es hier die besten und inno­va­tivs­ten Mit­ar­bei­ter gibt. Arbeit­ge­ber und Arbeit­neh­mer sind in der Stei­er­mark ein starkes Team.

Aber werden diese Mit­ar­bei­ter – Stich­wort Fach­kräf­te­man­gel – nicht immer mehr zur Man­gel­wa­re?

Bitt­mann: Sie haben recht, die Her­aus­for­de­run­gen in diesem Bereich sind groß. In den kom­men­den Jahren gehen durch die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung doppelt so viel Men­schen in Pension, wie ins Erwerbs­le­ben nach­rü­cken. Deshalb haben wir als Wirt­schafts­kam­mer Stei­er­mark dieses Thema auch zu einem Schwer­punkt unserer inter­es­sen­po­li­ti­schen Arbeit gemacht und zahl­rei­che Initia­ti­ven gestar­tet, wie etwa unser Talent­cen­ter. Hier bieten wir jungen Men­schen die Mög­lich­keit ihre Talente und Fähig­kei­ten zu testen, um darauf fußend die ideale Aus­bil­dung zu wählen. Die Jugend­li­chen bekom­men dafür einen von der Uni­ver­si­tät Graz ent­wi­ckel­ten Talent­re­port, der am Ende jene Berufs­fel­der auf­zeigt, die am besten zu den indi­vi­du­el­len Stärken passen. Derzeit landen nämlich viele Jugend­li­che noch immer in den für sie fal­schen Aus­bil­dun­gen, wie die Sta­tis­tik zeigt. In den AHS zum Bei­spiel bricht jeder Vierte die Aus­bil­dung ab oder wech­selt zumin­dest den Schul­typ. In den BHS ist es jeder Dritte. Diesen Verlust an hellen Köpfen können und dürfen wir uns so nicht länger leisten.

 

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