JUST-Redaktion|

Große Unsi­cher­heit prägt den Akti­en­markt

Bankhaus Spängler gibt einen aktuellen Kapitalmarktausblick. Der Aktienmarkt befindet sich weiterhin in einer schwierigen SItuation und von großer Unsicherheit geprägt.
Große Unsicherheit prägt den Aktienmarkt: Nils Kottke, Vorstandsmitglied im Bankhaus Spängler. Credit: Bankhaus Spängler.

“Die Welt bewegt sich nach wie vor in äußerst unru­hi­gem Fahr­was­ser, für Anleger bedeu­tet das wei­ter­hin eine schwie­ri­ge Situa­ti­on”, ana­ly­siert Nils Kottke, Vor­stands­mit­glied im Salz­bur­ger Bank­haus Späng­ler. Die Infla­ti­on wird auf abseh­ba­re Zeit eines der bestim­men­den Themen sein. Der Akti­en­markt in dem von großer Unsi­cher­heit gepräg­ten Umfeld wohl wei­ter­hin volatil, meinen die Exper­ten der ältes­ten Pri­vat­bank Öster­reichs in ihrem aktu­el­len Kapi­tal­markt­aus­blick.

“Es scheint so, dass wir beim Thema Infla­ti­on nach dem Höhe­punkt im Herbst nun das Schlimms­te über­stan­den haben”, sagt Markus Dürn­ber­ger, Asset Manager im Bank­haus Späng­ler. “Man sollte aber nicht außer Acht lassen, dass die gesun­ke­nen Infla­ti­ons­ra­ten zu einem Teil auch auf die — zeit­lich begrenz­ten — Maß­nah­men der Regie­run­gen zurück­zu­füh­ren sind. Eine Gefahr könnten zudem die hohen Lohn­ab­schlüs­se — Stich­wort ‘Lohn-Preis-Spirale’, sowie die hohe Schwan­kungs­brei­te bei den Strom­prei­sen sein.” Für Ent­span­nung sorgen laut dem Exper­ten hin­ge­gen die nied­ri­gen Ölprei­se sowie die sehr stark rück­läu­fi­gen Fracht­kos­ten im inter­na­tio­na­len Waren­ver­kehr, die im Prinzip auf Vor­kri­sen­ni­veau zurück­ge­fal­len sind.

Dis­kre­panz zwi­schen Markt­er­war­tun­gen und Aus­sa­gen der Noten­ban­ken: Akti­en­markt prägt große Unsi­cher­heit

Prak­tisch in allen Regio­nen der Welt wurden die Leit­zin­sen erhöht, allen voran in den USA. Die im letzten Jahr vor­ge­nom­me­ne, starke Anhe­bung der Fed in einem so kurzen Zyklus ist tat­säch­lich als his­to­risch zu bezeich­nen. “Inter­es­sant ist sicher die derzeit bestehen­de Dis­kre­panz zwi­schen Markt­er­war­tun­gen und Noten­bank­aus­sa­gen hin­sicht­lich Geld­po­li­tik und Infla­ti­ons­ent­wick­lung”, so Dürn­ber­ger. “Der Markt erwar­tet ab dem heu­ri­gen Sommer in Europa keine wei­te­ren Zins­er­hö­hun­gen durch die EZB, in den USA sogar ein erstes Senken der Zinsen durch die Fed.” Dem ent­ge­gen­ste­hen die Aus­sa­gen der Noten­ban­ken, die weitere Zins­er­hö­hun­gen — zumin­dest verbal — in den Raum stellen.

Kon­junk­tur: Droht eine ernst­zu­neh­men­de Rezes­si­on?

In den USA und in der Euro­zo­ne schwä­chelt das Wirt­schafts­wachs­tum. Droht eine ernst­zu­neh­men­de Rezes­si­on? Der wich­ti­ge “Leading Indi­ca­tor” der renom­mier­ten US-Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on “Con­fe­rence Board” weist zumin­dest darauf hin. “Auch die aktuell inver­sen Zins­struk­tur­kur­ven schla­gen in die­sel­be Kerbe”, erklärt Dürn­ber­ger. Die Zinsen für Staats­an­lei­hen mit kurzen Lauf­zei­ten sind derzeit höher als die lang­fris­ti­gen. “Eine — zumin­dest milde — Rezes­si­on ist in den west­li­chen Volks­wirt­schaf­ten damit wahr­schein­li­cher als eine weiche Landung. China könnte heuer hin­ge­gen wieder stärker wachsen. Die große Unbe­kann­te ist und bleibt aller­dings der Wachs­tums­bei­trag des Immo­bi­li­en­mark­tes”, so der Asset Manager im Bank­haus Späng­ler.

Der Akti­en­markt hat viele Ver­lie­rer

Einige Exper­ten haben für das heurige Jahr die Devise “BoB” aus­ge­ru­fen, die für “Bring on Bonds” steht. Nach einem his­to­risch raben­schwar­zen Jahr scheint bei Anlei­he­ren­di­ten der lang­jäh­ri­ge Abwärts­trend nun erst einmal beendet. Auf den Kapi­tal­märk­ten spricht man auf­grund stei­gen­der Zinsen aktuell von einer Art ‘Renais­sance’ der Anlei­hen. “Dennoch befin­den sich Anlei­hen auf­grund der wei­ter­hin erhöh­ten Infla­ti­on real noch immer deut­lich im nega­ti­ven Bereich”, betont Dürn­ber­ger. Auf dem Akti­en­markt zählen im Jahr 2022 nur die Bran­chen Öl und Gas zu den “Gewin­nern”. Als größte “Ver­lie­rer-Bran­chen” sind Immo­bi­li­en, Ein­zel­han­del und Tech­no­lo­gie zu bezeich­nen. “Es ist nicht unwahr­schein­lich, dass sich die Akti­en­märk­te in diesem Jahr positiv ent­wi­ckeln werden. Ent­schei­den­der Faktor wird in diesem Zusam­men­hang aber die kon­junk­tu­rel­le Ent­wick­lung sein, also ob und wie stark es in diesem Jahr zu einer Rezes­si­on kommen wird.”, betont Dürn­ber­ger.

Lang­fris­tig anlegen, breit streuen

Was bedeu­tet dies alles nun für Anleger? “Im Jahr 2023 ist wei­ter­hin mit Zins­an­he­bun­gen der Noten­ban­ken sowie mit hohen, aber sin­ken­den Infla­ti­ons­ra­ten zu rechnen. Zudem gehen wir von einer kon­junk­tu­rel­len Abküh­lung, vola­ti­len Kapi­tal­märk­ten und wei­ter­hin großen geo­po­li­ti­schen Her­aus­for­de­run­gen aus”, resü­miert Bank­vor­stand Kottke den Aus­blick des Bank­haus Späng­ler. Wichtig sei sicher ein lang­fris­ti­ger Anla­ge­ho­ri­zont sowie ein hohes Maß an Diver­si­fi­ka­ti­on, sowohl regio­nal als auch in den Asset-Klassen. “Und Aktien sorgen lang­fris­tig sicher immer noch für einen realen Kapi­tal­erhalt”, so Asset Manager Dürn­ber­ger.

Foto: Nils Kottke, Vor­stands­mit­glied im Bank­haus Späng­ler. Credit: Bank­haus Späng­ler.

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