Von Martin Kugler
Rund 140 Speaker, mehr als 1.000 Teilnehmende, zwei Tage: Am 10. und 11. September drehte sich bei den Technology Talks Austria, die im direkten Anschluss an das FFG-Forum stattfanden, alles darum, wie sich wissenschaftliche Exzellenz schneller in industrielle Stärke und strategische Autonomie übersetzen lässt. Das Motto: Empowering Europe — Technological Leadership for a Resilient Future. 48 Partner aus Forschung, Technologie und Innovation (FTI) trugen das Programm der Technology Talks Austria, die in der FTI-Community als relevanteste Technologiekonferenz Österreichs mit europäischer Perspektive gelten.
NAMHAFTE VORTRAGENDE
Auf der Bühne standen Namen mit Gewicht: Christian Ehler und Marie-Agnes Strack-Zimmermann (beide EU-Parlament), Jo De Boeck (imec), Dominique Foray (EPFL Lausanne), Sabine Herlitschka (Infineon Austria/Industriellenvereinigung), Lars Reger (NXP Semiconductors) oder Natalie Guichard (Europäische Verteidigungsagentur, EDA). In 6 Plenary Sessions, 12 Workshops und 5 Side Events verhandelten Wissenschaft, Wirtschaft und Politik dieselben Fragen: resiliente Infrastrukturen, funktionierende Innovationsökosysteme, Dual-Use-Potenziale und technologische Souveränität – verstanden nicht als Autarkie, sondern als Fähigkeit, bei kritischen Technologien selbst zu entscheiden.
Was Europa an Wissen hat, fehlt ihm noch an Geschwindigkeit bei der Umsetzung.
Fotos und weitere Informationen: www.technology-talks-austria.at
10 Kernbotschaften
- Forschungs- und Innovationspotenzial in dauerhafte Stärke verwandeln: Europa verfügt über exzellente Forschung, innovative Start-ups und eine starke Industrie. Entscheidend ist, daraus global erfolgreiche Unternehmen und industrielle Wertschöpfung zu entwickeln.
- Mehr Geschwindigkeit: Im globalen Technologiewettbewerb wird Geschwindigkeit zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
- Auf europäische Stärken fokussieren: Europa muss nicht in jeder Technologie selbst führend sein, sondern sollte dort internationale Führungspositionen aufbauen, wo Exzellenz, industrielle Stärke und strategische Relevanz zusammenkommen.
- Resilienz von Beginn an mitdenken: Kritische Infrastrukturen und technologische Systeme müssen von Beginn an robust, anpassungsfähig und sicher gestaltet werden – diversifizierte Lieferketten, verlässlicher Zugang zu kritischen Technologien.
- Forschung und Industrie enger verbinden: Wissenschaftliche Exzellenz muss schneller in technologische und wirtschaftliche Wirkung übersetzt werden – durch durchgängige Transferpfade zwischen Universitäten, außeruniversitärer Forschung, Start-ups und Industrie.
- Mehr Wachstumskapital mobilisieren: Ein stärker integrierter europäischer Kapitalmarkt, mehr privates Wachstumskapital und attraktive Exit-Möglichkeiten sind entscheidend, damit innovative Unternehmen in Europa skalieren können.
- Europa als einen Markt denken: Technologieunternehmen brauchen einen europäischen Heimatmarkt. Dafür müssen nationale Fragmentierung und regulatorische Hürden reduziert und strategische Investitionen stärker europäisch koordiniert werden.
- Zugang zu kritischen Ressourcen sichern: Technologische Souveränität braucht verlässlichen Zugang zu kritischen Rohstoffen, Energie und Vorprodukten.
- Dual-Use-Potenziale strategisch berücksichtigen: Viele Schlüsseltechnologien sind sowohl für zivile als auch für Sicherheits- und Verteidigungsanwendungen relevant. Diese Wechselwirkungen sollten frühzeitig berücksichtigt werden.
- Technologische Souveränität stärken: Technologische Souveränität bedeutet nicht Autarkie, sondern die Fähigkeit Europas, bei kritischen Technologien selbstbestimmt zu entscheiden und zu handeln.

save the date
Nach der Konferenz ist vor der Konferenz: Die Technology Talks Austria 2027 finden am 9. und 10. September 2027 – wieder back to back mit dem FFG-Forum – im Wiener MuseumsQuartier statt.
„Science“ wird mit finanzieller Unterstützung in völliger Unabhängigkeit von der JUST-Redaktion inhaltlich gestaltet.
Fotos: Valerie Maltseva. Dieser Beitrag erschien in JUST Nº 46, Oktober 2026.




