Frauengesundheit erhält wenig Aufmerksamkeit – in Arztpraxen, im OP und in der medizinischen Forschung. Jahrzehntelang wurden Krankheitsbilder und Therapien vor allem an Männern erforscht. Ein Beispiel ist Harninkontinenz, von der zehn Prozent der österreichischen Bevölkerung betroffen sind – besonders häufig Frauen. Viele ziehen sich aus Scham aus Beruf und Sozialleben zurück – mit schwerwiegenden körperlichen, psychischen und volkswirtschaftlichen Folgen.
Eine schonende Therapieoption sind Pessare: kleine Einsätze, die die Position von Harnröhre, Blase und Gebärmutter so verändern, dass der Beckenboden besser unterstützt wird und sich die Beschwerden lindern. Simone Eder, Leiterin des Female-Health-Teams am RCPE, erklärt: Bisher waren nur wenige, starr definierte Formen und Größen verfügbar – ausgelegt auf die theoretische ‚Durchschnittspatientin‘, die es in der Realität kaum gibt.“
Mithilfe eines speziell adaptierten 3D-Druckverfahrens entwickelte Eder mit ihrem Team personalisierte Pessare aus flexiblen, medizinisch zugelassenen Polymeren, deren Form und mechanische Eigenschaften gezielt an Anatomie und Beschwerdebild angepasst werden können. „Die wenigen zugelassenen Kunststoffe druckbar zu machen, war eine anspruchsvolle materialwissenschaftliche und produktionstechnische Aufgabe“, führt Eder aus. Preisnominierungen und das Interesse von Industriepartnern zeigen: Personalisierte Frauengesundheit entwickelt sich zum Zukunftsfeld.




