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Per­fek­te Kris­tal­le für die Elek­tro­nik von morgen „backen“

Silizium war der Grundstoff des digitalen Zeitalters. Doch die nächste Generation energieeffizienter Elektronik braucht mehr: Materialien, die Hitze besser ableiten, höhere Spannungen ermöglichen und Schaltverluste minimieren. In Leoben entwickeln Forscher daher Siliziumcarbid-Kristalle – Bausteine für schnellere, robustere und klimafitte Leistungselektronik.

Lorenz Romaner ver­steht sich aufs Kuchen­ba­cken. Aller­dings nicht im her­kömm­li­chen Sinn. Der Werk­stoff­wis­sen­schaft­ler an der Mon­tan­uni­ver­si­tät Leoben beschäf­tigt sich nicht mit Mehl, Ei und Zucker, sondern mit Sili­zi­um­car­bid – einem Halb­lei­ter­ma­te­ri­al, das klas­si­sche Sili­zi­um­chips eines Tages in vielen Anwen­dun­gen ablösen könnte.

Kris­tall­zucht bei 2200 Grad

Das Her­stel­len der Kris­tal­le ähnelt eben dem Backen von Gugl­hupf und Co.: „Sili­zi­um­car­bid-Pulver wird in einen Ofen gescho­ben. Dessen Inneres ist mit rund 2200 Grad frei­lich deut­lich heißer als das, was man so in der Küche hat“, schil­dert der Wis­sen­schaft­ler. „An einer Stelle im Ofen, die gering­fü­gig kühler ist, wächst dann ein Kris­tall, der bis zu drei Zen­ti­me­ter hoch werden kann. Ist es so weit, wird der Ofen aus­ge­schal­tet und der „Kuchen“, sprich: der Kris­tall, her­aus­ge­nom­men.“ Die Back­zeit ist aller­dings lang: Bis der Kris­tall so richtig „auf­ge­gan­gen“ ist, können bis zu zwei Wochen ver­ge­hen. Für einen ein­zi­gen Kris­tall ist das viel Aufwand, ande­rer­seits kann man ein Exem­plar für die Pro­duk­ti­on sehr vieler Bau­tei­le ver­wen­den.

Die digi­ta­le Back­stu­be

Romaner leitet auch ein „Chris­ti­an-Doppler-Labor für com­pu­ter­ge­stütz­tes Design von Kris­tall­zucht­pro­zes­sen“. Der For­scher gibt einen Vor­ge­schmack darauf, was er und sein Team her­aus­zu­fin­den hoffen: „Wir wollen eru­ie­ren, wie die Vor­gän­ge im Ofen zu opti­mie­ren sind, sodass man einen per­fek­ten Kris­tall ohne Defekte züchten kann. Würde man eine Schal­tung mit einem defek­ten Kris­tall bauen, würde sie nicht oder nur sehr inef­fi­zi­ent funk­tio­nie­ren.“ Romaner und sein Team machen das mit Com­pu­tern und künst­li­cher Intel­li­genz.

„Wir simu­lie­ren den Her­stel­lungs­pro­zess von Kris­tal­len und beschrei­ben ihn vir­tu­ell, bis hin zu ato­ma­ren Län­gen­ska­len. Dafür ver­wen­den wir phy­sik­ba­sier­te Ansätze, also Glei­chun­gen, sowie daten­ge­trie­be­ne Metho­den, für die wir auf maschi­nel­les Lernen zurück­grei­fen.“

Wenn es gelingt, das Wachs­tum der Kris­tal­le auf diese Weise zu model­lie­ren, lassen sich sowohl der Zucht­pro­zess als auch der Ofen selbst opti­mie­ren. Und man könnte den Ofen in Echt­zeit steuern bzw. regu­lie­ren, um das gewünsch­te Ergeb­nis zu erzie­len.

Fazit

Warum sich die For­scher die Arbeit über­haupt antun? Schließ­lich wird schon gefühlt seit es elek­tri­sche Schal­tun­gen gibt, Sili­zi­um ver­wen­det, das weniger auf­wen­dig zu gewin­nen und außer­dem wesent­lich bil­li­ger ist als Sili­zi­um­car­bid? „Für Leis­tungs­elek­tro­nik eignet sich Sili­zi­um­car­bid einfach besser“, erklärt Romaner. Auf­grund der höheren Wär­me­leit­fä­hig­keit von Sili­zi­um­car­bid im Ver­gleich zu Sili­zi­um kann die Wärme, die bei allen elek­tri­schen Vor­gän­gen ensteht, leich­ter abge­lei­tet werden.

Vor allem aber sind höhere Span­nun­gen und höhere Schalt­fre­quen­zen möglich. „Damit ver­rin­gern sich auch die Leis­tungs­ver­lus­te“, so Romaner. Anwen­dun­gen sind unter anderem die Ansteue­rung des Antriebs von Elek­tro­fahr­zeu­gen oder die Wech­sel­rich­ter in Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen. Da soll noch einer sagen, dass die For­schung in Öster­reich nichts geba­cken kriegt …

www.unileoben.ac.at

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