JUST-Redaktion|

Kreis­lauf­wirt­schaft braucht einen Tech­no­lo­gie­sprung

Das Ziel ist hochgesteckt: Österreich soll – so die politische Vorgabe – zu einem Vorzeigeland in Sachen Ressourcenwende werden. Die Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützt die Entwicklung innovativer Technologien, die dazu beitragen, mit einem umfangreichen Förderpaket.

Zukunfts­wei­sen­de Tech­no­lo­gien und eine funk­tio­nie­ren­de Kreis­lauf­wirt­schaft sind der Schlüs­sel dafür, dass Öster­reich welt­weit zum Vor­rei­ter in Sachen Res­sour­cen­wen­de werden kann. Darüber waren sich auch die Vor­tra­gen­den bei einer Podi­ums­dis­kus­si­on einig, die die For­schungs­för­de­rungs­ge­sell­schaft FFG mit ihrer Geschäfts­füh­re­rin Karin Tausz in Wien ver­an­stal­te­te.

Was inno­va­ti­ve Tech­no­lo­gien betrifft, ruhen die Hoff­nun­gen auf Öster­reichs exzel­len­ter For­schung, auf starken Unter­neh­mens­part­nern und auf geziel­ten För­der­maß­nah­men. Die FFG hat daher eine eigene För­der­schie­ne eta­bliert und beglei­tet For­schungs­ein­rich­tun­gen sowie deren Unter­neh­mens­part­ner bei der Ent­wick­lung von Maß­nah­men für eine digi­ta­le, grüne und soziale Trans­for­ma­ti­on. Es wurden För­der­pa­ke­te geschnürt, die koope­ra­ti­ve For­schungs- und Ent­wick­lungs­pro­jek­te, Dienst­leis­tun­gen und Leit­pro­jek­te unter­stüt­zen. Je nach Umfang des Vor­ha­bens gibt es dafür bis zu mehrere Mil­lio­nen Euro.

Bei der Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung in Wien berich­te­ten Vero­ni­ka Wüster vom Verband Öster­rei­chi­scher Ent­sor­gungs­be­trie­be, Bettina Muster-Sla­witsch von AEE Intec und Chris­ti­an Leitner von Lukas Lang Buil­ding Tech­no­lo­gies unter anderem über Poten­zia­le der Kreis­lauf­wirt­schaft, neue Geschäfts­mo­del­le und gesell­schaft­li­che Anfor­de­run­gen. Die wich­tigs­te Frage: Wie kann es Öster­reich schaf­fen, inner­halb der nächs­ten 25 Jahre eine kreis­lauf­fä­hi­ge Wirt­schaft und eine roh­stoff­scho­nen­de Pro­duk­ti­on tat­säch­lich umzu­set­zen? Die För­de­run­gen durch die FFG sind jeden­falls ein uner­läss­li­cher Bau­stein dafür.

Vero­ni­ka Wüster spricht von einer „Zei­ten­wen­de im Umgang mit Res­sour­cen“: „Abfälle sind Roh­stof­fe am fal­schen Platz!“ Die Abfall­wirt­schaft habe allein im Vorjahr 600 Mil­lio­nen Euro in neue Recy­cling­an­la­gen und inno­va­ti­ve Tech­no­lo­gien inves­tiert. Öster­reich sei top, was Tren­nung, Samm­lung und Ver­wer­tung von Abfall betrifft. „Ambi­tio­nier­te Sam­mel­quo­ten und Recy­cling­zie­le treiben Inno­va­ti­on und Inves­ti­ti­on an, müssen aller­dings Hand in Hand gehen mit ver­bind­li­chen Vor­ga­ben zur Ver­wen­dung von Rezy­kla­ten in der Pro­duk­ti­on. Kreis­lauf­wirt­schaft kann sich flä­chen­de­ckend nur durch­set­zen, wenn Sekun­där­roh­stof­fe gegen­über Pri­mär­roh­stof­fen wett­be­werbs­fä­hig sind.“

Chris­ti­an Leitner spricht sich dafür aus, Gebäude an deren Lebens­en­de nicht abzu­rei­ßen und das Bau­ma­te­ri­al schad­stoff­in­ten­siv zu recy­celn, sondern schon bei der Planung von Neu­bau­ten einen „geord­ne­ten Rückbau“ mit­zu­den­ken. Die Ein­zel­ele­men­te müssen zer­stö­rungs­frei aus­ein­an­der­ge­nom­men und ohne Qua­li­täts­ver­lust neu zusam­men­ge­setzt werden können. Sprich: Die Pro­dukt­le­bens­zeit ist höher als die Lebens­zeit eines Gebäu­des. Das eröff­net auch neue Geschäfts­fel­der durch Ver­mie­tung oder Rück­kauf von Bau­tei­len, braucht aber Finan­zie­rungs­mo­del­le mit ent­spre­chen­den Anrei­zen, damit das Bauen wirt­schaft­lich attrak­tiv und gleich­zeitig nach­hal­tig ist.“

Bettina Muster-Sla­witsch nennt „schlan­ke Tech­no­lo­gien“ und das Erzie­len eine höheren Wert­schöp­fung aus Rest­stof­fen als Vor­aus­set­zun­gen für die Res­sour­cen­wen­de. Es müsse möglich sein, aus kom­ple­xen Aus­gangs­stof­fen in wenigen Pro­zess­schrit­ten nutz­ba­re Mate­ria­li­en herauszu­lösen und diese mit Mehr­wert zu ver­ar­bei­ten. ­Bei­spiel: „Treber, ein pro­te­in­hal­ti­ger Rück­stand bei der Bier­her­stel­lung, wird als Tier­fut­ter ver­wen­det. Ideal wäre aber, die Pro­te­ine zu lösen und hoch­wer­tig im Lebens­mit­tel­be­reich zu ver­ar­bei­ten, während der Rest zu Dün­ge­mit­teln sowie zu Tor­fer­satz­pro­duk­ten wird und die Import­ab­hän­gig­keit Öster­reichs in ­diesen Berei­chen redu­ziert.

www.ffg.at

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