Von KI-gestützter Herzdiagnostik über industrielle Wärmepumpen bis hin zu Halbleiterlösungen für KI-Rechenzentren: Die prämierten Unternehmen und Forschungseinrichtungen liefern nicht nur gute Ideen, sondern echte Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit.
Ein Preis, der erfreulicherweise nicht nur aus schönen Worten besteht
Innovation ist ein großes Wort. Man hört es oft, man liest es noch öfter, und gelegentlich wird es so freudig bemüht, dass man fast den Verdacht hegen könnte, schon die bloße Erwähnung sei eine wirtschaftspolitische Leistung.
Umso angenehmer, wenn ein Preis tatsächlich jene Projekte sichtbar macht, bei denen Innovation nicht bloß als Schlagwort dient, sondern als messbare, anwendbare und skalierbare Realität. Genau das tut der Innovationspreis Steiermark 2026.
Ausgezeichnet wurden heuer Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die in den beiden großen Transformationsfeldern unserer Zeit besonders überzeugen: Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Verliehen wurde der Preis von Wirtschafts- und Forschungslandesrat Willibald Ehrenhöfer, der damit Projekte vor den Vorhang holte, die technologische Exzellenz mit wirtschaftlicher Relevanz verbinden.
Denn die wirklich guten Innovationen erkennt man bekanntlich nicht daran, dass sie futuristisch klingen. Sondern daran, dass sie funktionieren.
Die Sieger im Überblick
Der Innovationspreis Steiermark wird in zwei Themenfeldern vergeben:
- Nachhaltigkeit
- Digitalisierung
Jeweils in drei Kategorien:
- Kleinst- und Kleinunternehmen
- Mittel- und Großunternehmen
- Institutionen der angewandten Forschung und Entwicklung
Die Auswahl erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren: Das Industriewissenschaftliche Institut (IWI) erstellte auf Basis definierter Innovationskriterien eine Shortlist mit jeweils drei Finalisten pro Kategorie. Die endgültige Entscheidung traf eine Fachjury unter dem Vorsitz von Infineon-Chefin Sabine Herlitschka.
„Der digitale Wandel und die grüne Transformation sind die beiden großen Veränderungen unserer Zeit. Viele steirische Unternehmen und Forschungseinrichtungen setzen in diesen Bereichen neue Maßstäbe und sind international Vorreiter. Das beweisen gerade die Preisträgerinnen und Preisträger des diesjährigen Innovationspreises Steiermark auf herausragende Art und Weise.“
Mit diesen Worten würdigte Wirtschafts- und Forschungslandesrat Willibald Ehrenhöfer die diesjährigen Gewinner. Sie stehen stellvertretend für jene Innovationskraft, die neue Geschäftsfelder erschließt, regionale Wertschöpfung stärkt und langfristig Arbeitsplätze schafft.
Nachhaltigkeit: Kleinst- und Kleinunternehmen
ECOLYTE GmbH gewinnt mit „VanillaFlow“
Die ECOLYTE GmbH wurde in der Kategorie Kleinst- und Kleinunternehmen für ihr Projekt „VanillaFlow“ausgezeichnet.
Im Zentrum steht die KI-getriebene Entwicklung stationärer, nachhaltiger und skalierbarer Energiespeicher. Ein Team aus drei Ländern arbeitet daran, sowohl die Komponenten als auch die Steuerung der Batterie mittels künstlicher Intelligenz zu optimieren. Ziel ist es, kritische Rohstoffe zu ersetzen, geopolitische Abhängigkeiten zu verringern und neue Wege für die Energiespeicherung zu eröffnen.
„VanillaFlow“ zeigt, wie Energiespeichertechnologie, KI und Nachhaltigkeit strategisch zusammenfinden. In einer Zeit, in der Energieversorgung, Rohstoffsicherheit und Resilienz längst auch industriepolitische Kategorien sind, ist das mehr als ein Forschungsprojekt – es ist ein Modell mit europäischer Tragweite.
Nachhaltigkeit: Mittel- und Großunternehmen
GIG Karasek GmbH überzeugt mit „CompriVAP“
Die GIG Karasek GmbH sicherte sich den Sieg in der Kategorie Mittel- und Großunternehmen mit dem Projekt „CompriVAP“.
Mit diesem System realisiert das Unternehmen die weltweit leistungsstärkste industrielle Wärmepumpe, die Abwärme in bis zu 50 MW CO₂-freien Prozessdampf umwandeln kann. Laut Projektbeschreibung lassen sich dadurch jährlich rund 100.000 Tonnen Emissionen einsparen.
„CompriVAP“ ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie industrielle Abwärme nicht länger als unvermeidlicher Nebeneffekt behandelt wird, sondern als wertvolle Ressource. So sieht Dekarbonisierung mit technischer Intelligenz und wirtschaftlicher Vernunft aus.
Nachhaltigkeit: Institutionen der angewandten F&E
Polymer Competence Center Leoben GmbH für kreislauffähige Luftfahrt-Materialien ausgezeichnet
In der Kategorie Institutionen der angewandten Forschung und Entwicklung gewann die Polymer Competence Center Leoben GmbH.
Ausgezeichnet wurde ein Projekt, das erstmals die wirtschaftliche und großtechnische Herstellung kreislauffähiger, faserverstärkter Verbundmaterialien für die Luftfahrt ermöglicht. Damit gelingt ein wesentlicher Schritt in Richtung nachhaltiger Hochleistungsmaterialien.
Gerade in der Luftfahrt zählen Leistung, Gewicht und Sicherheit – umso bemerkenswerter ist der Fortschritt hin zu recyclingfähigen Verbundwerkstoffen, die nicht nur technologisch überzeugen, sondern auch industriell skalierbar sind.
Digitalisierung: Kleinst- und Kleinunternehmen
arterioscope FlexCo bringt KI in die Herzdiagnostik
Die arterioscope FlexCo wurde in der Kategorie Kleinst- und Kleinunternehmen ausgezeichnet.
Das Unternehmen entwickelte eine cloudbasierte MedTech-Lösung, mit der Standard-EKGs KI-gestützt analysiertwerden können. Ziel ist die Ableitung kardiovaskulärer Biomarker, um insbesondere die Früherkennung von Herzinsuffizienz deutlich einfacher und breiter zugänglich zu machen.
Hier zeigt Digitalisierung ihren besten Charakter: nicht als Folie im Pitchdeck, sondern als konkrete Verbesserung medizinischer Versorgung. Wenn KI dabei hilft, Erkrankungen früher zu erkennen, wird Technologie plötzlich sehr menschlich.
Digitalisierung: Mittel- und Großunternehmen
AT&S AG entwickelt Schlüsseltechnologie für KI-Rechenzentren
Die AT&S AG gewann in der Kategorie Mittel- und Großunternehmen mit einem innovativen Verfahren zur Integration von Halbleitern in Leistungselektronik.
Die Technologie ermöglicht ultrakompakte und leistungsfähige Stromversorgungsmodule für Rechenzentren und adressiert damit direkt die steigenden Anforderungen moderner KI-Anwendungen.
Künstliche Intelligenz braucht nicht nur Rechenleistung, sondern auch eine belastbare Infrastruktur. AT&S liefert hier eine Schlüsselkomponente für jene digitale Grundversorgung, ohne die die großen Versprechen der KI rasch sehr warm und sehr theoretisch würden.
Digitalisierung: Institutionen der angewandten F&E
Montanuniversität Leoben setzt auf KI in der Fertigung
In der Kategorie Institutionen der angewandten Forschung und Entwicklung wurde die Montanuniversität Leobenausgezeichnet.
Im Fokus des Projekts steht die Erkennung von Materialfehlern bei der Bearbeitung von Metallteilen. Dafür werden KI-basierte Qualitätsüberwachungsmethoden eingesetzt, um Fehler direkt an der Werkzeugmaschine während der Produktion zu identifizieren.
Die intelligente Fabrik beginnt nicht beim Marketingslogan, sondern an der Maschine. Genau dort setzt dieses Projekt an: präziser, schneller, wirtschaftlicher – und damit als sehr steirische Form von Digitalisierung mit echtem Praxisnutzen.
Der Innovationspreis Steiermark 2026 zeigt einmal mehr, dass Innovationskraft in der Steiermark nicht in wohltemperierten Sonntagsreden lebt, sondern in Laboren, Produktionshallen, Entwicklungsabteilungen und dort, wo Technik wirtschaftlich wirksam wird.
Von nachhaltigen Energiespeichern über industrielle Wärmepumpen, von recyclingfähigen Luftfahrtmaterialienbis hin zu KI-gestützter Herzdiagnostik, Halbleitertechnologie und smarter Qualitätskontrolle in der Fertigung: Die ausgezeichneten Projekte machen sichtbar, wie breit und praxisnah Zukunft im Land bereits gebaut wird.
Oder, etwas weniger amtlich formuliert:
Die Zukunft kommt in der Steiermark selten mit Trompeten. Meist kommt sie als Batterie, Wärmepumpe, EKG-Analyse oder Werkzeugmaschine – und genau das macht sie glaubwürdig.




