JUST-Redaktion|

Inno­va­ti­ons­preis Stei­er­mark 2026: Sechs Pro­jek­te, die zeigen, wie Zukunft in der Stei­er­mark ent­steht

Der Innovationspreis Steiermark 2026 ist vergeben: Ausgezeichnet wurden sechs Projekte aus den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung, die exemplarisch zeigen, wie breit, konkret und wirtschaftlich relevant Innovation in der Steiermark heute gedacht wird.

Von KI-gestütz­ter Herz­dia­gnos­tik über indus­tri­el­le Wär­me­pum­pen bis hin zu Halb­lei­ter­lö­sun­gen für KI-Rechen­zen­tren: Die prä­mier­ten Unter­neh­men und For­schungs­ein­rich­tun­gen liefern nicht nur gute Ideen, sondern echte Ant­wor­ten auf die großen Fragen unserer Zeit.

Ein Preis, der erfreu­li­cher­wei­se nicht nur aus schönen Worten besteht

Inno­va­ti­on ist ein großes Wort. Man hört es oft, man liest es noch öfter, und gele­gent­lich wird es so freudig bemüht, dass man fast den Ver­dacht hegen könnte, schon die bloße Erwäh­nung sei eine wirt­schafts­po­li­ti­sche Leis­tung.

Umso ange­neh­mer, wenn ein Preis tat­säch­lich jene Pro­jek­te sicht­bar macht, bei denen Inno­va­ti­on nicht bloß als Schlag­wort dient, sondern als mess­ba­re, anwend­ba­re und ska­lier­ba­re Rea­li­tät. Genau das tut der Inno­va­ti­ons­preis Stei­er­mark 2026.

Aus­ge­zeich­net wurden heuer Unter­neh­men und For­schungs­ein­rich­tun­gen, die in den beiden großen Trans­for­ma­ti­ons­fel­dern unserer Zeit beson­ders über­zeu­gen: Nach­hal­tig­keit und Digi­ta­li­sie­rung. Ver­lie­hen wurde der Preis von Wirt­schafts- und For­schungs­lan­des­rat Wil­li­bald Ehren­hö­fer, der damit Pro­jek­te vor den Vorhang holte, die tech­no­lo­gi­sche Exzel­lenz mit wirt­schaft­li­cher Rele­vanz ver­bin­den.

Denn die wirk­lich guten Inno­va­tio­nen erkennt man bekannt­lich nicht daran, dass sie futu­ris­tisch klingen. Sondern daran, dass sie funk­tio­nie­ren.

Die Sieger im Über­blick

Der Inno­va­ti­ons­preis Stei­er­mark wird in zwei The­men­fel­dern ver­ge­ben:

  • Nach­hal­tig­keit
  • Digi­ta­li­sie­rung

Jeweils in drei Kate­go­rien:

  • Kleinst- und Klein­un­ter­neh­men
  • Mittel- und Groß­un­ter­neh­men
  • Insti­tu­tio­nen der ange­wand­ten For­schung und Ent­wick­lung

Die Auswahl erfolg­te in einem mehr­stu­fi­gen Ver­fah­ren: Das Indus­trie­wis­sen­schaft­li­che Insti­tut (IWI) erstell­te auf Basis defi­nier­ter Inno­va­ti­ons­kri­te­ri­en eine Short­list mit jeweils drei Fina­lis­ten pro Kate­go­rie. Die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung traf eine Fach­ju­ry unter dem Vorsitz von Infi­ne­on-Chefin Sabine Her­lit­sch­ka.

„Der digi­ta­le Wandel und die grüne Trans­for­ma­ti­on sind die beiden großen Ver­än­de­run­gen unserer Zeit. Viele stei­ri­sche Unter­neh­men und For­schungs­ein­rich­tun­gen setzen in diesen Berei­chen neue Maß­stä­be und sind inter­na­tio­nal Vor­rei­ter. Das bewei­sen gerade die Preis­trä­ge­rin­nen und Preis­trä­ger des dies­jäh­ri­gen Inno­va­ti­ons­prei­ses Stei­er­mark auf her­aus­ra­gen­de Art und Weise.“

Mit diesen Worten wür­dig­te Wirt­schafts- und For­schungs­lan­des­rat Wil­li­bald Ehren­hö­fer die dies­jäh­ri­gen Gewin­ner. Sie stehen stell­ver­tre­tend für jene Inno­va­ti­ons­kraft, die neue Geschäfts­fel­der erschließt, regio­na­le Wert­schöp­fung stärkt und lang­fris­tig Arbeits­plät­ze schafft.

Nach­hal­tig­keit: Kleinst- und Klein­un­ter­neh­men

ECOLYTE GmbH gewinnt mit „Vanil­laF­low“

Die ECOLYTE GmbH wurde in der Kate­go­rie Kleinst- und Klein­un­ter­neh­men für ihr Projekt „Vanil­laF­low“aus­ge­zeich­net.

Im Zentrum steht die KI-getrie­be­ne Ent­wick­lung sta­tio­nä­rer, nach­hal­ti­ger und ska­lier­ba­rer Ener­gie­spei­cher. Ein Team aus drei Ländern arbei­tet daran, sowohl die Kom­po­nen­ten als auch die Steue­rung der Bat­te­rie mittels künst­li­cher Intel­li­genz zu opti­mie­ren. Ziel ist es, kri­ti­sche Roh­stof­fe zu erset­zen, geo­po­li­ti­sche Abhän­gig­kei­ten zu ver­rin­gern und neue Wege für die Ener­gie­spei­che­rung zu eröff­nen.

„Vanil­laF­low“ zeigt, wie Ener­gie­spei­cher­tech­no­lo­gie, KI und Nach­hal­tig­keit stra­te­gisch zusam­men­fin­den. In einer Zeit, in der Ener­gie­ver­sor­gung, Roh­stoff­si­cher­heit und Resi­li­enz längst auch indus­trie­po­li­ti­sche Kate­go­rien sind, ist das mehr als ein For­schungs­pro­jekt – es ist ein Modell mit euro­päi­scher Trag­wei­te.

Nach­hal­tig­keit: Mittel- und Groß­un­ter­neh­men

GIG Karasek GmbH über­zeugt mit „Com­pri­VAP“

Die GIG Karasek GmbH sicher­te sich den Sieg in der Kate­go­rie Mittel- und Groß­un­ter­neh­men mit dem Projekt „Com­pri­VAP“.

Mit diesem System rea­li­siert das Unter­neh­men die welt­weit leis­tungs­stärks­te indus­tri­el­le Wär­me­pum­pe, die Abwärme in bis zu 50 MW CO₂-freien Pro­zess­dampf umwan­deln kann. Laut Pro­jekt­be­schrei­bung lassen sich dadurch jähr­lich rund 100.000 Tonnen Emis­sio­nen ein­spa­ren.

„Com­pri­VAP“ ist ein bemer­kens­wer­tes Bei­spiel dafür, wie indus­tri­el­le Abwärme nicht länger als unver­meid­li­cher Neben­ef­fekt behan­delt wird, sondern als wert­vol­le Res­sour­ce. So sieht Dekar­bo­ni­sie­rung mit tech­ni­scher Intel­li­genz und wirt­schaft­li­cher Ver­nunft aus.

Nach­hal­tig­keit: Insti­tu­tio­nen der ange­wand­ten F&E

Polymer Com­pe­tence Center Leoben GmbH für kreis­lauf­fä­hi­ge Luft­fahrt-Mate­ria­li­en aus­ge­zeich­net

In der Kate­go­rie Insti­tu­tio­nen der ange­wand­ten For­schung und Ent­wick­lung gewann die Polymer Com­pe­tence Center Leoben GmbH.

Aus­ge­zeich­net wurde ein Projekt, das erst­mals die wirt­schaft­li­che und groß­tech­ni­sche Her­stel­lung kreis­lauf­fä­hi­ger, faser­ver­stärk­ter Ver­bund­ma­te­ria­li­en für die Luft­fahrt ermög­licht. Damit gelingt ein wesent­li­cher Schritt in Rich­tung nach­hal­ti­ger Hoch­leis­tungs­ma­te­ria­li­en.

Gerade in der Luft­fahrt zählen Leis­tung, Gewicht und Sicher­heit – umso bemer­kens­wer­ter ist der Fort­schritt hin zu recy­cling­fä­hi­gen Ver­bund­werk­stof­fen, die nicht nur tech­no­lo­gisch über­zeu­gen, sondern auch indus­tri­ell ska­lier­bar sind.

Digi­ta­li­sie­rung: Kleinst- und Klein­un­ter­neh­men

arte­rio­scope FlexCo bringt KI in die Herz­dia­gnos­tik

Die arte­rio­scope FlexCo wurde in der Kate­go­rie Kleinst- und Klein­un­ter­neh­men aus­ge­zeich­net.

Das Unter­neh­men ent­wi­ckel­te eine cloud­ba­sier­te MedTech-Lösung, mit der Stan­dard-EKGs KI-gestützt ana­ly­siertwerden können. Ziel ist die Ablei­tung kar­dio­vas­ku­lä­rer Bio­mar­ker, um ins­be­son­de­re die Früh­erken­nung von Herz­in­suf­fi­zi­enz deut­lich ein­fa­cher und breiter zugäng­lich zu machen.

Hier zeigt Digi­ta­li­sie­rung ihren besten Cha­rak­ter: nicht als Folie im Pitch­deck, sondern als kon­kre­te Ver­bes­se­rung medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung. Wenn KI dabei hilft, Erkran­kun­gen früher zu erken­nen, wird Tech­no­lo­gie plötz­lich sehr mensch­lich.

Digi­ta­li­sie­rung: Mittel- und Groß­un­ter­neh­men

AT&S AG ent­wi­ckelt Schlüs­sel­tech­no­lo­gie für KI-Rechen­zen­tren

Die AT&S AG gewann in der Kate­go­rie Mittel- und Groß­un­ter­neh­men mit einem inno­va­ti­ven Ver­fah­ren zur Inte­gra­ti­on von Halb­lei­tern in Leis­tungs­elek­tro­nik.

Die Tech­no­lo­gie ermög­licht ultra­kom­pak­te und leis­tungs­fä­hi­ge Strom­ver­sor­gungs­mo­du­le für Rechen­zen­tren und adres­siert damit direkt die stei­gen­den Anfor­de­run­gen moder­ner KI-Anwen­dun­gen.

Künst­li­che Intel­li­genz braucht nicht nur Rechen­leis­tung, sondern auch eine belast­ba­re Infra­struk­tur. AT&S liefert hier eine Schlüs­sel­kom­po­nen­te für jene digi­ta­le Grund­ver­sor­gung, ohne die die großen Ver­spre­chen der KI rasch sehr warm und sehr theo­re­tisch würden.

Digi­ta­li­sie­rung: Insti­tu­tio­nen der ange­wand­ten F&E

Mon­tan­uni­ver­si­tät Leoben setzt auf KI in der Fer­ti­gung

In der Kate­go­rie Insti­tu­tio­nen der ange­wand­ten For­schung und Ent­wick­lung wurde die Mon­tan­uni­ver­si­tät Leobenaus­ge­zeich­net.

Im Fokus des Pro­jekts steht die Erken­nung von Mate­ri­al­feh­lern bei der Bear­bei­tung von Metall­tei­len. Dafür werden KI-basier­te Qua­li­täts­über­wa­chungs­me­tho­den ein­ge­setzt, um Fehler direkt an der Werk­zeug­ma­schi­ne während der Pro­duk­ti­on zu iden­ti­fi­zie­ren.

Die intel­li­gen­te Fabrik beginnt nicht beim Mar­ke­ting­slo­gan, sondern an der Maschi­ne. Genau dort setzt dieses Projekt an: prä­zi­ser, schnel­ler, wirt­schaft­li­cher – und damit als sehr stei­ri­sche Form von Digi­ta­li­sie­rung mit echtem Pra­xis­nut­zen.

Der Inno­va­ti­ons­preis Stei­er­mark 2026 zeigt einmal mehr, dass Inno­va­ti­ons­kraft in der Stei­er­mark nicht in wohl­tem­pe­rier­ten Sonn­tags­re­den lebt, sondern in Laboren, Pro­duk­ti­ons­hal­len, Ent­wick­lungs­ab­tei­lun­gen und dort, wo Technik wirt­schaft­lich wirksam wird.

Von nach­hal­ti­gen Ener­gie­spei­chern über indus­tri­el­le Wär­me­pum­pen, von recy­cling­fä­hi­gen Luft­fahrt­ma­te­ria­li­enbis hin zu KI-gestütz­ter Herz­dia­gnos­tik, Halb­lei­ter­tech­no­lo­gie und smarter Qua­li­täts­kon­trol­le in der Fer­ti­gung: Die aus­ge­zeich­ne­ten Pro­jek­te machen sicht­bar, wie breit und pra­xis­nah Zukunft im Land bereits gebaut wird.

Oder, etwas weniger amtlich for­mu­liert:
Die Zukunft kommt in der Stei­er­mark selten mit Trom­pe­ten. Meist kommt sie als Bat­te­rie, Wär­me­pum­pe, EKG-Analyse oder Werk­zeug­ma­schi­ne – und genau das macht sie glaub­wür­dig.

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