JUST-Redaktion|

Die geheim­nis­vol­len Gesund­ma­cher im Darm

Archaeen sind Mikroorganismen, die man bisher nur von Geysiren und Salzseen her kannte. Sie kommen aber auch im menschlichen Darm vor und dürften eine wichtige Rolle für die Gesundheit spielen. Das fand eine Forscherin der Grazer Med Uni heraus, der es erstmals gelang, eine spezielle Art dieser Einzeller im Labor zu züchten.

Archae­en sind Ein­zeller, die für die Wis­sen­schaft lange Zeit hin­durch als Bewoh­ner von extre­men Lebens­räu­men galten – etwa von heißen Quellen, Salz­seen oder vul­ka­ni­schen Bio­to­pen. Inzwi­schen weiß man jedoch, dass sich die urtüm­li­chen Ein­zeller auch im mensch­li­chen Körper wohl­füh­len. Vor allem im Darm schei­nen die Archae­en eine wich­ti­ge Rolle für die Gesund­heit zu spielen. Chris­ti­ne Moissl-Eichin­ger, Lei­te­rin der For­schungs­grup­pe Inter­ak­ti­ve Mikro­biom­for­schung an der Med Uni Graz, befasst sich seit mehr als zehn Jahren inten­siv mit diesen Mikro­or­ga­nis­men.

„Sie unter­stüt­zen die Darm­bak­te­ri­en unter anderem bei der Ver­dau­ung und Ver­wer­tung von Nahrung und sorgen dafür, dass diese effi­zi­ent arbei­ten können“, erklärt die For­sche­rin. Ihrem Team ist es erst­mals gelun­gen, eine beson­ders häufige Archae­en-Spezies zu kul­ti­vie­ren. Das ist ein wich­ti­ger Schritt, um Labor­ver­su­che durch­zu­füh­ren und weitere Erkennt­nis­se über Archae­en bzw. deren Ein­fluss auf Stoff­wech­sel­pro­zes­se zu gewin­nen.

Was man bisher weiß: „Per­so­nen mit einer hohen Anzahl an Archae­en sind im All­ge­mei­nen eher gesund, leben lang und haben einen gerin­gen Body-Mass-Index. Archae­en sind ein Hinweis auf ein sta­bi­les mikro­biel­les Gleich­ge­wicht im Darm.“ Bei Men­schen, die an ent­zünd­li­chen Darm­er­kran­kun­gen leiden, treten sie dagegen sel­te­ner auf. Gleich­zei­tig zeigen Studien jedoch, dass lokal erhöhte Archae­en-Kon­zen­tra­tio­nen unter anderem bei Darm­krebs oder bei Zahn­fleisch­ent­zün­dun­gen vor­kom­men. Die Schluss­fol­ge­rung der For­schen­den: Die Mikro­or­ga­nis­men könnten sowohl Indi­ka­to­ren als auch aktive Mit­spie­ler bei bestimm­ten Erkran­kun­gen sein.

Darüber hinaus haben Moissl-Eichin­ger und ihr Team ent­deckt, dass Archae­en in der Lage sind, mit ihrer Umge­bung zu kom­mu­ni­zie­ren. Das geschieht mit­hil­fe kleiner Bläs­chen, soge­nann­ter Vesikel, die Signal­mo­le­kü­le trans­por­tie­ren. „Diese Sub­stan­zen wirken mög­li­cher­wei­se sogar auf ent­fern­te Organe wie das Gehirn“, mutmaßt die For­sche­rin.

Archae­en könnten sich somit als Träger von the­ra­peu­ti­schen Sub­stan­zen eignen. „Die Vision sind per­so­na­li­sier­te The­ra­pien, die auf der geziel­ten Ver­än­de­rung von Archae­en basie­ren. Damit könnte man Stoff­wech­sel­pro­zes­se steuern, Krank­heits­ri­si­ken senken und die Gesund­heit fördern.“ Im Rahmen eines EU-Pro­jekts arbei­ten Moissl-Eichin­ger und ihr Team daran, durch ein bes­se­res Ver­ständ­nis der Archae­en dieser Vision einen Schritt näher zu kommen.

 

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