Rund ein Drittel der österreichischen Treibhausgasemissionen stammt aus der Industrie. Erneuerbare Gase, mehr Energieeffizienz und die Elektrifizierung von Prozessen sind wesentliche Hebel für ihre Reduzierung, doch nicht überall: Bei der Zement- und Kalkproduktion, der klassischen Stahlherstellung und der thermischen Abfallverwertung bleiben Emissionen, die sich nicht vollständig vermeiden lassen. Fachleute nennen diese Bereiche „hard to abate”, also schwer dekarbonisierbar.
CO2-SPEICHERUNG WIRD ZUM THEMA
Für solche Emissionen braucht es zusätzliche Lösungen: neue Herstellungsverfahren, die Abscheidung und Nutzung von CO2 für chemische Produkte (CCU) oder die dauerhafte Speicherung in geologischen Formationen (CCS, Carbon Capture and Storage). Im September 2026 hat die Bundesregierung einen Gesetzesentwurf in Begutachtung geschickt, der das seit 2011 geltende Verbot der CO2-Speicherung im Inland aufheben und einen Rechtsrahmen schaffen soll.
FÜNF DISSERTATIONEN, EIN GEMEINSAMES ZIEL
An der CHESS (CCUS & Hydrogen Systems Engineering School) greifen fünf Dissertationen aus den Bereichen Energiesysteme, Geologie, Stahlmetallurgie und chemische Industrie künftig eng ineinander: Sie untersuchen, welche Infrastruktur nötig sein wird, wie sich Untergrundspeicher für CO2 und Wasserstoff erschließen lassen und wie neue Katalysatoren die Umwandlung von CO2 und Wasserstoff in Synthesegas effizienter machen. Die Erkenntnisse fließen dann in die Bewertung industrieller Transformationspfade ein.
„Die Dekarbonisierung der Industrie wird nur gelingen, wenn wir Technologieentwicklung, Energie- und Infrastruktursysteme sowie die verantwortungsvolle Nutzung des geologischen Untergrunds gemeinsam denken“, so Thomas Kienberger vom Lehrstuhl für Energieverbundtechnik. „Mit CHESS schaffen wir dafür eine interdisziplinäre Forschungsplattform, die konkrete wissenschaftliche Grundlagen für die Transformation der Hard-to-abate-Industrien in Österreich erarbeitet.“
Der offizielle Startschuss fiel Ende September an der Montanuniversität Leoben. Ziel sind wissenschaftlich fundierte, technisch umsetzbare Lösungen für Bereiche, in denen Dekarbonisierung besonders anspruchsvoll ist.





