Sandro Ceroni|

72 h in Friuli Venezia Giulia: Zwi­schen Meer, Mosai­ken und Ribolla Gialla

Es gibt Regionen, die lauter sind als ihr Ruf – und andere, die leiser sprechen, aber tiefer. Friuli Venezia Giulia gehört zur zweiten Sorte: ein Stück Europa, das seine Schönheit im Understatement trägt.

Kein lautes Dolce Vita, sondern kul­ti­vier­te Ruhe zwi­schen den Alpen, den Dolo­mi­ten und der Adria. Jetzt, im Winter, wenn die Bora die Küste fegt und in den Trat­to­ri­en die Polenta dampft, zeigt sich diese Region von ihrer ehr­lichs­ten Seite: kon­tem­pla­tiv, cha­rak­ter­voll, köst­lich – ein Ort für jene, die Stille als Luxus ver­ste­hen.

Tag 1

Triest: Eleganz mit Patina

Triest ist kein Zufall. Es ist das Ergeb­nis von Jahr­hun­der­ten euro­päi­scher Ambi­tio­nen, ver­schüt­tet unter Schich­ten aus Lite­ra­tur, Kaffee und Melan­cho­lie. Der Tag beginnt im Caffè San Marco – halb Kaf­fee­haus, halb Kathe­dra­le des Denkens. Danach ein Spa­zier­gang über die Piazza Unità d’Italia, wo das Meer an die Fas­sa­den schlägt und Geschich­te sich spie­gelt wie Licht im Wasser.

Am Nach­mit­tag zieht es einen hinaus zum Cas­tel­lo di Mira­ma­re, das selbst im Dezem­ber so wirkt, als würde Maxi­mi­li­an gleich den Balkon öffnen. Zurück in der Stadt, ver­dich­tet sich die Stim­mung zwi­schen Kaffee, Salz und Stein – eine Mischung aus nor­di­scher Dis­zi­plin und süd­li­cher Wehmut.

Tag 2

Udine: Kultur, Küche, Kon­tem­pla­ti­on

Udine ist das stille Herz Friauls – aris­to­kra­tisch, kunst­ver­liebt, zurück­hal­tend. Auf der Piazza Libertà spürt man die Nähe ­Vene­digs – und die Distanz zu jeder Effekt­ha­sche­rei. Im Cas­tel­lo di Udine erzäh­len Tiepolo-Gemälde Geschich­ten von baro­cker Sehn­sucht, als würde Licht selbst pre­di­gen.

Mittags führt der Weg ins Vitello d’Oro, wo Hand­werk über Mode steht: Risotto, Wild, Rotwein – kein Theater, kein Tamtam, nur Können. Danach ein Spa­zier­gang durch die Arkaden der Via Mer­ca­to­vec­chio, wo Anti­qua­ria­te und Buch­hand­lun­gen den stillen Takt dieser Stadt bestim­men.

Tag 3

Gorizia und das Collio: Wo der Winter nach Wein duftet

Hinter Gorizia beginnt ein Land aus Nebel, Hügeln und Hand­schlag­qua­li­tät. Das Collio ist weniger ein Wein­bau­ge­biet als eine Denk­wei­se – über Geduld, Klima, Cha­rak­ter. In kleinen Kellern wird der Most geprüft, Holz gefasst, Schwei­gen gepflegt.

Zum Mittag kehrt man in eine der unschein­ba­ren Oste­ri­en ein, wo die Küche das sagt, was Worte nicht können: Wild­ra­gout, Polenta, ein Glas Friu­la­no Wein. Danach Spa­zier­gang über die Hügel, wo Reb­stö­cke aus­se­hen wie Noten­li­ni­en einer alten Par­ti­tur.
Auf den Rückweg kehrt man für einen Ape­ri­tivo auf den Sant’Antonio-Platz in Gorizia ein: Die Stadt am Isonzo-Fluss teilt sich mit Nova Gorica eine Grenze und beides sind Euro­päi­sche Kul­tur­haupt­stadt 2025. Und man ver­steht: Europa ist hier keine Idee – es ist gelebte Nach­bar­schaft.

 

 

 

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