Sandro Ceroni|

Stei­er­mark im Glas

Ein Nachmittag, vier Persönlichkeiten und neun Flaschen Freude.
Sylvia Graf und Friedrich Kleinhapl. Foto: Kirill Lialin
Bernhard Degen, Foto: Kirill Lialin
Sylvia Graf und Friedrich Kleinhapl. Foto: Kirill Lialin
Frank Spielmeyer, Foto: Kirill Lialin

Es gibt Wein­ver­kos­tun­gen, bei denen man schwei­gend vor sich hin pro­biert und tro­cke­ne Notizen schreibt. Und dann gibt es jene, bei denen man nach dem dritten Schluck sagt: „Okay … das ist jetzt gefähr­lich gut.“
Unsere fiel ein­deu­tig in die zweite Kate­go­rie.

Wir trafen uns im wun­der­schö­nen Ambi­en­te der his­to­ri­schen Bel­eta­ge des Almanac Palais Vienna – vier sehr unter­schied­li­che Men­schen, die eines ver­bin­det: Freude am Genuss. Fried­rich Klein­hapl, der sonst mit dem Cello große Säle füllt. Sylvia Graf, Stimme mit Charme und Tempo. Frank Spiel­mey­er, Gast­ge­ber mit Herz und Gespür. Und Bern­hard Degen, dessen Wein­sach­ver­stand sich mit einem ebenso tro­cke­nen wie freund­li­chen Humor paart. Keine lang­wei­li­gen Ana­ly­sen, keine Wein­glä­ser, die man minu­ten­lang schwenkt, um „Fos­si­li­en und Haus­wurz“ her­aus­zu­schme­cken. Einfach: Gläser füllen, riechen, pro­bie­ren, lachen – und staunen, was die Stei­er­mark inzwi­schen alles kann.

Ein pri­ckeln­der Anfang

Zuerst ein Mus­ka­tel­ler-Sekt, frisch, leben­dig – wie der erste Som­mer­tag, an dem man eigent­lich arbei­ten sollte, aber spontan auf der Ter­ras­se landet.
„Das ist ein Ape­ri­tif-Gefähr­te“, meinte Sylvia. „Da wird die Zeit plötz­lich weich.“
Der Blanc de Blancs danach: cre­mi­ger, ernster, fast schon elegant im Anzug statt im Lei­nen­hemd. Frank grinste: „So einer, der irgend­wann sagt: ‚Wir bestel­len noch eine Flasche, oder?‘“

Sau­vi­gnon Blanc –
die Stei­er­mark grüßt

Dann wurde es typisch stei­risch. Sau­vi­gnon. Bei Wohl­muth und Polz standen Frische und Klar­heit im Vor­der­grund – Weine, die man auch abends nach einer langen Woche öffnet und nach dem zweiten Glas denkt: „Warum habe ich heute nicht früher begon­nen?“
Tement und Skoff spiel­ten dann in jener Liga, in der man auto­ma­tisch lang­sa­mer trinkt. Nicht aus Pflicht­ge­fühl – aus Respekt. Komplex, tief, aber nicht kom­pli­ziert. Weine, die beein­dru­cken, ohne laut zu sein. „Das sind keine Weine für Eile,“ meinte Fried­rich. „Die spielen ihr eigenes Tempo.“

Zwei Grau­bur­gun­der,
zwei Welten

Dann kam ein schönes Duo. Süd­stei­er­mark: fein, duftig, würzig, fast tän­zelnd. Vul­kan­land: dichter, wür­zi­ger, fast ein Kamin-Wein. „Das ist, wie wenn zwei Cousins bei der Fami­li­en­fei­er auf­tau­chen“, sagte Bern­hard. „Der eine erzählt vom Berg­wan­dern, der andere vom per­fek­ten Espres­so in Triest.“ Beide sym­pa­thisch, keiner ver­sucht den anderen zu über­trump­fen – und genau das macht’s ange­nehm.

Und der Char­don­nay?

Der einzige seiner Art an diesem Tisch. Kräftig, elegant – und, ja, kurz dachte jemand „Burgund“ und dann wieder: „Nein. Das ist Stei­er­mark, so selbst­be­wusst, dass sie keinen Ver­gleich braucht.“ Ein Wein für beson­de­re Abende – oder für jene, die sich danach anfüh­len sollen.

Das Fazit?

Niemand ist als Som­me­lier gegan­gen. Niemand wollte einer sein. Wir haben gelacht, dis­ku­tiert, genos­sen. Manche Gläser wurden schnel­ler leer, manche ein zweites Mal gefüllt. Und irgend­wo zwi­schen dem ersten Pri­ckeln und dem letzten Char­don­nay wurde klar: Stei­ri­scher Wein kann alles – Frische, Struk­tur, Tiefe.
Aber am besten kann er eines: gute Gesell­schaft noch besser machen. Und darum ging es. Nicht um Töne von „Som­mer­re­gen auf Schie­fer­ge­stein“. Sondern um das Gefühl, wenn man gemein­sam sagt:
„Dieser Wein – der war einfach schön.“

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