Sirius Alex­an­der Pansi|

Das häss­li­che Entlein aus Kärnten

Wenn Perfektion berührt: über einen Koch, der seinen Weg aus der Außenseiterrolle in die Herzen seiner Gäste fand.
Fotocredit: Naxto Bassols
Fotocredit: Natxo Bassols
Fotocredit: Natxo Bassols
Fotocredit: Natxo Bassols

Es gibt Orte, an denen Per­fek­ti­on so all­ge­gen­wär­tig ist, dass sie fast steril wirkt. Wer schon einmal in der Osteria Fran­ce­sca­na in Modena gespeist hat, kennt diese makel­lo­se Welt: Jeder Teller ein Kunst­werk, jede Kom­po­nen­te präzise gesetzt, der Service tadel­los, das Ambi­en­te durch­dacht bis ins letzte Detail. Ein Erleb­nis, das den Ver­stand beein­druckt – aber mit­un­ter das Herz uner­reicht lässt. Denn wenn alles so glatt und feh­ler­los erscheint, fehlt jene Begeis­te­rung, die aus kleinen Brüchen und per­sön­li­chen Akzen­ten erwächst.

Mit genau dieser Erwar­tungs­hal­tung betrat ich das Fera in Palma, geführt von Simon Petut­s­ch­nig. Auch hier begeg­ne­te mir Per­fek­ti­on – doch sie war von einer anderen Art. Jeder Gang ein Meis­ter­werk, das den Gaumen über­rasch­te und die Mund­win­kel unwei­ger­lich nach oben zog. Aber was Fera von anderen Häusern der Spit­zen­klas­se unter­schei­det, ist eine spür­ba­re Herz­lich­keit, die sich durch jedes Detail zieht. Eine Atmo­sphä­re, die weit über das hin­aus­geht, was bloße Technik errei­chen kann. Und genau diese Energie machte mich neu­gie­rig: Was steckt dahin­ter?

Im Gespräch mit Simon Petut­s­ch­nig offen­bar­te sich eine Geschich­te, die weit ent­fernt ist von den übli­chen Kar­rie­ren der Haute Cuisine. Er war das sprich­wört­li­che häss­li­che Entlein, das nie ganz in seine Umge­bung passen wollte. Als Migrant aus Kärnten kam er nach Spanien – ohne die Sprache, ohne Netz­werk, nur mit dem Rüst­zeug klas­si­scher Koch­schu­len aus Öster­reich, Deutsch­land und Frank­reich. In Aus­bil­dung und Beruf blieb er lange ein Außen­sei­ter. Oft aus­ge­grenzt, musste er sich seinen Platz in einer fremden Welt mühsam erkämp­fen. Die Gefahr, in dieser Situa­ti­on die Lei­den­schaft zu ver­lie­ren oder in Routine zu erstar­ren, war stets präsent.

Doch Petut­s­ch­nig ließ sich nicht ent­mu­ti­gen. Mit außer­ge­wöhn­li­cher Hingabe, mit Respekt vor dem Produkt und einer tiefen Lei­den­schaft für die Fusion unter­schied­lichs­ter Koch­wel­ten ging er unbe­irrt seinen Weg – immer wieder die berühm­te Extramei­le. Aus der Erfah­rung des Aus­ge­schlos­sen­seins formte er eine innere Stärke, die heute nicht nur seine Küche prägt, sondern auch sein Team inspi­riert. Im Fera ist er nicht nur Küchen­chef, sondern Mentor und Vorbild – ein Mensch, der weiß, wie es ist, gegen den Strom zu schwim­men. Und genau das spürt man in jedem Teller.

Das Ergeb­nis ist eine Küche, die weit mehr ist als makel­lo­se Technik. Hier werden Gerich­te zu Erleb­nis­sen, die nicht nur schme­cken, sondern sich ein­prä­gen. Die Per­fek­ti­on auf dem Teller ist nie Selbst­zweck – sie ist Aus­druck einer Reise, geprägt von Mut, Aus­dau­er und echter Lei­den­schaft. Simon Petut­s­ch­nig ist in der Welt der Kuli­na­rik längst kein häss­li­ches Entlein mehr. Er ist ein Schwan – nicht nur elegant, sondern mit Tiefe, Cha­rak­ter und Haltung.

So ver­lässt man das Fera nicht nur satt und beein­druckt – sondern berührt. Mit dem Gefühl, dass Per­fek­ti­on erst dann voll­kom­men ist, wenn sie mit Herz gefüllt ist.

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