Weichenstellungen für eine Jahrhundertchance

Mit der „Area Süd“ entsteht der zweitgrößte Wirtschaftsraum Österreichs. Die Koralmbahn dient dabei als „Türöffner“ für mehr Wachstum, das weit über die eigentliche Bahntrasse hinausreicht.

Der Berg hat immer schon Weitsicht bewiesen. Nicht umsonst thronen am Gipfelgrat der Koralm gleich zwei Sendeanlagen – eine für den Rundfunk, die andere als Radaranlage. Die beiden an überdimensionale Golfbälle erinnernden Bauwerke können Symbol für eine neue Strahlkraft der Regionen auf beiden Seiten des Gebirgszugs werden.

Denn die Landesgrenze, die hier auf knapp 2000 Meter verläuft, verliert künftig ihre trennende Kraft. Vielmehr wachsen im Schatten der Sender die Steiermark und Kärnten zu einer der größten Wirtschaftsregionen Österreichs zusammen. Unter der Dachmarke „Area Süd“ entsteht ein Wirtschaftsraum, der ein knappes Drittel der Fläche Österreichs umfasst und in dem 1,8 Millionen Menschen und mehr als 50.000 Arbeitgeberbetriebe mit 730.000 Beschäftigten eine Wirtschaftsleistung von etwa 70 Milliarden Euro erbringen. In Zukunft sollen all diese Kennzahlen wachsen.

Der Grund für die Hoffnung liegt gut einen Kilometer tief mitten im Altkristallin des Berges: Eisenbahnschienen. Noch bis Dezember 2025 wird an der Koralmbahn gebaut, eine Hochgeschwindigkeitsstrecke, die – unter anderem dank 33 Kilometer langem Tunnel unter der Koralm – die Fahrzeit zwischen Graz und Klagenfurt künftig auf 45 Minuten zusammenschmelzen lässt. Das entspricht der Fahrt von Wiener Neustadt ins Zentrum von Wien. Im Fahrzeitvergleich wird die Strecke von Groß St. Florian in der Weststeiermark nach Graz dann nur noch der U-Bahn-Fahrt von Ottakring nach Simmering entsprechen, die Strecke Groß St. Florian–Klagenfurt der Strecke zwischen der neuen Seestadt und dem Karlsplatz.

In der „Area Süd“ verkürzen sich damit Distanzen und es vergrößern sich die Wachstumschancen. Rückgrat dieser Perspektive ist die Koralmbahn, ein milliardenschweres Mammutprojekt, mit dem für den gesamten südösterreichischen Raum die Weichen Richtung enormer Entwicklungsmöglichkeiten gelegt werden.

Aber nicht nur in den urbanen Ballungsräumen rund um die Landeshauptstädte Graz und Klagenfurt erwartet man sich durch den Lückenschluss Impulse. Bereits jetzt profitieren die industriell-gewerblichen Bezirke Deutschlandsberg und Wolfsberg, in der Folge rücken sämtliche ländliche Regionen ins Zentrum, das Gefälle zwischen Stadt und Land wird eingeebnet.

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