JUST-Redaktion|

Schlag­kraft ent­fes­seln: Was die stei­ri­sche Elektro- und Elek­tronik­in­dus­trie jetzt braucht

Ihre Technik steckt in Smartphones, Windkraftanlagen und Glasfasernetzen weltweit. EEI-Vorsitzende Karin Ronijak über Sichtbarkeit, Standortkosten, resiliente Lieferketten und fehlende Vorbilder für technische Berufe.

Von Elke Jauk-Offner

Welt­weit im Einsatz, täglich in unser aller Gebrauch: Die Pro­duk­te und Leis­tun­gen der stei­ri­schen Elektro- und Elek­tronik­in­dus­trie ver­die­nen mehr Sicht­bar­keit, sagt EEI-Vor­sit­zen­de Karin Ronijak. Um die Wett­be­werbs­fä­hig­keit für die Zukunft zu sichern, braucht es aller­dings weit mehr als das.

Die Elektro- und Elek­tronik­in­dus­trie gehört zu den größten und wert­schöp­fungs­stärks­ten Bran­chen der Stei­er­mark. Mit Unter­neh­men wie ams OSRAM, AT&S, TDK, SVI und MSG oder Andritz Hydro, Siemens Energy und ELIN Motoren ist sie ein zen­tra­ler Motor für Beschäf­ti­gung und Inno­va­ti­on.

Die Pro­duk­te sind im Alltag all­ge­gen­wär­tig, dennoch mangelt es den hei­mi­schen Leis­tun­gen an Sicht­bar­keit, gibt Karin Ronijak zu beden­ken. „Wir können stolz auf unsere Unter­neh­men sein“, betont die Vor­sit­zen­de der stei­ri­schen Elektro- und Elek­tronik­in­dus­trie, „viele Men­schen wissen aber gar nicht, dass zahl­rei­che Tech­no­lo­gien, die welt­weit genutzt werden, ihren Ursprung in der Stei­er­mark haben.“

Karin Ronijak, Vorsitzende der steirischen Elektro- und Elektronikindustrie
Karin Ronijak, Vor­sit­zen­de der stei­ri­schen Elektro- und Elek­tronik­in­dus­trie und Vice Pre­si­dent, Global Head of Public Funding, ams OSRAM Group. Foto: ams-osram

Stei­ri­sche Technik, welt­weit im Alltag

Die Glas­fa­ser­ka­bel von PENGG Kabel schaf­fen von St. Barbara im Mürztal aus die Grund­la­ge für digi­ta­le Anwen­dun­gen – von Video­te­le­fo­nie und Strea­ming bis hin zu moder­nen KI-Lösun­gen.

Pie­zo­cryst Advan­ced Sen­so­rics ent­wi­ckelt hoch­prä­zi­se Sen­so­ren für Motoren, Tur­bi­nen und Indus­trie­an­la­gen. Ein spe­zi­ell in Graz gezüch­te­ter, welt­weit ein­ge­setz­ter Kris­tall ermög­licht dabei Mes­sun­gen unter extre­men Bedin­gun­gen.

Das Ligis­ter Unter­neh­men Miba Cooling Austria unter­stützt mit inno­va­ti­ver Kühl­tech­no­lo­gie für Leis­tungs­elek­tro­nik Wind­kraft­an­la­gen, Ener­gie­spei­cher und Strom­net­ze auf der ganzen Welt.

Kühlkörper für Leistungselektronik von Miba Cooling Austria
Mit Kühl­tech­no­lo­gie für Leis­tungs­elek­tro­nik unter­stützt Miba Cooling Austria Wind­kraft­an­la­gen, Ener­gie­spei­cher und Strom­net­ze welt­weit. Foto: Hermann Wakol­bin­ger

Men­schen welt­weit nutzen von Smart­phones bis Smart­wat­ches täglich Mil­li­ar­den von Geräten, die dank Tech­no­lo­gie von Welt­markt­füh­rer ams OSRAM aus Prem­stät­ten intel­li­gen­ter werden.

„Die stei­ri­sche Elektro- und Elek­tronik­in­dus­trie prägt unseren Alltag in vielen Berei­chen – und doch ist vielen gar nicht bewusst, wie eng sie mit unserem täg­li­chen Leben ver­bun­den ist.“

Karin Ronijak, Vor­sit­zen­de der stei­ri­schen Elektro- und Elek­tronik­in­dus­trie

Der Preis des Stand­orts

Die stei­ri­schen Unter­neh­men kon­kur­rie­ren dabei aber mit Anbie­tern aus Europa, Nord­ame­ri­ka und Asien. Energie- und Arbeits­kos­ten sowie Regu­la­to­ri­en spielen bei Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dun­gen eine zen­tra­le Rolle.

„Wett­be­werbs­fä­hig­keit ent­schei­det sich heute immer stärker im inter­na­tio­na­len Ver­gleich“, sagt Ronijak, „Öster­reich verfügt über hoch­qua­li­fi­zier­te Arbeits­kräf­te und potente Unter­neh­men, gleich­zei­tig sind die Kosten am Stand­ort hoch. Umso wich­ti­ger sind Rah­men­be­din­gun­gen und Anreize, die Inves­ti­tio­nen und indus­tri­el­le Wert­schöp­fung ermög­li­chen.“

Bauteile CeraCharge von TDK Electronics, Festkörper-Akkumulator in SMD-Technologie
Der Bauteil Cer­aChar­ge von TDK Elec­tro­nics ist der welt­weit erste wieder auf­lad­ba­re Fest­kör­per-Akku­mu­la­tor in SMD-Tech­no­lo­gie. Foto: Chris­ti­an Jung­wirth

In der Mikro­elek­tro­nik bei­spiels­wei­se ent­fal­ten Inves­ti­tio­nen eine Wirkung, die über ein­zel­ne Unter­neh­men und Länder deut­lich hin­aus­geht. Eine Studie des Indus­trie­wis­sen­schaft­li­chen Insti­tuts hat den Mul­ti­pli­ka­tor von 2,3 in Sachen Pro­duk­ti­ons­wert errech­net: Eine Million Euro an Inves­ti­ti­ons­vo­lu­men löst demnach direkt, indi­rekt und indu­ziert ins­ge­samt 2,3 Mil­lio­nen Euro Pro­duk­ti­ons­wert aus – und das im In- und benach­bar­ten Ausland.

Weil Wert­schöp­fungs­ket­ten grenz­über­schrei­tend funk­tio­nie­ren, pro­fi­tie­ren unter­schied­li­che Stand­or­te von Inves­ti­tio­nen in Hoch­tech­no­lo­gie.

Resi­li­enz von Lie­fer­ket­ten

Gleich­zei­tig ist die Resi­li­enz solcher Wert­schöp­fungs­ket­ten stärker in den Fokus gerückt. „Die globale Arbeits­tei­lung macht die Pro­duk­ti­on effi­zi­ent“, sagt Ronijak, „aber: Ein Mikro­chip durch­läuft oft zahl­rei­che Pro­duk­ti­ons­schrit­te in unter­schied­li­chen Fabri­ken rund um die Welt.“

Die Erfah­run­gen der ver­gan­ge­nen Jahre hätten gezeigt, wie eng ver­netzt moderne Lie­fer­ket­ten sind und welche Bedeu­tung eine ver­läss­li­che Ver­sor­gung mit Roh­stof­fen, Energie und Schlüs­sel­tech­no­lo­gien für den Indus­trie­stand­ort hat. Auch in der Mikro­elek­tro­nik sei deut­lich gewor­den, dass bestimm­te Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten heute vor allem außer­halb Europas ange­sie­delt sind.

„Die zeit­wei­sen Chip­eng­päs­se hätten die Dis­kus­si­on über die euro­päi­sche Wett­be­werbs­fä­hig­keit und den Ausbau eigener Fer­ti­gungs­ka­pa­zi­tä­ten zusätz­lich beför­dert. Dabei ging es nicht nur um moderns­te Hoch­leis­tungs­chips, sondern auch um eta­blier­te Tech­no­lo­gien, die für zahl­rei­che Anwen­dun­gen benö­tigt werden.“

Elektromotoren und Generatoren in der Produktionshalle von ELIN Motoren
Elek­tro­mo­to­ren und Gene­ra­to­ren aus dem Pro­dukt­port­fo­lio von ELIN Motoren. Foto: ELIN Motoren

Vor­bil­der für die Technik von morgen

Die Marsch­rich­tung ist daher klar: „Die Stei­er­mark hat ein starkes indus­tri­el­les Fun­da­ment. Jetzt geht es darum, dieses Zusam­men­spiel aus Indus­trie, For­schung und Aus­bil­dung wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und damit die Wett­be­werbs­fä­hig­keit des Stand­orts lang­fris­tig abzu­si­chern.

Ein wett­be­werbs­fä­hi­ger Indus­trie­stand­ort braucht ein starkes Öko­sys­tem aus Unter­neh­men, For­schungs­ein­rich­tun­gen, Hoch- und Fach­hoch­schu­len – und auch Schulen. Eine starke MINT-Aus­bil­dung beginnt nicht erst an der Uni­ver­si­tät. Tech­ni­sche Berufe brau­chen mehr Sicht­bar­keit und schon früh mehr greif­ba­re Vor­bil­der.

Wer kennt schon einen Ver­fah­rens­tech­ni­ker oder einen Pro­zes­s­in­ge­nieur? Dabei sind es genau diese Fach­kräf­te, die Tech­no­lo­gien ent­wi­ckeln und damit die Grund­la­ge für viele Anwen­dun­gen von morgen schaf­fen.“

Short & sweet

  • Die stei­ri­sche Elektro- und Elek­tronik­in­dus­trie (EEI) zählt mit 64 Mit­glieds­be­trie­ben, über 19.000 Beschäf­tig­ten und 210 Lehr­lin­gen zu den wich­tigs­ten indus­tri­el­len Arbeit­ge­bern des Landes.
  • Nach der Metall­tech­ni­schen Indus­trie sowie neben der Fahr­zeug­indus­trie gehört sie zu den größten und wert­schöp­fungs­stärks­ten Bran­chen der Stei­er­mark.
  • Mit Unter­neh­men wie ams OSRAM, AT&S, TDK, SVI und MSG oder Andritz Hydro, Siemens Energy und ELIN Motoren ist sie ein zen­tra­ler Motor für Beschäf­ti­gung, Inno­va­ti­on und Wohl­stand.
  • Eine Million Euro an Inves­ti­ti­ons­vo­lu­men löst laut IWI-Studie direkt, indi­rekt und indu­ziert einen Pro­duk­ti­ons­wert von 2,3 Mil­lio­nen Euro im In- und benach­bar­ten Ausland aus.
  • Pie­zo­cryst Advan­ced Sen­so­rics züchtet in Graz einen spe­zi­el­len Kris­tall, der welt­weit ein­ge­setzt wird und Mes­sun­gen unter extre­men Bedin­gun­gen ermög­licht.

wko.at/stmk/eei
ams OSRAM, PENGG Kabel, AT&S, TDK, SVI, MSG, Andritz Hydro, Siemens Energy, ELIN Motoren, Pie­zo­cryst Advan­ced Sen­so­rics, Miba Cooling Austria

 

Fotos: AT&S AG/Werner Krug, Chris­ti­an Jung­wirth, ams-osram, ELIN Motoren, Hermann Wakol­bin­ger. Dieser Beitrag erschien in JUST Nº 46, Oktober 2026.

Weitere Beiträge
Alban Pfutscheller

SPA-Hotel Jagdhof auf Erfolgs­kurs

Die Erfolgs­se­rie des SPA-Hotel Jagdhof im Stu­bai­tal reißt nicht ab. Im Rahmen der dies­jäh­ri­gen Award-Gala am 11. Oktober im renom­mier­ten Hotel Kitzhof wurde der Jagdhof zu einem der besten Hotels Öster­reichs 2027 gekürt.

Story lesen

Pandora und Pat McGrath feiern die Kraft der Farbe

In diesem Herbst zeigt Pandora, dass es keine Grau­zo­nen gibt, wenn es darum geht, zu zeigen, wer man ist. Mit der Ein­füh­rung einer aus­drucks­star­ken Kol­lek­ti­on, die gemein­sam mit Dame Pat McGrath ent­wi­ckelt wurde, der legen­dä­ren Make-up-Artis­tin, die seit über zwei Jahr­zehn­ten Lauf­ste­ge prägt und globale Trends inspi­riert, setzt Pandora ein starkes Zeichen.

Story lesen