Sirius Alex­an­der Pansi|

Mut: Die unter­schätz­te Zumu­tung

Mut, dieses seltsame Wort. Es klingt nach Operette, Siegerpose und gelegentlichem Pathos – aber wer kennt ihn heute noch als Kraft der Erneuerung?

Die meisten ver­bin­den ihn mit Hel­den­tum, als wäre der Alltag ein Aben­teu­er­park. In Wahr­heit ist Mut oft nur das leise Nein zu den eigenen Aus­re­den. Europa, dieser pracht­voll ein­ge­rich­te­te Kon­ti­nent, hat es sich zwi­schen Regu­lie­rung und Rhe­to­rik gemüt­lich gemacht wie in einem Well­ness­ho­tel mit Halb­pen­si­on. Der Fort­schritt ist ord­nungs­ge­mäß regis­triert, sta­tis­tisch erfasst und mit Stempel ver­se­hen – doch wenn der Zug der Zeit abfährt, steht er noch am Bahn­steig und füllt For­mu­la­re aus.

Wohl­stand wirkt wie ein Seda­tiv­um: Mit jedem Jahr mehr Komfort ver­ges­sen wir, dass Sta­bi­li­tät eine Aufgabe ist, kein Ruhe­zu­stand. Wir erhöhen Steuern, wo wir Inno­va­ti­on bräuch­ten, dis­ku­tie­ren Arbeits­zeit­ver­kür­zung, während uns die Arbeits­kräf­te aus­ge­hen, und haben eine neue Lieb­lings­dis­zi­plin erfun­den – das Ver­ta­gen. Doch das eigent­li­che Gift heißt nicht Risiko, sondern Träg­heit: jener bequeme Still­stand, der sich als Sicher­heit tarnt.

Gefähr­lich ist nicht der Wandel, sondern der Verlust des Willens zur Ver­bes­se­rung. In einer Zeit, in der Europa schrumpft und Asien wächst, inves­tie­ren wir lieber in verbale Umsicht als in echte Pro­jek­te. Ren­ten­mo­del­le werden sorg­fäl­ti­ger gepflegt als Zukunfts­fel­der. Das euro­päi­sche Motto scheint zu lauten: „Wenn’s leicht geht, wird’s ver­scho­ben.“

Mut zur Eigen­ver­ant­wor­tung hieße, die Alters­py­ra­mi­de endlich ernst zu nehmen, Pen­si­ons­sys­te­me zu sanie­ren und Eigen­vor­sor­ge nicht als neo­li­be­ra­le Krän­kung zu betrach­ten. Mut zur Öffnung bedeu­te­te, Talente anzu­zie­hen statt zu ver­trei­ben, Kapital zu mobi­li­sie­ren statt zu parken. Und Mut zur Effi­zi­enz hieße, Pro­duk­ti­vi­tät wieder wich­ti­ger zu nehmen als Pro­to­kol­le – weniger Fei­er­ta­ge, mehr Zukunft.

Mut ist kein Hel­den­tum, sondern Hand­werk. Es braucht keine Heroen, sondern Men­schen, die handeln statt hoffen. Poli­ti­ker, die Refor­men nicht als Bedro­hung, sondern als Auftrag ver­ste­hen; Unter­neh­me­rin­nen, die För­de­run­gen nicht als Sitz­ge­le­gen­heit begrei­fen, sondern als Start­schuss. Mut ist die Bereit­schaft, die Gegen­wart zu kor­ri­gie­ren, bevor sie sich ver­fes­tigt – von der Vor­stands­eta­ge bis ins Klas­sen­zim­mer, vom Minis­te­ri­um bis zur Werk­statt.

Wir inves­tie­ren spät, zöger­lich und gern auf Pump. Wir reagie­ren, wenn andere schon agieren, und schi­cken Bitten nach Brüssel, wenn wir selbst ent­schei­den müssten. Mut hieße, Energie, Bildung, Ver­tei­di­gung und Kapital endlich euro­pä­isch zu denken und natio­nal umzu­set­zen. Mut hieße auch, Leis­tung zu reha­bi­li­tie­ren – nicht als mora­li­sche Zumu­tung, sondern als Quelle von Würde. Arbeit ist keine Strafe, sondern der Grund­stoff jeder Gesell­schaft.

Fort­schritt ist kein Feu­er­werk, sondern der nüch­ter­ne Ent­schluss, nicht ste­hen­zu­blei­ben. Inno­va­ti­on lebt vom Irrtum; Fehler sind keine Pannen, sondern Beweise von Bewe­gung. Routine war noch nie auf­re­gend. Erfolg darf sicht­bar sein – nicht aus Eitel­keit, sondern weil Leis­tung anste­ckend ist.

Wohl­stand ist, was zwi­schen zwei Jau­sen­pau­sen pas­siert. Wer ihn garan­tiert sieht, ver­lernt, ihn zu ver­die­nen. Ein starker Sozi­al­staat bleibt die Basis, doch ohne Eigen­ver­ant­wor­tung wird aus Sicher­heit Still­stand. Europa braucht weniger Plan und mehr Bewe­gung. Öster­reich weniger Sicher­heits­den­ken, mehr Auf­bruch. Mut ist die Währung der Zukunft – und die ver­liert nur dort an Wert, wo man sie hortet. Inves­tie­ren wir also in Men­schen, Ideen und die leise Kunst, das Unge­wöhn­li­che zu wagen

Mut ist die unschein­bars­te aller Res­sour­cen: schwer zu fördern, leicht zu ver­lie­ren.

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