Stefan Gurmann|

Just Busi­ness Law — Gericht oder Schieds­ge­richt?

Wer internationale Verträge abschließt, muss nicht nur Inhalte und Konditionen verhandeln, sondern auch der Frage des Streitbeilegungsmechanismus besondere Aufmerksamkeit schenken. Soll im Konfliktfall ein staatliches Gericht entscheiden oder ein Schiedsgericht?

Die Antwort hängt von zahl­rei­chen Fak­to­ren ab – recht­li­chen, prak­ti­schen und stra­te­gi­schen.

Staat­li­che Gerich­te in Öster­reich genie­ßen einen aus­ge­zeich­ne­ten Ruf: Ver­fah­ren ver­lau­fen im inter­na­tio­na­len Ver­gleich geord­net, zeit­lich effi­zi­ent und mit hoher rechts­staat­li­cher Qua­li­tät. Dennoch kann ein Schieds­ver­fah­ren, ins­be­son­de­re bei grenz­über­schrei­ten­den Sach­ver­hal­ten, ent­schei­den­de Vor­tei­le bieten. Schieds­klau­seln ermög­li­chen fle­xi­ble Lösun­gen, etwa durch die Wahl neu­tra­len Ver­fah­rens­rechts, eines unab­hän­gi­gen Schieds­fo­rums oder einer gemein­sa­men Ver­fah­rens­spra­che.

Zudem sind Schieds­sprü­che inter­na­tio­nal oft leich­ter voll­streck­bar als Urteile staat­li­cher Gerich­te. Unter­neh­men schät­zen auch die Ver­trau­lich­keit, die Spe­zia­li­sie­rung der Schieds­rich­ter und die Mög­lich­keit kon­zen­trier­ter Ver­fah­rens­füh­rung.

Gleich­zei­tig birgt das Schieds­ver­fah­ren Risiken: ein­ge­schränk­te Anfecht­bar­keit, Kos­ten­in­ten­si­tät und poten­zi­el­le Zustän­dig­keits­strei­tig­kei­ten.

Der OGH hat kürz­lich klar­ge­stellt, dass staat­li­che Gerich­te nicht befugt sind, das (Nicht-)Bestehen einer Schieds­ver­ein­ba­rung im Rahmen einer iso­lier­ten Klage fest­zu­stel­len. Damit wird die Eigen­stän­dig­keit der Schieds­ge­richts­bar­keit unter­stri­chen und die Bedeu­tung einer durch­dach­ten Schieds­klau­sel einmal mehr her­vor­ge­ho­ben.

Eine Haftung auf­grund der zur Ver­fü­gung gestell­ten Infor­ma­ti­on ist aus­ge­schlos­sen.

Rück­fra­gen: gurmann@ra-gurmann.at

 

Weitere Beiträge

Ami­ran­des Resort: Wo Meer und Mythos zusam­men­flie­ßen

Die älteste Hoch­kul­tur Europas ist zugleich eine der rät­sel­haf­tes­ten. Die Minoer hin­ter­lie­ßen Paläste, Kunst­hand­werk und aus­ge­klü­gel­te Wasser- und Licht­sys­te­me – doch ihre hie­ro­gly­phen­ar­ti­ge Schrift ist nie voll­stän­dig ent­schlüs­selt worden. Inspi­riert von diesem Erbe erhebt sich das ganz­jäh­rig geöff­ne­te Ami­ran­des wie ein minoi­scher Was­ser­pa­last an Kretas Nord­küs­te.

Story lesen

Neuer Rekord bei stei­ri­schen Neu­grün­dun­gen

Mit 5.184 Neu­grün­dun­gen wurde in der Stei­er­mark im Vorjahr ein his­to­ri­scher Höchst­wert erreicht. Erst­mals über­schritt die Zahl der Unter­neh­mens­grün­dun­gen die 5.000er-Marke – ein starkes Signal für unter­neh­me­ri­schen Mut, Inno­va­ti­ons­kraft und wirt­schaft­li­che Zuver­sicht.

Story lesen

Ami­ran­des Resort: Wo Meer und Mythos zusam­men­flie­ßen

Die älteste Hoch­kul­tur Europas ist zugleich eine der rät­sel­haf­tes­ten. Die Minoer hin­ter­lie­ßen Paläste, Kunst­hand­werk und aus­ge­klü­gel­te Wasser- und Licht­sys­te­me – doch ihre hie­ro­gly­phen­ar­ti­ge Schrift ist nie voll­stän­dig ent­schlüs­selt worden. Inspi­riert von diesem Erbe erhebt sich das ganz­jäh­rig geöff­ne­te Ami­ran­des wie ein minoi­scher Was­ser­pa­last an Kretas Nord­küs­te.

Story lesen