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Auf dem Weg zur Metro­pol­re­gi­on

Die Koralmbahn, die die Zentralräume Graz und Klagenfurt miteinander verbindet, ist bald fertig und bringt den zweitgrößten Ballungsraum Österreichs hervor. Dies bildet eine neue Metropol­region mit internationaler Stellung. Doch welche Möglichkeiten ergeben sich aus dieser Konstellation?
Fotocredit: Verena Kaiser

Josef Herk und Jürgen Mandl, die Prä­si­den­ten der Wirt­schafts­kam­mern von Stei­er­mark und Kärnten, über die Mög­lich­kei­ten, die sich durch diese neue Ver­bin­dung eröff­nen.

Die Kor­alm­bahn, die Graz und Kla­gen­furt mit­ein­an­der ver­bin­det, wird vor­aus­sicht­lich Ende 2025 in Betrieb gehen. Was sind die Impli­ka­tio­nen für die Region und welche Chancen ergeben sich daraus?

Herk / Die Vor­tei­le für beide Bun­des­län­der sind offen­sicht­lich: Neben der Ent­ste­hung einer neuen Metro­pol­re­gi­on pro­fi­tiert die Stei­er­mark ins­be­son­de­re von ihrer Rolle als Bin­de­glied für die zukünf­ti­ge Bal­tisch-Adria­ti­sche Achse. Sie wird das Land über den sich im Bau befind­li­chen Sem­me­ring­tun­nel bis zur Ostsee ver­bin­den. Hinzu kommt eine Ver­stär­kung der Bahn­ver­bin­dung nach Norden durch den geplan­ten Ausbau der Pyhrn-Schober-Achse. „Für uns bedeu­tet die Kor­alm­bahn einen Quan­ten­sprung, der ange­sichts der langen und nahezu fahr­läs­si­gen Ver­nach­läs­si­gung des Südens in Bezug auf die Infra­struk­tur längst über­fäl­lig ist.

Mandl / Für Kärnten bedeu­tet die Kor­alm­bahn nicht nur eine deut­li­che Ver­bes­se­rung der Anbin­dung an Graz im Osten, sondern auch an das Mit­tel­meer im Süden mit dem zukünf­ti­gen Zoll­kor­ri­dor vom Hafen Triest zur neuen Logis­tik­dreh­schei­be LCA Süd bei Villach. Mit­tel­fris­tig streben wir in der AREA SUED den Aufbau einer Green-Tech-Region an, in der wir unsere natür­li­chen Res­sour­cen und das enorme unter­neh­me­ri­sche Know-how im Umwelt­be­reich nutzen, um eine euro­päi­sche Modell­re­gi­on für erneu­er­ba­re Energie zu schaf­fen.

„AREA SUED“ erstreckt sich über ein erheb­li­ches Gebiet und beher­bergt eine Viel­zahl von Men­schen und Unter­neh­men. Wie sehen die kon­kre­ten Pläne für die Ent­wick­lung dieses neuen Wirt­schafts­raums aus?

Mandl / Wir werden die bestehen­den Koope­ra­tio­nen aus­bau­en und die Infra­struk­tur, die IKT-Infra­struk­tur und die Bil­dungs­land­schaft stärken. Die Abstim­mung der regio­nal- und wirt­schafts­po­li­ti­schen Agenden ist eben­falls von großer Bedeu­tung.

Herk / Die AREA SUED wird der zweit­größ­te Bal­lungs­raum in Öster­reich nach Wien sein und wird sich den fünf größten Metro­pol­re­gio­nen im deutsch­spra­chi­gen Raum anschlie­ßen. Wir wollen die Region als Metro­pol­re­gi­on posi­tio­nie­ren und die Lebens­qua­li­tät als gemein­sa­mes Gut her­vor­he­ben.

Welche Her­aus­for­de­run­gen sehen Sie auf dem Weg zur Rea­li­sie­rung dieses neuen Wirt­schafts­raums?

Herk / Eine große Her­aus­for­de­rung ist die demo­gra­fi­sche Situa­ti­on in Süd­ös­ter­reich. Beide Bun­des­län­der leiden unter Alte­rung, regio­na­len Unter­schie­den und in Teilen auch unter Abwan­de­rung. Wir müssen die vor­han­de­nen Arbeits­kräf­te­re­ser­ven akti­vie­ren. Wir brau­chen eine flä­chen­de­cken­de Betreu­ungs­in­fra­struk­tur für Frauen mit Kindern und steu­er­li­che Anreize für Rentner, um zusätz­li­ches Ein­kom­men attrak­ti­ver zu machen. Der neue Wirt­schafts­raum ver­bes­sert auch die Aus­sich­ten auf qua­li­fi­zier­te Zuwan­de­rung aus dem Ausland.

Mandl / Da die Kor­alm­bahn derzeit in Kla­gen­furt endet, benö­ti­gen wir eine Güter­um­fah­rung entlang des Wör­ther­sees und rund um Villach bis zum Anschluss an die ita­lie­ni­sche Pont­eb­ba­na. Eng ver­bun­den mit der neuen Bahn­in­fra­struk­tur sind auch die Logis­tik­zen­tren Fürnitz, Kühns­dorf und St. Paul, die Kärnten von einem Tran­sit­land zu einer erst­klas­si­gen Wirt­schafts­zo­ne machen. Für Kärnten ist die Anpas­sung der Flä­chen­wid­mung und Raum­ord­nung in den Bezir­ken Wolfs­berg und Völ­ker­markt ent­schei­dend, um alle Ent­wick­lungs­mög­lich­kei­ten auf der Kärnt­ner Seite der Kor­alm­bahn nutzen zu können.

Herk / Die Stei­er­mark ist in diesem Bereich mit den Vor­be­rei­tun­gen im Raum Deutsch­lands­berg und der Grün­dung der Laß­nitz­tal Ent­wick­lungs-GmbH einen Schritt weiter. Der neue Wirt­schafts­raum Süd benö­tigt auch effi­zi­en­te Stra­ßen­ver­bin­dun­gen. Vor­ran­gig muss die Lücke in der S36/S37 zwi­schen Murau-Murtal und Kla­gen­furt geschlos­sen werden.

Welche wei­te­ren Schrit­te sind geplant, um den Wirt­schafts­raum „AREA SUED“ erfolg­reich umzu­set­zen?

Mandl / Wir planen einen stra­te­gi­schen und ope­ra­ti­ven Aus­tausch auf ver­schie­de­nen Ebenen und wollen ein bun­des­län­der­über­grei­fen­des Bündnis mit defi­nier­ten The­men­be­rei­chen schaf­fen. Gemein­sam werden wir ein For­de­rungs­pa­ket auf Bun­des­ebe­ne vor­an­trei­ben.

Herk / Abschlie­ßend möchte ich betonen, dass diese Jahr­hun­dert­chan­ce eine neue Ära für den Süden Öster­reichs ein­lei­tet. Es liegt an uns allen, uns dieser Aufgabe zu stellen und unseren gemein­sa­men Wirt­schafts- und Lebens­raum zur Rea­li­tät zu machen.

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