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Montanuni forscht an Abfallsystemen

Die bessere Vernetzung von Sensoren zur Stofferkennung und Maschinen zur Abfallbehandlung ist das Ziel eines groß angelegten Programms an der Montanuniversität Leoben. Seit zweieinhalb Jahren untersuchen dort Wissenschaftler und Techniker die Optimierung von Erkennungs- und Sortierprozessen.

ReWaste4.0 ist der offizielle Name des Programms. Finanziert wird die auf vier Jahre anberaumte Entwicklungstätigkeit vom COMET-Programm der Forschungsförderungsgesellschaft, die dafür fünf Millionen € einsetzt.

Seit Kurzem laufen Versuche bei der Mayer Recycling GmbH in St. Michael. Das Unternehmen setzt großtechnische Maschinen ein, unter anderem Shredder, verschiedene Siebmaschinen sowie sensorbasierte Abfallcharakterisierungs- und Sortieranlagen. „Wir haben damit die Möglichkeit, auf industriellen Anlagen Versuchsreihen durchzuführen“, freut sich der ReWaste-Leiter Dr. Renato Sarc, der auch stellvertretender Leiter des Lehrstuhls für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft an der Montanuniversität ist.

Im Wesentlichen, so Sarc, arbeite man mit nicht gefährlichen Abfällen und gemischten Abfällen – also Hausmüll, Sperrmüll und gemischtem Gewerbeabfall, der hauptsächlich aus Papier, Holz und Kunststoff besteht. Ziel ist es, möglichst viel davon zu recyceln. „Bisher ist es so, dass die Maschinen zur Abfallsortierung auf ein Programm eingestellt sind, das nur für eine bestimmte Klasse von Abfällen optimiert ist.“ Ändere sich die Zusammensetzung der angelieferten Stoffe, müssten die Maschinen auf die neue Sorte umgestellt werden.

Diesen Vorgang wollen Sarc und sein Team leichter machen. Eine Software soll die Daten aus den Sensoren – meist Kameras und Infrarotsensoren – auswerten, die Zusammensetzung des gerade durch die Anlage laufenden Abfalls erkennen und die Maschinen automatisch darauf einstellen.

An dem Entwicklungsprogramm nehmen zahlreiche steirische Firmen teil. Neben Mayer Recycling befinden sich BTW Binder mit ihrer Sensortochter Redwave, der Entsorgungsspezialist Saubermacher, der Zementhersteller Lafarge und der Spezialfahrzeugproduzent Komptech unter den Partnern.

Insgesamt sind etwa 60 Versuche mit gemischten Gewerbe- und Siedlungsabfällen vorgesehen. Im Zentrum der Versuchsreihe steht die Frage, welche Einstellparameter des Zerkleinerers den größten und materialselektivsten Einfluss auf das Zerkleinerungsergebnis haben und wie sensor- und bildbasierte Maschinen- und Materialdaten zur Digitalisierung der Abfallbehandlung beitragen können.

„Für uns Wissenschaftler eignet sich der Standort bei Mayer Recycling natürlich hervorragend für diese Versuchsreihe, da diese im Industriemaßstab – und das ist für uns einzigartig – durchgeführt werden kann“, meint Sarc. Rektor Wilfried Eichlseder unterstreicht die hervorragende Vernetzung der Montanuniversität mit den Industriepartnern. „Aufgrund dieser guten Zusammenarbeit führen diese Projekte zu konkreten Ergebnissen und können in den Unternehmen umgesetzt werden“, ist sich Eichlseder sicher. Auch Ing. Andreas Säumel von der Mayer Recycling GmbH sieht großen Nutzen für sein Unternehmen. „Wir konnten schon sehr viele Erkenntnisse aus diesem Projekt in unsere Prozesse integrieren“, erklärt Säumel.

Auch für die Studierenden an der Montanuniversität bietet ReWaste zusätzliche Perspektiven. „Die Steiermark ist ein Role Model, was die Abfallwirtschaft betrifft“, stellt Lehrstuhlleiter Univ.-Prof. Dr. Roland Pomberger klar. Wichtig für den Lehrstuhl sei auch der wissenschaftliche Output im Projekt ReWaste4.0. Bis jetzt entstanden sechs Dissertationen und eine Masterarbeit, zehn Studierende sind über dieses Projekt am Lehrstuhl angestellt.

www.unileoben.ac.at

Foto: RENATO SARC, Montanuniversität Leoben, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Abfallverwertungstechnik und Abfallwirtschaft

Fotocredit: Montanuni Leoben

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