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Metalltechnische Industrie investiert in die Zukunft

63 Prozent mehr Lehrlinge in den letzten 15 Jahren, starker Treiber im Außenhandel und Beschäftigungsmotor: Unter dem Motto „Die stärkste Branche der Steiermark investiert in die Zukunft“ trafen sich kürzlich die Vertreter der heimischen Metalltechnischen Industrie in Graz, um erfolgreich Bilanz zu ziehen und gemeinsam mit einer aktuellen Erhebung des Joanneum Research einen Ausblick in die (digitale) Zukunft der Branche zu werfen.

Am Tag der Metalltechnischen Industrie präsentierte die steirische Metalltechnische Industrie eine aktuelle Branchen-Erhebung des Joanneum Research. „Kürzest gefasst lautet ein zentraler Befund der Experten: Die Metallindustrie stellt sich bisher mit großem Erfolg den globalen Herausforderungen, insbesondere der Digitalisierung und arbeitet proaktiv daran, dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken“, erklärt Fachgruppengeschäftsführer Helmut Röck. Wesentlich seien hier die starken Industrie-Invests, die, im Gegensatz etwa zum benachbarten Deutschland, insbesondere in der Steiermark auf hohem Niveau anhalten und den Konjunkturmotor auf Touren bringe, so Röck: „Die Branche investiert in die Zukunft. Das sieht man auch an den hier gezählten 1.216 Lehrlingen – alle fast ausschließlich im technischen Bereich. Es werden um 63 Prozent mehr Lehrlinge als noch im Jahr 2005 ausgebildet und der Anteil an weiblichen Lehrlingen liegt bei 21 Prozent.“

Insgesamt werden für die Ausbildung einer Nachwuchsfachkraft in der heimischen Industrie rund 100.000 Euro von den Ausbildungsbetrieben in die Hand genommen, so Röck. Aber nicht nur im Bereich der Metalltechnik-Nachwuchsfachkräfte werde ordentlich Geld aufgewendet, ergänzt Obmann Hans Höllwart: „Die Industrie ist das Rückgrat der steirischen Wirtschaft und die Metalltechnische Industrie der Nervenstrang davon.“ Alleine im letzten Jahr betrugen die Bruttoanlageninvestitionen der Industrie hierzulande rund 3,6 Milliarden Euro, der Großteil davon entfiel auf die Metallindustrie, so Höllwart: „Alleine diese Invests führen zu einer Bruttowertschöpfung von knapp 2,4 Milliarden Euro österreichweit. Und die Topzweige in der Steiermark – der Maschinenbau und die Metallerzeugnisse – weisen eine Wertschöpfung von zwei Milliarden Euro aus.“ Das sichere nachhaltig Beschäftigung, so Höllwart: „Die Metalltechnische Industrie zählt mehr als 40.000 Mitarbeiter in der Steiermark. Ihre Funktion als Wachstumstreiber wird auch daran deutlich, dass die Zahl der Beschäftigten in diesem Segment von 2015 bis 2018 um mehr als 6.000 erhöht wurde. Anders gesagt: Es gibt hierzulande keine Deindustriealisierungstendenzen, sondern vielmehr ein klares Commitment zum Standort Steiermark.“ Bestes Beispiel dafür sei etwa die voestalpine, ergänzt Röck mit dem Verweis auf das über 350-Millionen-Euro-Projekt der voestalpine in Kapfenberg zum Bau des modernsten Edelstahlwerks – dem ersten Stahlwerk in Europa seit 40 Jahren.

Starke Invests der Betriebe sichern auch die erfolgreiche Stellung heimischer Betriebe auf den internationalen Märkten, betonen Höllwart und Röck unisono: „Der Internationalisierungsgrad in der Metalltechnik ist überdurchschnittlich. Die Exportquote in der Metallindustrie beträgt 65 Prozent, im Maschinenbau sind es 90 Prozent.“

Ein Blick auf die steirischen Außenhandelszahlen bestätige den starken Motor, den die Industriebetriebe darstellen – das geht auch aus Eric Kirschners – Wirtschaftsforscher am Joanneum Research – Expertise hervor: „Jeder dritte Job wird vom Außenhandel geschaffen.“ So hält die die Steiermark bei den Warenexporten im 1. Halbjahr 2018 (Anm. das sind die aktuellsten Zahlen) bei 19,5 Prozent. Erst mit deutlichem Abstand folgt hier etwa Niederösterreich mit 8,3 Prozent. Der Österreichschnitt beträgt für in diesen Zeitraum 5,8 Prozent. Um für die Zukunft weiterhin so gut gerüstet zu sein, gelte es, die große Herausforderung des technologisch-digitalen Wandels schneller und effizienter als die Konkurrenzregionen zu nutzen, betont Kirschner: „In nahezu allen Bereichen der steirischen Wirtschaft werden Innovation, Forschung und Entwicklung immer mehr ein entscheidender Faktor, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.“ Und die künftige Beschäftigungsentwicklung werde von akademischen und technisch-handwerklichen Berufen getrieben werden, so der Experte: „Der Bedarf an höher gebildeten Arbeitskräften wächst stärker, während der Bedarf an Personen nur mit Pflichtschulabschluss zurückgeht.“ Das formale Bildungswesen müsse darauf reagieren, könne hier aber mittelfristig nicht mehr zeitnah wirken, so Kirschner: „Die betriebliche Aus- und Weiterbildung ist umso mehr gefordert.“

Facts zur Metalltechnischen Industrie Steiermark:

Branche in der Steiermark zählt 165 Arbeitgeberbetriebe mit über 40.000 Beschäftigten und über 1.200 Lehrlinge. 21 Prozent sind weibliche Lehrlinge. Rund neun Prozent der Mitarbeiter sind Ingenieure und über 80 Prozent haben einen berufsspezifischen Abschluss. 15 Prozent der Branchenumsätze werden in der Steiermark gemacht. Die Topzweige sind Maschinenbau und Metallerzeugnisse, insbesondere als Zulieferer in die Automobilindustrie. Die Exportquote der Branche liegt bei rund 65 Prozent und im Maschinenbau sogar bei 90 Prozent. Bekannte steirische Unternehmen aus der Branche sind u.a. AL-KO, Andritz, Binder + Co., Böhler, GF Casting, Krenhof, Magna, Maschinenfabrik Liezen, Mosdorfer, Rosendahl-Nextrom, Roto Frank, Sandvik, Siemens, SFL Engineering, SSI Automation, Stahl Judenburg, Umdasch, VOEST, Wuppermann

 

Foto: „Die Metalltechnische Industrie stellt sich erfolgreich dem digitalen Wandel.“ Fotocredit: © dieindustrie – Kniepeiss