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Golfgenuss im Grazer Speckgürtel

Erlauben Sie uns die geografische Aufweichung des Begriffs „Speckgürtel“ und begleiten Sie uns auf einer aufregenden Reise in den Süden von Graz, die dann doch so weit nicht führt und in dem Credo mündet: Zu Hause ist es doch am schönsten!

Mit Konjunktiven ist die österreichische Sportlandschaft gepflastert, weshalb auch wir uns zum Start unseres Golftrips einen erlauben: Beinahe hätte ein ganz Großer des internationalen Golfdesign-Business den GC Gut Murstätten nahe Leibnitz entworfen. Als nämlich Baronin Marie Helene Bachofen-Echt – ja, wir wissen um das Thema mit den Adelstiteln Bescheid, und trotzdem – Ende der 1980er-Jahre sich daransetzte aus Teilen der landwirtschaftlichen Flächen bei Lebring einen Golfplatz zu entwickeln, standen echte Kapazunder zur Debatte.

Von Robert Trent Jones oder auch Jack Nicklaus war die Rede, die Preisvorstellungen ein wenig außerhalb des Budgets. Man munkelt von einem siebenstelligen Schillingbetrag. Das Umrechnen inklusive aller inflationsbereinigter Faktoren überlassen wir gerne Ihnen. Ob jedoch einem der beiden ein derart grandioser Kurs gelungen wäre, wie ihn schließlich der 2003 verstorbene Holländer Dudok van Heel entworfen hat, wagen wir zu bezweifeln. Van Heel, ein nicht minder renommierter und talentierter Golfplatz-Designer seiner Zeit, zauberte einen großartigen 18-Loch-Inland-Linkskurs mit bewegter Grünumgebung und ebensolchen zarten Hügeln in die an sich bügelbrettige Landschaft. Material zum Modellieren hatte van Heel zuhauf dank des zentralen, rund 14 Hektar großen Baggersees, den es im Zuge des Golfplatzbaus auszuheben galt.

Gleich von Anfang an plante die Frau Baron mit 27 Loch, einem „Pitch & Putt“-Kurs sowie einer großen Range. Auch wenn die ersten Jahre schwierig waren, war die Entscheidung rückblickend betrachtet eine vernünftige. Und so ist der GC Gut Murstätten heute vortrefflich aufgestellt! Ständige Weiterentwicklung spielt dabei eine zentrale Rolle. Als erster Club in Österreich verfügt man über eine Trackman Range und wird 30 E-Cars mit GPS System anbieten.

Kein Wunder also, dass sich der weit über die Grenzen beliebte Championship-Kurs, der mehrfach Heimat internationaler Topevents war, in die Riege der „Leading Golf Courses“ einfügt. Qualität war stets der allererste Anspruch, den der GC Gut Murstätten an sich hatte und nach wie vor hat. Dass das auch so bleiben wird, dafür garantiert Nikolaus von Skene, der Sohn der Baronin, der seit 1994 die Geschicke des Clubs lenkt.

Golf im Schlosspark und am Ulrichsberg

Weiter Richtung Westen befindet sich im Park des Renaissanceschlosses Frauenthal und am schönen Ulrichsberg der Golfplatz von Dr. Georg A. Breisach, einem Urgestein der österreichischen Golfszene, der durch seine umtriebige Art den Golfsport seit mehr als 30 Jahren mitprägt.

Einem illustren Abend mit Freunden und der neu entdeckten Leidenschaft für Golf entsprang 1988 die Idee, einen Golfplatz in der Weststeiermark zu bauen. So machten sich die Gebrüder Georg, der Arzt, und Stephan Breisach, der Spezialist für Golfplätze, mithilfe des steirischen Golfplatzbauers Herwig Zisser ans Werk, den Rasen für neun Spielbahnen im Park rund um das Schloss Frauenthal auszurollen. Nachdem Breisach keine halben Sachen mag, stand 1996 der Erweiterung auf die 18-Loch nichts mehr im Wege.

Aufgrund der damaligen Gegebenheiten baute man die fehlenden Spielbahnen auf den Ulrichsberg, der den heutigen Back-7 ihren typischen Charakter eines hügeligen Waldkurses verleiht. Ein Golfplatz mit zwei Gesichtern war geboren und garantiert reichlich Abwechslung. Während der Ulrichsberg seinen Golfspielern mit Spielbahnen wie der 15, einem Par 4 mit scharfem Dogleg nach rechts oder einem Grünangriff mit Eagle-Chance für Mutige alles abfordert, spaziert man im Schlosspark durch Eichenalleen bis zum Signature-Hole 11, einem kurzen Par 3 mit Inselgrün.Von der großzügig angelegten Clubterrasse mit direktem Blick auf das Inselgrün kann man bei herrlich weststeirischer Kulinarik mit einem wohltemperierten Glas Schilcher Zeuge von so manchem golferischen Freud und Leid werden. Vielleicht trifft man auch auf den Präsidenten Georg Breisach, der manchmal die Geschichte seines Golfplatzes sehr unterhaltsam zum Besten gibt.

Very british, eigentlich

Noch nicht ganz außerhalb von Graz, aber auch nicht mehr wirklich in der Stadt. Das trifft für den GC Murauen am besten zu. Der 9-Loch-Platz in den Mur-Auen ist das perfekte Breitbandantibiotikum gegen jede Art von Golfklischees: Teuer? Wer sich einen 10er-Block leistet und Zeit hat, vor 15 Uhr aufzuteen, kommt mit 24 Euro pro Runde über die Runde (sic!). Versnobt? Schauen Sie einfach mal vorbei – legerer kann man in den Golfsport nicht einsteigen. Was nicht heißt, dass man hier auf die Etikette pfeift. Aber der Zugang ist stressfrei und barrierelos. In jeder Hinsicht. So wie das die britischen Pay-and-play-Kurse vorleben. Die oberste Prämisse lautet: Stressfrei und entspannt Zeit mit Gleichgesinnten verbringen. Die Standesdünkel können getrost im Kofferraum bleiben.

Der Platz selbst ist bei aller Kürze doch mit viel Würze angelegt: Da ein mächtiges Wasserhindernis, dort ein erhabenes Grün, das es uns nicht leicht machen will von uns getroffen zu werden. Score hin, Stableford her: Am Ende bleibt das positive Grundfeeling, sich in relativ kurzer Zeit in der frischen Luft bewegt und das Ganze auch noch stressfrei genossen zu haben.

Sie brauchen noch ein wenig Bedenkzeit, um sich darüber Gedanken zu machen, wie man die Reise durch den Speckgürtel anlegt. Am besten, man kühlt vorderhand einen Weißen ein, wir empfehlen eine klassische südsteirische Traube wie einen Morillon, Grauburgunder oder Sauvignon Blanc. Es geht schließlich um eine authentische Herangehensweise. Eine Brettljause vielleicht noch. Olfaktorische Unterstützung liefern auch im Backrohr gebratene Maroni. Dann sind Sie schon mitten in der Südsteiermark. Und das Golfen kommt wie von selbst.

Kontakt:
www.gcmurstaetten.at
www.gcfrauenthal.at
www.graz-golf.at

Foto: GC Gut Murstätten